Do., 23.01.2020

Kommunen Brakel und Willebadessen kooperieren für das Gemeinwohl Die Zeit ist reif für Wandel mit System

Haben das Projekt vorgestellt (von links): Peter Frischemeier, Alexander Kleinschmidt, Hermann Temme, Christoph Harrach, Hans Hermann Bluhm und Christian Einsiedel.

Haben das Projekt vorgestellt (von links): Peter Frischemeier, Alexander Kleinschmidt, Hermann Temme, Christoph Harrach, Hans Hermann Bluhm und Christian Einsiedel. Foto: Reinhold Budde

Von Reinhold Budde

Brakel/Willebadessen (WB). Die beiden Städte Brakel und Willebadessen haben am Dienstag beim Projekt „Gemeinwohl-Region Kreis Höxter“ mit ihrer sogenannten Gemeinwohl-Bilanzierung begonnen. Nach Steinheim gehen sie damit als die nächsten beiden Städte in Nordrhein-Westfalen den Weg zur Gemeinwohl-Kommune.

Was steckt dahinter? Nicht unbedingt nur das Geld, sondern das Wohl aller Menschen sei der Antrieb für die Wirtschaft. Das Modell setze auf Kooperation statt Konkurrenz. „Wie können wir unsere Welt besser machen? Wie können wir uns auf kommunaler Ebene tun?“, fragt Brakels Bürgermeister Hermann Temme – und Hans Hermann Bluhm, Stadtoberhaupt aus Willebadessen, fügt hinzu: „Wir Bürgermeister kümmern uns um das Gemeindewohl, ernsthaft und sinnvoll.“

Ein Stück Regionalmarketing

Hermann Temme hat ein klares Ziel vor Augen: „Durch die Aufstellung einer Gemeinwohl-Bilanz möchten wir unser Verwaltungshandeln weiterhin und auch für die Zukunft verstärkt an Gemeinwohlwerten wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Mitbestimmung und Transparenz ausrichten – gerade auch für die kommenden Generationen.“ Als Gemeinwohl-Gemeinde bilanziert zu sein, sei zudem ein Stück Regionalmarketing, mit dem sich Brakel und Willebadessen herausstellen könnten.

Willebadessens Bürgermeister Hans Hermann Bluhm sieht das ähnlich: „Das Thema wurde durchaus kontrovers diskutiert. Ich bin nach eingehender Beschäftigung mit der Sache zu dem Schluss gekommen, dass die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie dem Weg entspricht, den wir angesichts neuer Herausforderungen einschlagen müssen.“ Er freue sich zudem sehr auf die interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Brakel und darauf, von den Erfahrungen der Stadt Steinheim mit der dort bereits laufenden Bilanzierung zu lernen.

Städte werden weiterentwickelt

„Wir benutzen im Amt seit Jahren ausschließlich recyceltes Papier. Daran kann man nichts verbessern. Werden in der Stadt Pflasterarbeiten durchgeführt, wird dieser Auftrag ausgeschrieben – und das günstigste Angebot erhält in der Regel den Zuschlag. Wir werden demnächst aber verstärkt darauf achten, wo das Pflaster herkommt. Stammt es von einem Steinbruch aus Indien, wo eventuell Minderjährige arbeiten und wo der weite Transport nach Deutschland wenig umweltfreundlich ist, sollte man überlegen, ob man nicht Pflaster aus einem deutschen oder gar regionalen Steinbruch nimmt – auch, wenn die Kosten dann höher ausfallen. Und dies ist nur ein Beispiel“, sagt Hermann Temme. Denn lokales Handeln könne auch globale Auswirkungen haben.

Temme freut sich auf die Zusammenarbeit mit der Stadt Willebadessen: „So können wir uns auf kommunaler Ebene gemeinsam verbessern und die Städte auch weiterentwickeln.“

Zivilgesellschaftliche Bewegung

Die Kommunen-Bilanzierung wird ab sofort und in den kommenden sechs Monaten durchgeführt. Sie ist Teil des mit Leader-Mitteln geförderten Projekts „Gemeinwohlregion Kreis Höxter“. Die Bildungsreferenten der Stiftung Gemeinwohl-Ökonomie NRW aus Steinheim, Christian Einsiedel und Christoph Harrach, begleiten das Projekt ebenso wie eine externe Beratungsagentur. Mit der Fertigstellung der Gemeinwohl-Bilanzen wird im Sommer gerechnet.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine 2010 in Österreich gegründete zivilgesellschaftliche Bewegung. Sie ist demokratisch organisiert und wird als lernendes System in Arbeitskreisen und einem weltweiten Netz von Regionalgruppen ständig weiterentwickelt. Ihr Ziel ist es, Unternehmen, Kommunen und Bildungseinrichtungen dabei zu unterstützen, ihre Tätigkeit stärker mit ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit sowie demokratischen Grundwerten in Einklang zu bringen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7211299?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2851059%2F