Der Bochumer Alfred Lübbehusen (63) reist mit dem Traktor nach Rügen und besucht auf dem Weg Altenheerse
»Für mich ist der Weg das Ziel«

Willebadessen (WB). 30 PS stark und höchstens 18 Stundenkilometer schnell ist der Oldtimer-Traktor von Alfred Lübbehusen. Der 63-Jährige kommt aus Bochum und verwirklicht gerade einen Kindheitstraum. Er fährt mit dem Trecker nach Rügen. Auf seinem Weg lag auch Altenheerse, wo Lübbehusen am Samstag Station machte und mit den Dorfbewohnern Königsschießen feierte.

Montag, 09.05.2016, 15:28 Uhr aktualisiert: 09.05.2016, 15:30 Uhr
Die Küche ist in einem Anbau an den Wohnwagen untergebracht. »Ich koche mir hier jeden Tag etwas«, berichtet Alfred Lübbehusen. Er hat mit seinem Traktorgespann auf dem Weg nach Rügen Station in Altenheerse gemacht. Foto: Marius Thöne
Die Küche ist in einem Anbau an den Wohnwagen untergebracht. »Ich koche mir hier jeden Tag etwas«, berichtet Alfred Lübbehusen. Er hat mit seinem Traktorgespann auf dem Weg nach Rügen Station in Altenheerse gemacht. Foto: Marius Thöne

Hinter dem Traktor der Marke McCormick hängt seine mobile Wohnung. »Min Hütt«, wie Alfred Lübbehusen sein Zuhause liebevoll nennt. Es erinnert ein bisschen an den Bauwagen von Peter Lustig aus der ZDF-Sendung Löwenzahn.

Hier hat er alles, was er zum Leben braucht: Ein Bett, eine Küche mit Kühlschrank, Dusche, einen kleinen Gasofen und sogar einen Fernseher. Für Strom sorgen zwei Solarzellen auf dem Dach, die damit erzeugte Energie wird in Autobatterien gespeichert, die sich unter dem Anhänger befinden.

Alles selbst gebaut

Alfred Lübbehusen in seinem selbstgebauten Wohnwagen. Die Regale sind so gesichert, dass nichts herausfallen kann. An den Wänden hängen Fotos von seinen Enkelkindern.

Alfred Lübbehusen in seinem selbstgebauten Wohnwagen. Die Regale sind so gesichert, dass nichts herausfallen kann. An den Wänden hängen Fotos von seinen Enkelkindern. Foto: Thöne

Alles hat Lübbehusen selbst gebaut. Dafür ist er Experte, hat der gelernte Metzger doch bis zu seinem Ruhestand 30 Jahre lang am Schauspielhaus in Bochum als Bühnenhandwerker gearbeitet und Kulissen gebaut.

In den vergangenen zehn Jahren war er schon häufiger mit Traktor und Wohnanhänger auf großer Fahrt. »Ich liebe dieses Gefühl von Freiheit und Individualität«, sagt der zweifache Familienvater und Opa zweier Enkel. Mehrere Touren führten in nach Schleswig-Holstein.

»Ich mag den Norden«, stellt der 63-Jährige fest. Außerdem müsse sich der Traktor nicht so anstrengen. »Es gibt dort ja kaum Berge«, sagt er und lacht. Nach Rügen zu fahren, sei ein lang gehegter Traum gewesen.

Kleine Filme auf der Reise

Vor drei Jahren war Alfred Lübbehusen das erste Mal in Altenheerse und lernte zufällig Schützen-Brudermeister Raimund Rehermann kennen. Zwischen ihnen ist eine Freundschaft entstanden.

Vor drei Jahren war Alfred Lübbehusen das erste Mal in Altenheerse und lernte zufällig Schützen-Brudermeister Raimund Rehermann kennen. Zwischen ihnen ist eine Freundschaft entstanden. Foto: Thöne

Sich diesen zu erfüllen, hat er reichlich Zeit. »Mein Frau hat gesagt, dass ich spätestens Ende August wieder zu Hause sein soll«, erzählt Lübbehusen. Und weil er es nicht eilig hat, bleibt genug Zeit, um neue Kontakte zu knüpfen und sich mit den Altenheersern über ihren neuen König zu freuen. Die Proklamation von Erik Rehermann nimmt er auf Video auf – als Erinnerung. Kleine Filme dreht er auf jeder seiner Reisen.

Lübbehusen ist nicht das erste Mal in Altenheerse. Vor drei Jahren kam er auf einer Fahrt schon einmal durch den Ort, rastete etwas außerhalb am Windpark. »Da hielt auf einmal in Volvo neben mir«, erinnert sich Lübbehusen noch gut an seine erste Begegnung mit dem Landwirt und Brudermeister der Schützen, Raimund Rehermann. »Er hat mich zu sich nach Hause eingeladen«, erzählt der Hobby-Traktorfahrer.

Latzhose ist sein Markenzeichen

Danach sei eine intensive Bekanntschaft entstanden. »Ich wollte Raimund am Samstag auf dem Weg nach Rügen zu Hause überraschen. Dass Königsschießen ist, wusste ich nicht«. Kein Problem für ihn, feiert er eben mit. Zwar nicht in Schützenuniform, sondern in Latzhose, weil die nämlich sein Markenzeichen ist.

»Bauer Lübbe« ist vorne drauf gedruckt. »Ich hatte zwar nie etwas mit Landwirtschaft zu tun, wollte aber immer einen Traktor haben«, sagt der Bochumer.

Der erste, den er vor einigen Jahren kaufte, war etwas schwach auf der Brust. Vor fünf Jahren musste ein neuer her. Allerdings nichts anderes als ein McCormick. Lübbehusen mag das Motorengeräusch. »Und natürlich die rote Farbe«, schiebt er hinterher.

40 Kilometer am Tag

50 Jahre hat sein Gefährt mittlerweile auf dem Buckel und ist doch sehr zuverlässig. »Nur einmal ist der Anlasser ausgefallen«, erinnert sich Lübbehusen.

Nach einer Nacht im selbstgebauten Wohnwagen auf dem Vorplatz der Himmelsberghalle ist Lübbehusen Sonntagvormittag wieder aufgebrochen. Er fährt höchstens 40 Kilometer am Tag, allerdings nicht über Bundesstraßen. »Da behindere ich nur den Verkehr«.

Ein Navi im Cockpit des McCormick weist ihm den Weg über die Nebenstraßen. »Das ist ja das Schöne an dieser Art zu reisen: Man kommt auch an abgelegenere Orte. Wenn es mir irgendwo gefällt, bleibe ich und schlafe dort«, sagt Alfred Lübbehusen.

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