Weltwassertag beleuchtet Zusammenhang zwischen Klimawandel und Landwirtschaft
Mehr Schädlinge, weniger Weizen

Brakel (WB). Unter dem Motto „Landwirtschaft und Klimawandel“ hat am Sonntag der Weltwassertag gestanden. „Mit diesem Thema soll darauf hingewiesen werden, dass die Bewirtschaftung von Flächen und Klimawandel in einem Zusammenhang stehen“, erläutert Georg Gievers von der Wasserkooperation Höxter.

Dienstag, 24.03.2020, 01:38 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 05:02 Uhr
Georg Gievers von der Wasserkooperation Höxter erläutert anlässlich des Weltwassertages die Konsequenzen des Klimawandels für die Natur und die Landwirtschaft. Foto: Wasserkooperation
Georg Gievers von der Wasserkooperation Höxter erläutert anlässlich des Weltwassertages die Konsequenzen des Klimawandels für die Natur und die Landwirtschaft. Foto: Wasserkooperation

Die Entwicklung des Klimas sei in der jüngeren Vergangenheit eines der dominierenden Themen gewesen. Bestes öffentliches Beispiel seien die „Fridays for Future“-Demonstrationen.

„Das Thema des Klimawandels und damit einhergehend die Erderwärmung ist jedoch nicht neu. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden weltweit Beschlüsse zum Klimaschutz getroffen. Mit einem weiteren Temperaturanstieg werden global die Ernteerträge zurückgehen“, weiß Brakels Klimaschutzmanager Hendrik Rottländer. Betroffen seien unter anderem Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais und Reis. Der Klimawandel dürfte starke Auswirkungen auf Wasserverfügbarkeit, Ernährungssicherheit sowie landwirtschaftliches Einkommen haben – die Anbaugebiete würden sich Projektionen zufolge verschieben.

Durch den menschengemachten Klimawandel werde sich auch die Häufigkeit von Wetterextremen erhöhen. „Der trockene Sommer von 2018 könnte sich also in kürzeren Abständen wiederholen“, sagt der Klimaschutzmanager.

Eine so lange Zeit ohne Regen habe starke Auswirkungen auf Talsperren, den Grundwasserspiegel in einigen Regionen und die Begünstigung von Schädlingen. Auch Starkregenereignisse könnten vermehrt auftreten, da der Wasserdampfgehalt durch die weltweite Erderwärmung angestiegen sei. Rottländer: „Je feuchter die Luft, desto mehr Energie steht dem Gewitter zur Verfügung. Dies haben im vergangenen Oktober in mehreren Ortschaften im Kreis Höxter die Bürger bei Überschwemmungen sehr leidlich und mit großen Schäden verspüren können.“

„Landwirtschaft spürt Folgen des Klimawandels“

„Die Landwirtschaft in Deutschland und somit auch im Kreis Höxter verspürt die Folgen des Klimawandels ebenfalls. In den beiden letzten Jahren haben wir sehr trockene Jahre erlebt“, so Georg Gievers. Vor allem im Jahr 2018 seien die Kulturen auf den Feldern und den Wiesen vertrocknet – und das habe verschiedenste Auswirkungen. Der Fachmann: „Gibt es weniger Nahrungsangebote, leiden alle: angefangen von den Insekten, die für viele Vögel Nahrungsmittel sind, bis hin zu den Menschen, die zur Zeit die Veränderung derjenigen nur bedingt an den Supermarktkassen spüren.“

Eine andere Auswirkung sei jedoch auch der Nährstoffaustrag aus den Böden. „Die Kulturen wurden in der Vegetation durch die Landwirte auf ein gewisses Ertragsziel gedüngt“, berichtet Gievers. Durch die trockenbedingten Ernteausfälle seien diese Nährstoffe jedoch nicht gänzlich dem Boden entzogen worden. Das habe in Verbindung mit den Niederschlägen im darauffolgenden Winter zu Nährstoffauswaschungen und insbesondere zu Nitratanreicherungen im Grundwasser geführt.

Trinkwasser vorhanden

„Sehr gut festzustellen war ein Anstieg der Nitratgehalte im Grundwasser besonders in Gebieten mit sehr geringer Bodenauflage und somit einem schnellen Austrag aus dem Boden“, führt Christof Münstermann vom Versorgungsunternehmen der Stadt Brakel aus. Auch andere Trinkwasserversorger im Kreis Höxter könnten dieses so bestätigen. Münstermann: „Es hat jedoch in den vergangenen Jahren zu keinem Zeitpunkt und an keiner öffentlichen Stelle im Kreis Höxter einen qualitativen oder quantitativen Versorgungsengpass mit Trinkwasser gegeben.“

Die Anpassungsstrategien an den Klimawandel durch die Landwirtschaft seien vielfältig. Dies seien etwa eine geänderte Fruchtfolge und Bestandsführung auf den landwirtschaftlichen Flächen in den Betrieben, eine angepasste Bodenbearbeitung sowie Veränderungen bei der Düngung und im Pflanzenschutz. Das zentrale Element sei nach Einschätzung der Fachleute jedoch die hohe Fruchtbarkeit der Böden – zum Beispiel durch den klimaneutralen Aufbau von Humus. „Böden in einem guten Zustand haben über ihre hohe Infiltrationsleistung die Möglichkeit, größere Wassermengen in kurzer Zeit aufzunehmen und vor dem Abfluss zu schützen. Wir beraten die Landwirte zu einer Wirtschaftsweise, welche der Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, aber auch dem Klima- und Umweltschutz gerecht wird“, verspricht Georg Gievers.

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