Fachleute prüfen in Willebadessen Leitungen – Eheringe im Abwasserschacht
Roboter spürt Kanalschäden auf

Willebadessen (WB). Ablagerungen, Setzungsrisse, eingewachsene Wurzeln – einem Abwasserrohr können viele Dinge zu schaffen machen. Ein Kameraroboter, der die Leitungen abfährt, kann diese Schäden aufspüren. In Willebadessen laufen derzeit solche Überprüfungen.

Samstag, 17.03.2018, 13:00 Uhr aktualisiert: 17.03.2018, 18:22 Uhr
Es geht abwärts: Einen Kameraroboter lassen (von links) Heiko Wickel, Maik Menke und Daniel Schnietz vom Menke Abflussdienst aus Paderborn in einen Schacht hinab. Foto: Daniel Lüns
Es geht abwärts: Einen Kameraroboter lassen (von links) Heiko Wickel, Maik Menke und Daniel Schnietz vom Menke Abflussdienst aus Paderborn in einen Schacht hinab. Foto: Daniel Lüns

Alle 15 Jahre müssen die Leitungen geprüft werden

Dort ist die Firma Menke Abflussdienst aus Paderborn mit dem Ingenieurbüro Turk aus Brakel im Einsatz. Am Beispiel der Arbeiten in der Eggestadt erklären die Experten, wie so eine Kanalüberprüfung – die Tests laufen zurzeit in vielen Städten und Gemeinden im Kreis Höxter – funktioniert.

Alle 15 Jahre müssen die Leitungen geprüft werden. »Ungefähr 150 Kilometer misst das Abwassernetz in Willebadessen. Wir überprüfen nun aber nur etwa ein Fünfzehntel davon«, sagt Tobias Bielefeld vom Ingenieurbüro Turk.

Kamerarobotor kommt zum Einsatz

Dennoch werden die Arbeiten etwa vier Wochen dauern. Bevor die betroffenen Gebiete westlich der L 828 untersucht werden können, werden die Leitungen gespült. »Dreck oder leichte Ablagerungen könnten ja Schäden verdecken«, sagt Bielefeld. Danach kommt ein Kameraroboter der Firma Menke zum Einsatz. Abschnitt für Abschnitt

Tierische Besucher tummeln sich im Abwassernetz.

Tierische Besucher tummeln sich im Abwassernetz.

werden die Rohre damit abgefahren. Das Gerät wird von einem Bulli aus ferngesteuert. Dort sehen die Fachleute auch die Kamerabilder und notieren alles, was sie sehen.

Dazu gehört zum Beispiel der Zustand des Kanals und seiner Zuleitungen. Schäden werden ebenfalls vermerkt. Mit einer solchen Befahrung können die Arbeiter etwa 500 Meter Strecke erfassen. Pro Tag schafft ein Trupp etwa 800 bis 1000 Meter, je nachdem, in welchem Zustand der Kanal ist – und ob das Wetter mitspielt. Bei starkem Frost zum Beispiel kann nicht gearbeitet werden, auch wenn es im Abwassernetz selbst stets etwa zwölf Grad warm ist.

Schäden an den Rohren aufspüren

Neben Schäden am Rohr finden die Fachleute bei der Befahrung auch allerlei Tiere, wie etwa Mäuse, Enten oder sogar Waschbären. Zudem entdeckt die Kamera viele Dinge, die gar nicht ins Abwasser gehören. »Alles, was man in der Toilette herunterspülen kann, sehen wir«, sagt Maik Menke vom Menke Abflussdienst. Teddybären, Fahrradteile oder ganze Teppiche gehören dazu. »Wir haben auch schon Eheringe gesucht – und wiedergefunden.«

Nach der Willebadessener Kanalbefahrung sichtet das Ingenieurbüro Turk das Material. »Für uns sind drei Dinge wichtig: Die Dichtheit der Leitung, ihre Standsicherheit und die Betriebssicherheit«, erklärt Tobias Bielefeld. Leckt eine Leitung? Droht sie an einer Stelle einzustürzen? Ist sie abgesackt und transportiert das Abwasser nicht mehr richtig? Das gilt es herauszufinden. Die aufgenommenen Videos werden dafür angeschaut, Schäden werden nach Schweregraden klassifiziert.

Sanierungskonzept wird aufgestellt

»Die Auswertung folgt noch in diesem Jahr. Anschließend erstellen wir für die Stadt Willebadessen ein Sanierungskonzept.« Voraussichtlich im kommenden Jahr könnten die ersten Arbeiten beginnen. Im einfachsten Fall lässt sich ein Schaden durch eine weitere Rohrspülung beseitigen. Das funktioniert zum Beispiel bei leichten Ablagerungen. Größeren Hindernissen können die Fachleute etwa mit einem Roboter, der mit Fräskopf ausgestattet ist, zu Leibe rücken.

Lecks oder Wurzeleinwüchse können zum Teil mit Harz-Schläuchen verschlossen werden. Diese sogenannten Inliner werden in den Kanal gezogen, an dessen Wände gepresst und dann ausgehärtet. Dort sitzen sie wie eine zweite Haut. »Das ist schneller und günstiger, als die Straße aufzubrechen«, sagt Bielefeld. Hilft das alles nicht weiter, müssen aber doch die Bagger anrücken.

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