Oster-Gottesdienste kommen per Livestream aus der Pfarrkirche in Brenkhausen
Pastor Spittmann sendet online

Höxter-Brenkhausen (WB). Ein kleiner, handgeschriebener Zettel an der Eingangstür der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Brenkhausen dokumentiert das Einmalige in einem Satz: „Das Erzbistum Paderborn sagt vorläufig alle Gottesdienste und sonstigen Veranstaltungen ab.“

Freitag, 10.04.2020, 06:28 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 18:32 Uhr
Pastor Tobias Spittmann bereitet sich in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Brenkhausen auf die Oster-Gottesdienste vor. Bis einschließlich Ostermontag werden die Gottesdienste aus der römisch-katholischen Pfarrkirche live übertragen. Foto: Jürgen Drüke
Pastor Tobias Spittmann bereitet sich in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Brenkhausen auf die Oster-Gottesdienste vor. Bis einschließlich Ostermontag werden die Gottesdienste aus der römisch-katholischen Pfarrkirche live übertragen. Foto: Jürgen Drüke

Oster-Gottesdienste kommen per Livestream aus Brenkhausen

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Das hat es in der Geschichte der Kirche noch nicht gegeben. Trotzdem fällt Ostern in Zeiten von Corona nicht aus. Gottesdienste werden online live auf Youtube übertragen – so wie im Pastoralverbund Corvey bereits seit Wochen jeden Sonntag aus der Kirche St. Johannes Baptist in Brenkhausen.

Pastor Tobias Spittmann, der in der Propsteistraße direkt neben der Kirche und dem Kloster im Schelpedorf wohnt, hat bereits vor zwei Jahren für die technischen ­Voraussetzungen gesorgt und die Leitungen sowie Kabel in dem Gotteshaus, das 1231 erstmals urkundlich erwähnt wurde, verlegen lassen.

Seitdem aufgrund der großen Ansteckungsgefahr in Zeiten von Corona Gottesdienste in den Kirchen verboten sind, ist der Pastor auf Sendung. „Die Pfarrkirche in Brenkhausen bietet aufgrund des technischen Equipments und der Ausstattung die besten ­Voraussetzungen für ­Live-Streaming im Pastoralverbund Corvey. Die Live-Klickzahlen waren mit durchschnittlich 125 pro Messe gut.“

Kirche lernt dazu

Da ganze Familien online zuschauen und mitfeiern würden, würde die Zahl der Gottesdienst-Besucher Ostern sehr wahrscheinlich im vierstelligen Bereich angesiedelt sein. Auch einige Tage nach den Übertragungen würden die Messfeiern aus Brenkhausen im Netz immer noch eine stattliche Resonanz hervorrufen. „Damit erreichen wir die Gläubigen. Über den Pastoralverbund hinaus können uns Menschen aus der ganzen Welt zuschauen“, schmunzelt der 43-Jährige.

Die Errungenschaft Internet sei in diesen Zeiten immens wichtig. Wenngleich ein Gottesdienst mit den Gläubigen in der Kirche und der direkte Blickkontakt während einer Messfeier durch nichts zu ersetzen sei. „Wir hoffen, dass die Sehnsucht nach Gottesdiensten in Zeiten nach Corona groß ist. Die Kirche lebt von der Gemeinschaft“, hebt der Geistliche hervor. Die Kirche stehe für Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Kirche werde in Zeiten von Corona dazu lernen. So, wie es in vielen anderen Bereichen auch geschehen würde.

Kommentar

Ostern ist das höchste Fest der Christenheit – die Erlösungsgeschichte wird vollendet. Jesus ist den Weg durch den Kreuzestod zur Auferstehung gegangen. In den verdunkelten Kirchen gehen die Lichter an. Das Halleluja erklingt. Die Orgel spielt auf. Viele Menschen brauchen das, gerade in diesen schweren Zeiten.

Das Gottesdienstverbot ist umstritten und sorgt in Deutschland für Missmut. Die Kirchen haben längst reagiert und kommen mit Online-Gottesdiensten zu den Gläubigen. Die Sehnsucht nach Kirche und Gott wächst. Die katholische und evangelische Kirche erhalten Zuspruch – Christen erkennen, wie wichtig der Glaube ist. In der Krise gibt Gott Halt und Stärke.

In normalen Zeiten hätte kaum jemand bemerkt, dass Gottesdienste ausfallen. Jetzt melden sich die Gläubigen. Die Bibel steht für Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Vorfreude auf das alte Feiertagsgefühl ist groß – eine volle Kirche, in der wir eng zusammenrücken, damit alle reinkommen. Ostern 2020 wird alles anders sein. Das Auferstehungsfest weckt trotz der Verbote große Hoffnungen. Jürgen Drüke

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Bereits während der Gottesdienste steht Stefan Drüke aus dem Kirchenvorstand, der für Bild und Ton zuständig ist und mit einer Webcam die Gottesdienste in die Wohnzimmer bringt, mit den Live-Zuschauern im Kontakt. „Es kommen sehr viele aufmunternde Kommentare. Die Teilnehmer und insbesondere die älteren Menschen, die jetzt abgeschirmt leben, sind sehr dankbar“, weiß Spittmann. Nach jedem Online-Gottesdienst steht übrigens die Manöverkritik auf dem Plan. „Mein Bruder, der mit seiner Familie in Hannover wohnt, gibt mir Ratschläge und Tipps“, berichtet der Geistliche und ist dankbar dafür.

Fünf Tage in Folge Live-Gottesdienste

Seit dem Gründonnerstagabend bis Ostermontag wird aus der St.-Johannes-Baptist-Kirche fünf Tage in Folge live über Youtube gesendet. „Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek hat den Gottesdienst am Gründonnerstag gehalten und wird den Gottesdienst an diesem Karfreitag sowie die Feier der Osternacht am Karsamstag mit den Gläubigen feiern“, berichtet Spittmann. Er selbst werde für die Live-Gottesdienste am Ostersonntag und Ostermontag zuständig sein.

„Erstmals gibt es in der Geschichte der katholischen Kirche keine Gottesdienste. Selbst im zweiten Weltkrieg sind Messen in den Kirchen gefeiert worden. Ein Osterfest wie dieses hat es in dieser Form noch nicht gegeben“, betont der katholische Priester. Die Einschränkungen, Verbote und Maßnahmen seien in Zeiten von Corona richtig und notwendig. Tobias Spittmann wird an diesem Osterfest, wie eigentlich sonst Tradition, nicht seinen Bruder und dessen Familie in Hannover sowie seine Eltern in Paderborn besuchen. „Wir telefonieren nun täglich“, sagt er.

Telefonieren habe in diesen schweren Zeiten Konjunktur. „Menschen können uns mit ihren Ängsten und Sorgen immer erreichen.“ Die Telefon-Seelsorge und Gespräche über den Gartenzaun würden einen hohen Stellenwert einnehmen. Tobias Spittmann, der aktives Mitglied in der Löschgruppe Brenkhausen ist, vermisst die Gemeinschaft: „Die Kirche, die Vereine und wir Menschen brauchen das.“

Statt vor 300 Gottesdienstbesuchern wird Tobias Spittmann an diesem Ostersonntag mit einem Lektor und Kirchen-Vorstandsmitglied Stefan Drüke in der Kirche sein. „Dafür feiern viele Gläubige live mit. Ostern fällt nicht aus“, betont der Pastor.

Geistliches Wort von Pastor Tobias Spittmann

Ostern findet statt, nur anders. Die christliche Welt feiert das Osterfest, und dennoch fühlt es sich in diesem Jahr nicht so an. Es scheint unwirklich, denn unser Leben wird zur Zeit durch das Virus neu geordnet. Durch die fehlenden äußeren Feiern der Gottesdienste von Gründonnerstag-Abend über den Karfreitag bis hin zur Osternacht verlieren diese heiligsten Tage des Christentums gefühlt ihre sichernde Struktur.

Nichts ist, wie wir es gewohnt sind. Es ist vergleichbar mit dem Karsamstag, der seine ganz eigene Prägung hat – es ist der einzige Tag, an dem es offiziell keinen Gottesdienst gibt. Der Tabernakel ist leer. Es ist still in der Kirche. Es ist der Tag der Grabesruhe Jesu. Jesus liegt verstorben im Grab. Eine Spannung macht sich breit, die nur schwer zu fassen ist. Es ist kaum auszuhalten, man wartet gespannt und ungeduldig, dass dieser Tag vorbei geht. Der Karsamstag ist von seiner Bedeutung her ein dunkler Tag, der uns in das Licht – in das neue Leben – führt. Diesen Karsamstag, den wir in der Welt durchleben, müssen wir geduldig aushalten. Nach der Dunkelheit folgt das Licht. Jesus ist nicht am Kreuz hängen geblieben. Er ist nach Leid und Tod auferweckt worden und uns zum Licht für unser Leben geworden.

In der Dunkelheit der Nacht bringen wir „Christus, das Licht“ in die Welt. Es ist das Licht, das die ganze Welt erhellt, „das Erlösung uns gebracht“, das wir sehen, das in unserem Herzen strahlen will und uns Hoffnung schenkt für unser Leben. Diese Hoffnung aus unserem Glauben heraus darf immer wieder in Leib und Seele in uns hineinwachsen. Ostern findet statt, nur anders! In diesem Jahr nicht in wenigen großen Kirchen, sondern in tausenden kleinen Hauskirchen, in der Gemeinschaft der Kernfamilie: „Weißt Du, wir dürfen ja nicht in die Kirche, aber wir haben in unserer Gemeinde einen Weg gefunden, wie wir unseren Glauben leben können. Sonntags versammeln wir uns in der Familie, feiern einen Wortgottesdienst, singen Lieder, lesen das Evangelium und beten miteinander. Andere Familien machen dies ebenso, so sind wir auf besondere Weise miteinander verbunden. Natürlich freuen wir uns, wenn wir uns mit der gesamten Gemeinde wieder zur Messe treffen dürfen, die Gemeinschaft fehlt. Es ist eine sehr lange Fastenzeit für uns, aber wir wissen uns in Gottes Händen“, so mein Bruder, der mit seiner Frau und fünf Kindern in Hannover beheimatet ist. Ostern findet statt, nur anders!

Vielleicht bewusster als jemals zuvor. Die Botschaft der Auferstehung, die Begegnungen der Frauen und Männer mit dem auferweckten Jesus, der uns zum Erlöser zum Christus geworden ist, all das bleibt. Feiern wir diese besonderen Tage in unseren Familien, und wenn wir wieder zusammenkommen dürfen, dann erzählen wir uns von unseren Erlebnissen und Erfahrungen, die uns geschenkt wurden, wie die Frauen am Grab oder die Emmaus-Jünger, als sie zu ihren Freunden kamen. Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen Pastor Tobias Spittmann

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