Sa., 26.10.2019

Alte Eisenbahn: touristische Erschließung gescheitert? – Wohl kein Themen-Wanderweg Der Zug ist (fast) abgefahren

So sieht der Tunneleinschnitt an der Westseite der verlassenen ­Großbaustelle heute aus. Die bereits fertig gestellten 200 Meter langen Tunnelabschnitte waren nach der Aufgabe der Baustelle gesprengt worden.

So sieht der Tunneleinschnitt an der Westseite der verlassenen ­Großbaustelle heute aus. Die bereits fertig gestellten 200 Meter langen Tunnelabschnitte waren nach der Aufgabe der Baustelle gesprengt worden. Foto: Christian Howe

Von Daniel Lüns

Willebadessen (WB). Die touristische Erschließung der Alten Eisenbahn bei Willebadessen scheint gescheitert. Auch nach monatelangen Verhandlungen konnten sich die Beteiligten nicht auf eine Lösung einigen. Ein bereits geplanter Themen-Wanderweg wird wohl nicht mehr realisiert.

Denkmal auf Privatbesitz

In den Gesprächen war vor allem die Verkehrssicherungspflicht ein Streitpunkt. Der Wanderparkplatz Alte Eisenbahn gehört der Stadt Willebadessen. Der Stadt Lichtenau gehören Teile des angrenzenden Waldes. Der Großteil des Denkmals liegt auf dem Privatbesitz von Konstantin Freiherr von Wrede, Eigentümer des Schlosses Willebadessen.

»Konstantin Freiherr von Wrede hatte die Idee, die Alte Eisenbahn touristisch zu vermarkten«, sagt Willebadessens Bürgermeister Hans Hermann Bluhm. Der Freiherr habe aber erklärt, im Falle einer touristischen Erschließung nicht die Unterhalts- und Verkehrssicherungspflichten übernehmen zu können.

Verträge ohne Unterschrift

Daraufhin habe die Stadt Willebadessen angeboten, diese Pflichten zu übernehmen. Auch für Teile des Areals, die zur Stadt Lichtenau gehören. »Diese Verträge liegen Herrn von Wrede vor«, sagt Bluhm. Unterschrieben habe er sie bisher nicht. Eigentlich ist das auch nicht nötig: Die Stadt übernehme die Pflichten bereits seit Jahrzehnten – auf Grundlage eines Vertrags mit Diethard Freiherr von Wrede, dem Vater von Konstantin  Freiherr von Wrede. Auf Bitten des Freiherren seien neue Verträge aufgesetzt worden.

Mittlerweile verfolge von Wrede aber den Ansatz, dass die Stadt das Gelände pachten solle. »Mittlerweile würden wir das sogar machen«, sagt Bluhm. Dafür müssten aber noch sämtliche Details ausgearbeitet werden.

Info-Tafeln geplant

Fritz Jürgens bedauert das Ganze sehr. Der Borgentreicher arbeitet bei der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) und war einer der Grabungsleiter, als Archäologen von 2016 bis 2018 vor Ort arbeiteten. Die Forscher setzten sich dafür ein, die Alte Eisenbahn erfahrbar zu machen.

Ein 13.000-Euro-Förderantrag wurde gestellt und auch bewilligt. Mit Mitteln des NRW-Umweltministeriums sollte an der verlassenen Großbaustelle ein Themen-Wanderweg entstehen. Auf sechs Info-Tafeln sollte die Geschichte der jeweiligen Abschnitte, Gebäude und Gewerke erklärt werden. Die CAU wollte die inhaltliche und grafische Gestaltung der Tafeln übernehmen, die Stadt Willeba­dessen deren Aufstellung.

Die Tafeln sollten am Willebadessener Bahnhof, am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn und an den Ausgrabungsorten aufgestellt werden. Ergänzt werden sollten die Tafeln durch lebensgroße Stahl-Silhouetten, welche damalige Arbeiter darstellen. Für die Umsetzung warteten die Forscher auf die Unterschrift der Verträge.

Frist läuft aus

Mittlerweile drohten Fristen für die bereits bewilligten Fördermittel zu verstreichen. Daher hatte die CAU in der vergangenen Woche von Wrede um eine endgültige Entscheidung gebeten, ob er der Übernahme der Pflichten zustimme und die Maßnahmen auf seinem Grundstück erlaube oder nicht. Die Universität bot dem Freiherrn an, ihn als Kooperationspartner auszuweisen.

Die Frist endete am Sonntag, erklärt Fritz Jürgens. »Bislang kam leider keine Antwort. Nun werden wir das Ganze komprimieren«, sagt der Grabungsleiter. Geplant sei eine kleine Lösung: Aus den sechs Tafeln würden voraussichtlich zwei werden. Statt an den Ausgrabungsorten sollen sie nun am Bahnhof und auf dem Wanderparkplatz Alte Eisenbahn stehen. Auch der Bürgermeister rechnet damit, dass es auf diese Lösung hinauslaufen wird. Von weiteren 1050 Euro Fördergeld, das die Stadt akquiriert hatte, sollen Info-Flyer gedruckt werden.

Hoffnung auf große Lösung

Konstantin Freiherr von Wrede hat hierzu auf Anfrage keine Stellungnahme abgegeben.

Fritz Jürgens hofft, dass sich die Erschließung der Alten Eisenbahn doch noch umsetzen lässt. Für Ende November sei ein Termin anberaumt, bei welchem die genaue Umsetzung der kleinen Lösung besprochen werde. Bis dahin sei ein Konsens immer noch möglich. Jürgens: »Die Tür ist noch offen.«

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Schade

Das Foto ist recht märchenhaft mit dem urwüchsigen Wald, dem Totholz und den Felsen. Schade wenn man dort keinen Wanderweg anlegen kann.

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