Sa., 17.08.2019

Feuerwehren suchen Helfer, die auch tagsüber verfügbar sind – Modelle und Ideen Vom Schreibtisch in den Einsatz

Von Daniel Lüns

Warburg (WB). Donnerstag, 1. August, 13.11 Uhr: Die meisten Menschen sind bei der Arbeit oder im Urlaub. In Körbecke aber brennt ein Taubenschlag lichterloh. Wer löscht tagsüber, wenn’s brennt? Eine Frage, welche die Freiwilligen Feuerwehren im Warburger Land immer mehr beschäftigt.

Denn die sogenannte Tagesverfügbarkeit von Rettern ist bei allen Wehren, die sich aus ehrenamtlichen Helfern zusammensetzen, ein Thema. Um tagsüber im Falle eines Falles genug Einsatzkräfte zu bekommen, gibt es verschiedene Modelle und Ideen.

Borgentreich

In der Orgelstadt ist Marco Janzen ein »Grenzgänger«. Der Peckelsheimer ist für die EDV im Behördenhaus zuständig. Aber wenn der Melder piept, dann rückt er seit Frühjahr 2018 mit dem Löschzug Borgentreich aus – obwohl er Mitglied des Löschzuges Peckelsheim ist. Für Janzen Ehrensache: Wenn die Kollegen aus dem Rathaus stürmen, wollte er nicht am Schreibtisch sitzen bleiben.

Janzen wollte mithelfen. Damit rannte er bei Sebastian Göke, Leiter der Feuerwehr Borgentreich, offene Türen ein. Etwa eine Hand voll Mitarbeiter der Stadtverwaltung engagieren sich in anderen Einheiten. Sie gehören etwa den Wehren aus Warburg, Beverungen oder Peckelsheim an, rücken aber in Borgentreich mit aus. »Ich bin sehr zufrieden. Ich wünschte, wir hätten mehr davon«, betont Göke.

Etwa 900 Euro nahm die Stadt in die Hand, um Janzen einen zweiten Satz Ausrüstung zu besorgen. Diese lagert nun im Borgentreicher Gerätehaus. Damit Janzen die Großfahrzeuge der Wehr künftig auch selbst steuern kann, bezahlt die Stadt ihm zudem den LKW-Führerschein. Janzen wiederum nimmt an den Übungsabenden der Borgentreicher teil und lernt so Kollegen und Material kennen.

»Für uns ist das eine Win-Win-Situation«, betont Bürgermeister Rainer Rauch. Um die Tagesverfügbarkeit zu sichern, seien die Ausgaben gut angelegtes Geld. Beim Brand in Körbecke zum Beispiel war Janzen ebenfalls schnell vor Ort. »Und mir hilft der LKW-Führerschein auch beim Löschzug Peckelsheim«, sagt Janzen. Dort engagiert er sich unter anderem als stellvertretender Jugendwart.

Warburg

Eine »Tagesalarmgruppe« soll das Problem Tagesverfügbarkeit in Warburg lösen. Die Gruppe wird zurzeit aufgebaut. Sie besteht aus 15 Personen, die zur Feuerwehr Warburg gehören und ihren Arbeitsplatz in Warburg haben, aber in unterschiedlichen Einheiten tätig sind. »Die üben nun gemeinsam, damit sich die Leute untereinander kennenlernen«, erklärt Jürgen Rabbe, Leiter der Feuerwehr Warburg.

Gerätemäßig sei die Wehr gut aufgestellt, dennoch müssten die »fremden« Feuerwehrleute auch in Warburg neu eingekleidet werden. Auch LKW-Führerscheine werden – das funktioniert übrigens auch in Borgentreich so – über einen festen Etat im Haushalt abgerechnet. Pro Jahr könnten sieben Führerscheine bezahlt werden, sagt Rabbe: »Wir haben 14 Einheiten. Also kann jede Einheit alle zwei Jahre einen schicken. So halten wir den Status Quo – trotz des demografischen Wandels.«

Zudem wirbt der Feuerwehrchef bei Unternehmen stets eifrig für das Freistellen von Mitarbeitern für den Feuerwehrdienst. Das Thema setzte er sogar jüngst auf die Tagesordnung des Warburger Unternehmerfrühstücks – und sprach die Tagesverfügbarkeit damit in großer Runde an. »Ich hatte auch das Gefühl, dass es sehr gut angekommen ist.«

Willebadessen

Auch in der Stadt Willebadessen tragen etwa eine Hand voll Feuerwehrleute aus verschiedenen Einheiten dazu bei, dass die Tagesverfügbarkeit gewährleistet bleibt. Sie sind Mitarbeiter der Stadtverwaltung, des Bauhofes und des Wasserwerkes, erklärt Benjamin Ortmann, Leiter der Feuerwehr Willebadessen.

»Die Tagesverfügbarkeit ist überall ein Problem. Viele Dörfer sind Schläferdörfer geworden«, erklärt der Feuerwehrchef. Zwischen sieben und etwa 17 Uhr sei das besonders kritisch, eben weil viele Helfer zu der Zeit nicht verfügbar seien. Tagsüber würden daher auch mehr Retter alarmiert, als eigentlich benötigt würden, um am Einsatzort die benötigte Anzahl an Mensch und Material vorhalten zu können.

Zudem werde in manchen Orten am Stadtrand die oft beschworene interkommunale Zusammenarbeit gelebt. Die Einsatzkräfte aus Ikenhausen, Engar, Hohenwepel und Nörde zum Beispiel machten jährlich eine gemeinsame Übung – und zwar schon seit Jahren. Auch städteübergreifend, also zwischen Borgentreich, Warburg und Willebadessen, sei so eine Zusammenarbeit angedacht. »Daran arbeiten wir zurzeit«, sagt Ortmann. Wann die Idee umgesetzt werden könnte, stehe aber noch nicht fest.

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