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Do., 30.11.2017

Eigentümer warnen davor, Gebiete für den Anlagenbau freizugeben Absage an Windkraft im Wald

Auf Feld und Flur sind Windräder schon seit Jahren kein seltener ­Anblick mehr. Anders sieht das mit dem Bau von Anlagen im Forst aus. 23 Waldbesitzer aus ganz Deutschland haben sich nun gegen diese Ideen ausgesprochen.

Auf Feld und Flur sind Windräder schon seit Jahren kein seltener ­Anblick mehr. Anders sieht das mit dem Bau von Anlagen im Forst aus. 23 Waldbesitzer aus ganz Deutschland haben sich nun gegen diese Ideen ausgesprochen. Foto: Armin Weigel/dpa

Von Daniel Lüns

Willebadessen (WB). 23 Waldbesitzer aus ganz Deutschland haben sich in einem offenen Brief gegen den Bau von Windrädern in Wäldern ausgesprochen. Konstantin Freiherr von Wrede aus Willebadessen, Isa Freifrau von Elverfeldt aus Paderborn und Ferdinand Graf von Spiegel aus Borgentreich-Borgholz gehören dazu. Sie besitzen im Kreis Höxter 1500 Hektar Wald.

In Willebadessen hat sich das Trio nun getroffen, um über den Protest zu sprechen. Ihr oberstes Ziel: Aufmerksamkeit erregen und für das Thema sensibilisieren. »Das haben wir bereits geschafft«, sagt von Wrede mit Blick auf die bundesweite Berichterstattung über den offenen Brief.

»Wir wollen zum Nachdenken anregen, vor allem andere Waldbauern.« Und sie wollen davor warnen, Waldgebiete zugunsten der Windkraft aufzugeben.

Negative Auswirkungen

Gegen die Projekte sprechen nämlich diverse Gründe, erklären von Wrede, von Elverfeldt und von Spiegel. Diese betreffen etwa Tiere, Menschen, den Boden – und das liebe Geld. Für den Bau eines Windrades müssten zum Beispiel im Wald große Flächen gerodet werden – nicht nur dort, wo die Anlage gebaut wird.

Auch Zufahrtsstraßen oder eine Stromtrasse müssten errichtet werden. »Aber überall, wo ich einen geschlossenen Wald aufreiße, mache ich ihn verwundbar. Dort ist er zum Beispiel viel anfälliger für Wind«, sagt von Spiegel.

Die großen Betonfundamente wiederum veränderten die Wasserführungen im Boden. »Das wirkt wie ein Stauwerk«, sagt der Graf. Für umstehende Bäume sei das eine Gefahr. Von den Rotorblättern hingegen gehe eine Gefahr für Tiere aus. »Man darf einen Rotmilan nicht töten. Das sagt das Gesetz.

»Aber hier nehmen Behörden das in Kauf«, erklärt Isa Freifrau von Elverfeldt. Auch Menschen würden beeinträchtigt, sagt von Spiegel. Aus der Klus Eddessen etwa, die in seinem Waldstück liege, habe ein Eremit ausziehen müssen, weil er den Infraschall der umliegenden Windräder nicht ausgehalten habe. »Der wollte dauerhaft bleiben.«

Angelegenheit für Jahrzehnte

Das Argument, die Umsetzung der Projekte bringe Geld, wollen die Fachleute dabei nicht stehen lassen. »Das ist ein kurzfristiger Profit zulasten unserer Betriebe«, sagt Konstantin Freiherr von Wrede. Die langfristige Auslegung der Windenergieanlagen mache diese zu einer Angelegenheit für Jahrzehnte.

Wartung, Ausbau oder auch Rückbau inklusive. Auch die Funktion des Waldes als Erholungsgebiet gehe dabei verloren. Von negativen Auswirkungen auf Denkmäler und den Tourismus vor Ort ganz zu schweigen.

Dabei machen die Waldbesitzer keinen Hehl daraus, anfangs selbst daran gedacht zu haben, Windräder zu bauen oder Flächen dafür zur Verfügung zu stellen. Im Laufe der Zeit änderte sich jedoch ihre Meinung.

Ferdinand Graf von Spiegel etwa wurde durch seine Recherche zu Windkraftanlagen sogar zu einem Gegner der Südlink-Trasse. »Gerade diese Gegend ist doch von der Natur so reich gesegnet. Da bin ich vom Saulus zum Paulus geworden«, sagt er.

Verantwortung der Besitzer

Isa Freifrau von Elverfeldt schrieb mehrere Bücher über den Wald, in denen sie sich auch mit seiner Entstehung auseinandersetzte. »Unsere Vorfahren haben den Wald zu dem gemacht, was er heute ist.« Die Eigentümer der Wälder stünden in der Verantwortung, diese für die Nachwelt zu erhalten.

Sie finde es seltsam, dass nun darüber nachgedacht werde, Forstbereiche zu roden, um dort Ökostrom zu produzieren: »Wir zerstören also die Natur, um die Natur zu retten.«

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