Polizei warnt vor Suchtgefahren und kritisiert Verharmlosung »weicher« Drogen
Finger weg vom Rauschgift

Kreis Höxter (WB). Die Polizei kritisiert die Verharmlosung »weicher« Drogen. Weil sich der Wirkstoffgehalt insbesondere beim Marihuana deutlich nach oben entwickelt habe, gerieten junge Menschen schnell in die Abhängigkeit, warnt Karlheinz Schröder, Leiter des Kriminalkommissariats 1 der Kreispolizeibehörde Höxter.

Sonntag, 17.02.2019, 02:50 Uhr aktualisiert: 17.02.2019, 06:00 Uhr
Stellen die Kriminalitätsstatistik 2018 vor: Polizeidirektor Christian Brenski (von links), Landrat Friedhelm Spieker, Karlheinz Schröder, Leiter des Kriminalkommissariats 1, und Guido Oelmann, Leiter der Führungsstelle Kriminalität. Foto: Sabine Robrecht
Stellen die Kriminalitätsstatistik 2018 vor: Polizeidirektor Christian Brenski (von links), Landrat Friedhelm Spieker, Karlheinz Schröder, Leiter des Kriminalkommissariats 1, und Guido Oelmann, Leiter der Führungsstelle Kriminalität. Foto: Sabine Robrecht

Bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2018 am Freitag richtete Landrat Friedhelm Spieker als Leiter der Kreispolizeibehörde den Fokus darauf, dass sich die Zahl der Rauschgiftdelikte von 351 auf 609 Fälle erhöht hat. Ecstasy, um bei der Party gut drauf zu sein, und Marihuana, um sich dann zu entspannen: Dieser gefährliche Mix gehört für nicht wenige junge Menschen zur Wochenendgestaltung dazu. Viele Drogenkonsumenten fliegen bei Verkehrskontrollen auf: Sie hatten am Wochenende mit Rauschgift gefeiert – und sich dann montags wie gewohnt wieder ans Steuer gesetzt. »Die Wirkung hält aber zwei Tage oder noch länger an«, klärt Landrat Spieker auf.

146 Autofahrer sind 2018 unter Rauschgifteinfluss

146 Autofahrer sind 2018 unter Rauschgifteinfluss am Steuer erwischt worden. Im Vorjahr waren es 94. »Wir werden das weiter verstärkt kontrollieren«, kündigt Spieker an – verbunden mit dem Appell, nach einem Party-Wochenende mit Drogen nicht montags Auto zu fahren beziehungsweise die Rauschmittel am besten gar nicht erst zu nehmen. Wer die Finger davon lässt, vermeidet nicht nur Sanktionen wie die zeitaufwendige Medizinisch-Psychologische Untersuchung nach Drogenfahrten (MPU), sondern vor allem auch die Suchtgefahr, vor der die Polizei so eindringlich warnt.

Wie man an Drogen herankommt, erfahren Jugendliche über Mundpropaganda. Eine offene Szene mit Drogenumschlagsplätzen gebe es im Kreis Höxter aber Gott sei Dank nicht, bilanziert Karlheinz Schröder. Damit das so bleibt, ist die Polizei weiter konsequent am Ball.

5899 Straftaten: Niedriger Wert

Der Anstieg der Fallzahlen 2018 sei unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass die Beamten einen Dunkelbereich aufgehellt haben. »Da bleiben wir dran«, sagt Karlheinz Schröder entschlossen. An die Bürgerinnen und Bürger appelliert er, sich mit Hinweisen an die Polizei zu wenden. »Durch Hinweise aus der Bevölkerung haben wir einen Ansatz, tätig zu werden.«

Das gelte nicht nur für Drogendelikte, sondern auch für verdächtige Fahrzeuge und andere Auffälligkeiten. »Die Sozialkontrolle ist gut im Kreis Höxter.« Und auch der Leitsatz für das Kulturland, »Kreis Höxter – die sichere Land-Region in NRW«, erfahre durch die Kriminalitätsstatistik 2018 eine eindrucksvolle Bestätigung, lobt Spieker die Polizei. Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten sei mit 5899 die niedrigste seit mehr als zehn Jahren (Bericht vom 14. Februar). Die Aufklärungsquote von 64,03 Prozent, die beste seit 1974 und ein Spitzenwert in OWL, »ist Ergebnis guter Polizeiarbeit im Kreis Höxter«.

Kreis kann mit »sicherer Region« werben

Das spiegele auch die Kriminalitätshäufigkeitszahl wider: Sie liege bei 4167 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Im NRW-Vergleich (7160 Straftaten) sehe der Kreis so gut aus, dass er mit »sichere Region« werben könne.

Dass die Bürgerinnen und Bürger sich sicher fühlen, ist der Polizei ein zentrales Anliegen. Deshalb will sie trotz stark rückläufiger Fallzahlen bei den Wohnungseinbrüchen weiter präventiv arbeiten. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist von 164 auf 56 gesunken. »Wir werden nicht aufhören, weil die Zahlen gut sind, sondern Zeit in die Prävention investieren«, zeigt Polizeidirektor Christian Brenski Flagge. »Wir setzen unsere Kampagnen fort.«

Annentag 2018: Polizei sucht nach wie vor Tatverdächtigen

Um 15 Fälle angestiegen sind die Sexualstraftaten. 74 waren es insgesamt im vergangenen Jahr. Dazu gehören zwölf Vergewaltigungen und schwere sexuelle Nötigungen. Von diesen seien, so Karlheinz Schröder, elf Fälle aufgeklärt. Offen sei nur noch der Fall vom Annentag im August 2018. »Hier suchen wir noch nach einem Tatverdächtigen.« Sexueller Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen ist bei der Polizei 16mal aktenkundig geworden. Wegen Besitzes von Kinderpornografie ermittelten die Beamten in drei Fällen.

Der Leiter des Kriminalkommissariats 1 verwies in dem Zusammenhang darauf, dass die Kreispolizeibehörde im November 2016 bereits zwei Informatiker eingestellt habe, die im Bereich Kinderpornografie mit der neuesten Software zur Auswertung von Datenträgern ermitteln.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6395033?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851059%2F
BGE: Deckgebirge in Gorleben nicht ausreichend für Endlager
Stefan Studt (r.), BGE-Vorsitzender und Steffen Kanitz, Mitglied der Geschäftsführung der BGE, zeigen eine Landkarte mit Teilgebieten für die Endlagersuche.
Nachrichten-Ticker