Renovierungskosten für Gebäude offenbar hoch – Haus des Gastes im Gespräch
Gemeindeforstamt soll umziehen

Willebadessen (WB). Neun Reviere mit insgesamt 10.000 Hektar Wald betreut das Gemeindeforstamt Willebadessen. Zu Hause ist es seit mehr als 90 Jahren im markanten Gebäude am Forstamtsweg in Willebadessen. Das soll sich ändern. Das Haus, das um 1900 erbaut wurde, soll verkauft werden. Die Institution soll umziehen. Als neuer Dienstsitz ist das Haus des Gastes im Gespräch.

Mittwoch, 08.04.2020, 07:02 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 07:10 Uhr
Um 1900 herum wurde das Haus gebaut, in dem das Gemeindeforstamt Willebadessen seit mehr als 90 Jahren zu finden ist. Das Gebäude soll nun verkauft werden. Interessenten für das Haus gibt es bereits. Das Forstamt soll umziehen. Foto: Daniel Lüns
Um 1900 herum wurde das Haus gebaut, in dem das Gemeindeforstamt Willebadessen seit mehr als 90 Jahren zu finden ist. Das Gebäude soll nun verkauft werden. Interessenten für das Haus gibt es bereits. Das Forstamt soll umziehen. Foto: Daniel Lüns

Das bestätigt Michael Beninde, Leitender Kreisrechtsdirektor des Kreises Paderborn und Verbandsvorsteher des Gemeindeforstamtes Willebadessen, auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTES. Das Thema stehe seit einem bis eineinhalb Jahren im Raum. In der jüngsten Sitzung habe sich die Verbandsversammlung nun dafür entschieden, „das Haus zu veräußern, sofern geeignete Räume gefunden werden“, erklärt Beninde.

Hoher Investitionsstau am Gebäude

Zwei Gründe hätten dazu geführt. Zum einen gehe Forstamtsleiter Andreas Becker Ende dieses Jahres in den Ruhestand. Die Dienstwohnung, die Becker zurzeit im Gebäude des Gemeindeforstamtes bewohne, werde dann aufgegeben. Zum anderen sei das Forsthaus alt und verursache daher auch entsprechende Kosten. „Je älter das Haus, desto teurer der Unterhalt. Irgendwann muss man sich entscheiden: Renovieren oder Verkaufen“, sagt Beninde.

Wie hoch die Renovierungskosten des Gebäudes sind, kann er nicht sagen. „Die Zahlen sind Gegenstand laufender Verhandlungen“, erklärt Beninde. Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES sollen sie etwa 240.000 Euro betragen. „Wir haben am Haus einen hohen Investitionsstau“, ergänzt Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln, Vorsitzender der Verbandsversammlung des Gemeindeforstamtes. Interessenten gebe es aber bereits.

„Das ist ganz ohne Zweifel ein Liebhaberobjekt. Solche Objekte sind immer sehr begehrt“, sagt Stickeln. Generell sei eine Nachnutzung als Wohnhaus oder auch für ein Gewerbe möglich, erklärt Oliver Becker von der Abteilung Bauen und Planen des Kreises Höxter. Das müsse im Einzelfall geprüft werden. Einen Bebauungsplan für das Areal gebe es nämlich nicht.

Lichtenau möchte Dienstort werden

Es gelte der Flächennutzungsplan. In dem sei das Gebiet als Fläche für die Landwirtschaft ausgewiesen. Als Forsthaus sei das Gebäude vermutlich – aufgrund seines Alters lasse sich das schwer nachvollziehen – ein sogenanntes privilegiertes Gebäude im Außenbereich. Als solches dürfe es umgenutzt werden, sofern das mit öffentlichen Belangen vereinbar sei.

Aber auch am kommunalen Zweckverband selbst besteht Interesse. So würde nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES etwa Lichtenau gerne neuer Dienstort des Forstamtes werden. Tatsächlich war Lichtenau in der Gründungszeit der Institution – gegen 1830 – bereits als Dienstsitz bestimmt worden. Nach verschiedenen Stationen wurde der Dienstsitz im Jahr 1928 in das heutige Gebäude in Willebadessen verlegt.

Stickeln spricht sich gegen eine Verlegung aus. Aus Sicht der Hansestadt sei es „unumgänglich, dass der nächste Standort in Willebadessen liegt“. Michael Beninde verweist dazu auf die rechtliche Situation: „Die Verbandssatzung besagt, dass der Sitz des Forstamtes Willebadessen ist.“ Sollte der Dienstort geändert werden, müsste die Satzung geändert werden.

Bürgermeister möchte Institution halten

Das möchte Hans Hermann Bluhm, Bürgermeister der Stadt Willebadessen, verhindern. Er hat vorgeschlagen, dass der Zweckverband in das Haus des Gastes umzieht. Dort stehe genug Fläche zur Verfügung. „Das wäre auch in kurzer Zeit möglich.“ Die Umsetzung werde zurzeit durch die Stadtverwaltung geprüft. Fest stehe aber bereits: Der Umzug hätte auch Nachteile.

„Die AWO könnte die Lebensmittelausgabe nicht mehr im Haus des Gastes ausrichten. Zudem wäre die Historische Gesellschaft betroffen, in Teilen auch der Musikverein“, sagt der Bürgermeister. „Das wäre ein Einschnitt in die Vereinsarbeit unserer Stadt.“ Um das möglichst zu vermeiden werde geprüft, ob auch andere Räumlichkeiten im Stadtteil Willebadessen – auch in Privatbesitz – als Dienstsitz für das Forstamt in Frage kämen. Bluhm: „Dann wäre das Problem der Auslagerung der Vereine vom Tisch.“

Mit der Zukunft des Dienstsitzes des Gemeindeforstamtes Willebadessen wird sich die Verbandsversammlung voraussichtlich Mitte des Jahres in einer Sitzung befassen. Ein festes Datum, bis wann der Umzug abgeschlossen sein soll, gibt es aber nicht. „Zeitnah“, sagt Michael Beninde dazu.

Forstamt besteht seit etwa 190 Jahren

Das Gemeindeforstamt Willebadessen wurde zwischen 1830 bis 1835 gegründet. Eigentümer des Forstamtes sind 14 Städte und Gemeinden, der Kreis Paderborn, 13 Kirchengemeinden und ein Wasserwerk. In Nordrhein-Westfalen gibt es nur ein ähnliches Konstrukt: das Gemeindeforstamt Aachen.

Auf dem Gebiet des Altkreises Warburg und des Kreises Paderborn betreut das Gemeindeforstamt Willebadessen den kommunalen und kircheneigenen Waldbesitz. Zudem wird im Hochsauerlandkreis der Stadtwald Marsberg betreut.

Zur Unterhaltung des Forstamtes bilden die waldbesitzenden Kommunen und Kirchengemeinden einen kommunalen Zweckverband, den Gemeindeforstamtsverband Willebadessen.

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