Sa., 28.12.2019

In Schweckhausen steht nun Ortsheimatpfleger Christian Kloidt am Feuer Schmieden gelernt, VHS-Kurse gesichert

Christian Kloidt heizt der Schmiede in Schweckhausen ein. Der Ortsheimatpfleger von Schweckhausen/Willegassen hat sich das alte Handwerk beigebracht. Seit Herbst 2019 leitet er in den historischen Räumen auch die VHS-Schmiedekurse.

Christian Kloidt heizt der Schmiede in Schweckhausen ein. Der Ortsheimatpfleger von Schweckhausen/Willegassen hat sich das alte Handwerk beigebracht. Seit Herbst 2019 leitet er in den historischen Räumen auch die VHS-Schmiedekurse. Foto: Daniel Lüns

Von Daniel Lüns

Willebadessen (WB). Wenn das Metall weiß glüht, muss Christian Kloidt schnell sein. Er greift zum Hammer – und haut zu. Durch kraftvolle, gut dosierte Schläge macht er aus dem Metallstück einen Meißel. Der Ortsheimatpfleger von Schweckhausen/Willegassen hat sich das Schmieden beigebracht – und damit die VHS-Schmiedekurse in Willebadessen-Schweckhausen gesichert.

Denn deren bisheriger Leiter, Bernhard Möller aus Uslar-Eschershausen, ist mittlerweile über 80 Jahre alt und möchte kürzer treten. Nach der umfangreichen Restaurierung hatte Möller der Schmiede am Tag des offenen Denkmals im September 2017 erstmals wieder eingeheizt. Der Schmied leitete im Frühjahr 2018 auch die ersten Schmiedekurse. Dabei assistierte ihm Kloidt bereits. Dann wurde der 43-Jährige gefragt, ob er in Möllers Fußstapfen treten wolle. Er sagte zu.

„Ich habe das nicht gemacht, weil ich Ortsheimatpfleger bin. Aber es passt ganz gut“, sagt Kloidt. „Mir macht es Spaß, Wissen zu vermitteln. Und so kann ich auch ein kulturelles Handwerk erhalten.“ Schmieden sei einfach ein interessantes Thema. Kurse dazu würden jedoch selten angeboten. Entsprechend groß sei die Nachfrage nach den VHS-Kursen in Schweckhausen.

Schmieden ist üben, probieren und lernen

Im Frühjahr 2019 gab Möller im Ort seine letzten Kurse. Bis dahin schaute ihm Kloidt bei der Arbeit über die Schulter. Er schnappte Tipps und Tricks auf, den Rest des Handwerks brachte er sich selbst bei. „Schmieden ist üben, probieren, lernen. Dazu kann man kein Buch lesen“, erklärt der 43-Jährige.

Die Affinität dazu brachte er von Haus aus mit: „Ich bin immer beim Metall geblieben.“ Schon sein Vater war Hufschmied, später lernte Christian Kloidt Werkzeugmacher. Danach studierte er Maschinenbau. Nach einer Karriere in der Industrie wurde der 43-Jährige Berufsschullehrer am Berufskolleg Kreis Höxter in Brakel – natürlich in der Fachrichtung Maschinenbautechnik.

Dessen Schulleitung unterstütze das Engagement des Schweckhauseners. Und vor Kurzem, im Herbst 2019, leitete Kloidt schließlich seine ersten beiden Schmiedekurse. Männer und Frauen haben bei ihm Haken, Nägel oder Herzen gefertigt. Welches Geschlecht (sich) am Amboss besser schlägt? Kloidt muss bei dieser Frage schmunzeln. Pauschal könne man das nicht beantworten.

Gefühl für das Material und die richtige Technik

„Hier kamen schon Männer rein, die wollten am liebsten gleich ein Schwert schmieden“, sagt er. Nach einer Stunde hätten die Recken die körperliche Arbeit aber schon in den Knochen gemerkt. Dabei habe Schmieden gar nicht so viel mit Kraft zu tun. „Man muss ein Gefühl für das Material haben und die richtige Technik“, sagt Kloidt.

Zudem müssten sich die Teilnehmer vorstellen können, was sie erschaffen wollten. Das könne manche Frau besser. Auch das Tempo sei wichtig. „Auf dem Weg vom Feuer zum Amboss kühlt das Metall schon ab“, sagt er. „Das Sprichwort stimmt also schon: ‚Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist‘.“ Auch wenn es sich bei den Werkstücken eigentlich um Stahl handle.

Bei seinem Hobby wird Kloidt von vielen Schweckhausenern unterstützt. Sie bringen Material vorbei, halfen bei der Restaurierung einer Esse oder spendeten Werkzeug, betont Christian Kloidt: „Ich bin hier nicht alleine.“

Gerne würde der 43-Jährige noch kleineres, leichteres Werkzeug für Kinder anschaffen und dann auch wieder Kurse für junge Menschen anbieten. Das mache Spaß, sorge aber auch für den Nebeneffekt der Berufsorientierung: „So können sie in die Metallarbeit hineinschnuppern.“

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