Passionsfestspiele müssen auf Stadthallenvorplatz umziehen
Baron blockiert Weg zum Schlosspark

Willebadessen (WB). Die Passionsfestspiele Willebadessen feiern Mittwoch, 28. März, Premiere. Doch Veranstaltungsort ist nicht wie geplant der Schlosspark, sondern der Vorplatz der Stadthalle. Grund für den kurzfristigen Ortswechsel sind Streitigkeiten zwischen dem Veranstalter, dem Verein »Naturbühne Willebadessen«, und Schlossbesitzer Konstantin Freiherr von Wrede.

Dienstag, 27.03.2018, 21:56 Uhr aktualisiert: 27.03.2018, 22:00 Uhr
Die Tribühne für die Passionsfestspiele wurde aufgebaut, jedoch nicht wie geplant im Schlosspark, sondern auf dem Vorplatz der Stadthalle. Grund für den kurzfristigen Ortswechsel sind Streitigkeiten zwischen Veranstalter und Schlossbesitzer. Foto: Konrad Thiele
Die Tribühne für die Passionsfestspiele wurde aufgebaut, jedoch nicht wie geplant im Schlosspark, sondern auf dem Vorplatz der Stadthalle. Grund für den kurzfristigen Ortswechsel sind Streitigkeiten zwischen Veranstalter und Schlossbesitzer. Foto: Konrad Thiele

»Wir können die Tribüne im Schlosspark nicht aufbauen«, teilte Volker Merschmann gestern dem WESTFALEN-BLATT mit. Schlossbesitzer Konstantin Freiherr von Wrede habe die Zuwegung, die sich auf seinem Grundstück befindet, mit zwei Findlingen und einem Poller versperrt.

Weg durch das Torhaus unpassierbar

Der Weg durch das Torhaus sei aufgrund der Höhe der Fahrzeuge ebenfalls nicht passierbar. Aufgrund des aufgeweichten Bodens könne mit den schweren Fahrzeugen auch nicht über die Wiese gefahren werden. Volker Merschmann sieht das Verhalten des Barons als »Boykott gegen die Veranstaltung« an.

Der Verein Naturbühne Willebadessen stand mit der Blockade von Wredes vor dem Dilemma, dass er zwar das Nutzungsrecht für den im städtischen Besitz befindlichen Schlosspark hat, diesen letztlich aber nicht nutzen kann.

»Wir haben uns dann spontan zu einem Umzug entschließen müssen, um die Veranstaltung zu retten«, ärgert sich Volker Merschmann. Er richtet gemeinsam mit seiner Frau Petra seit Jahren die Passionsfestspiele OWL aus und ist Partner der Naturbühne Willebadessen, die als Veranstalter auftritt.

Zuspitzung eines monatelangen Streits

Die Blockade der Zuwegung ist die Zuspitzung eines Streits, der schon vor Monaten begonnen hat. Ursprünglich sei eine gemeinsame Ausrichtung der Passionsfestspiele geplant gewesen, sagte Konstantin Freiherr von Wrede dem WESTFALEN-BLATT. »Bei der Diskussion um die Details sind wir auseinandergelaufen. Missvertrauen ist entstanden«, so von Wrede.

Außerdem habe es Streitigkeiten um eine weitere Veranstaltung gegeben. Der Baron wollte nach eigenen Angaben im Rahmen des Netzwerkes Klosterlandschaft OWL ein Event im Schloss Willebadessen organisieren, das Familie Merschmann mit Inhalt füllen sollte. Letztendlich sei die Veranstaltung geplatzt, so der Schlossbesitzer.

Auch Petra Merschmann führt den jetzigen Konflikt auf die seinerzeitigen Streitigkeiten zurück. Freiherr von Wrede habe den Künstlervertrag, der auch eine finanzielle Vergütung vorgesehen habe, nicht unterschreiben wollen, berichtet Petra Merschmann von der damaligen Situation.

Verein holt Nutzungsrechte ein

Konstantin von Wrede hält dagegen, dass von einer Gage nie die Rede gewesen sei und er deshalb den Vertrag nicht unterschrieben habe. Beide Seiten behaupten von der jeweils anderen, dass diese die Gespräche schließlich abgebrochen habe.

An seinem Vorhaben, die Passionsfestspiele im Ambiente des Schlossparks auszurichten, hielt die Naturbühne Willebadessen allerdings trotz des Zerwürfnisses zwischen der Familie Merschmann und Freiherr von Wrede fest. So holte der Verein bei Bürgermeister Hans Hermann Bluhm die Nutzungsrechte für den städtischen Schlosspark ein.

Nach Angaben von Bluhm gegenüber dem WESTFALEN-BLATT beinhaltet ein von ihm unterschriebener Nutzungsvertrag, dass die Zuwegung auf dem Grundstück der Familie von Wrede für den Kur- und Tourismusbetrieb genutzt werden darf.

»Verhalten ist höchst unmoralisch.«

Da bei dem Wegerecht allerdings nicht eindeutig geklärt sei, ob es sich dabei nur um ein Geh- oder auch ein Fahrrecht handelt, habe der Schlossbesitzer wohl das Recht, den Weg für den Fahrzeugverkehr abzusperren, sagte der Bürgermeister, der die Unstimmigkeiten um die Passionsfestspiele »sehr schade« findet.

»Eine juristische Klärung des Wegerechts hätte für unsere Veranstaltung viel zu lange gedauert«, erklärte Volker Merschmann. Auch im Gespräch mit dem Schlossbesitzer habe es keine Lösung gegeben. Nach Aussage von Petra Merschmann hat Konstantin Freiherr von Wrede eine Bezahlung zur Nutzung des Weges gefordert.

»Diese können wir nicht leisten, da die Naturbühne Willebadessen ein gemeinnütziger Verein ist und wir ehrenamtlich arbeiten«, so Petra Merschmann. Sie findet das Verhalten des Schlossbesitzers »höchst unmoralisch«.

»Dem Bürgermeister Schranken aufzeigen.«

Konstantin Freiherr von Wrede wiederum sagt, er habe sich übergangen gefühlt. Die Findlinge und den Poller habe er aufgestellt, um dem Bürgermeister »Schranken aufzuzeigen«. Es sei bedauerlich, dass niemand auf ihn zugekommen sei. »Hätte man ein Gespräch mit mir gesucht, hätte ich die Steine und den Poller in 15 Minuten entfernen können«, so von Wrede.

Nun werden die Passionsfestspiele also auf dem Vorplatz der Stadthalle ausgerichtet. »Dort haben wir einige Einschränkungen, wir können zum Beispiel keine Palmen pflanzen«, sagt Petra Merschmann. Dennoch solle es für die Zuschauer eine schöne Veranstaltung werden, wenn auch nicht im schönen Ambiente des Schlossparkes.

Die Premiere beginnt heute um 19.30 Uhr. Die weiteren Aufführungen finden am Gründonnerstag, 29. März, um 19.30 Uhr sowie am Karfreitag, 30. März, um 16.30 und um 19.30 Uhr statt. Einlass ist jeweils 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.

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