Abwasserentsorgung wird in Corona-Zeit gesichert – Sorge vor Klopapier-Ersatz
Kläranlage trotzt der Krise

Willebadessen (WB). Ein Tastendruck genügt und schon verschwindet das Abwasser in der Toilette. Das Ganze zu reinigen und aufzubereiten ist da schon deutlich komplizierter – und muss auch während der Corona-Krise zuverlässig funktionieren. Und zwar 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.

Dienstag, 14.04.2020, 06:57 Uhr aktualisiert: 14.04.2020, 07:00 Uhr
Die große Kläranlage der Stadt Willebadessen liegt im Stadtteil ­Niesen. Sie muss 24 Stunden am Tag funktionieren, 365 Tage im Jahr. Damit das auch in Zeiten von Corona gelingt, wurden bestimmte ­Vorkehrungen getroffen. Foto: Daniel Lüns
Die große Kläranlage der Stadt Willebadessen liegt im Stadtteil ­Niesen. Sie muss 24 Stunden am Tag funktionieren, 365 Tage im Jahr. Damit das auch in Zeiten von Corona gelingt, wurden bestimmte ­Vorkehrungen getroffen. Foto: Daniel Lüns

Fachleute begegnen sich nicht mehr

Anita Poschmann, Allgemeine Vertreterin des Willebadessener Bürgermeisters und Betriebsleiterin des Abwasserwerkes, erklärt, wie die Eggestadt das bewerkstelligt. Willebadessen hat zwei Kläranlagen: Eine große im Stadtteil Niesen und eine kleine in Willebadessen. Um die Anlagen kümmern sich drei Mitarbeiter. Aufgrund der Corona-Krise begegnen sie sich nicht mehr.

„Die drei Vollzeitkräfte habe ich in zwei Gruppen eingeteilt“, erklärt Poschmann. Die Zweier-Gruppe sei für Niesen eingeteilt, der dritte Mitarbeiter für Willebadessen. „Die telefonieren und tauschen sich über die regelmäßigen Proben des Abwassers oder Probleme aus. Aber sie sehen sich nicht“, sagt Poschmann. So soll verhindert werden, dass sich sie Mitarbeiter untereinander womöglich anstecken.

„Ich habe zurzeit auch einen Wagen gemietet, damit sie nicht im gleichen Auto fahren“, sagt Poschmann. Damit sei das Zweier-Team unterwegs, der dritte Kollege nutze einen Dienstwagen der Stadt. Die Mitarbeiter seien auch während der Corona-Zeit in Bereitschaft. Diese wechsle wöchentlich. Wenn eine Gruppe nun aufgrund eines Notfalls im Gebiet der anderen tätig werden muss, dann gelten weitere Vorsichtsmaßnahmen.

Störungsmeldung kommt aufs Handy

„Die Mitarbeiter sind dann verpflichtet, einen Einmalschutzanzug, einen Mundschutz und Einmalhandschuhe zu tragen. Nach dem Einsatz wird das Material entsorgt“, erklärt die Betriebsleiterin. Denn Viren könnten sich auch über Oberflächen verbreiten. „Bei so einem Einsatz fasse ich ja immer etwas an. Das fängt beim Türgriff an.“

Je nach Vorfall soll aber geprüft werden, ob ein Notfalleinsatz erforderlich ist – oder ob die zugeteilte Gruppe das Problem nicht auch am nächsten Tag selbst beheben kann. „Die Mitarbeiter bekommen eine Störungsmeldung aufs Handy. Am Laptop können sie dann nachschauen, was los ist“, sagt Anita Poschmann.

Diese Maßnahmen sollen die Funktion der Klärwerke sicherstellen. Denn größere Störungen, die nicht behoben werden, können sich rasch auf die Bevölkerung auswirken. Wenn an den Kläranlagen etwa die Pumpen nicht mehr funktionieren, kann das sogar zu einem Rückstau im Netz führen. „Und den möchte niemand“, sagt Poschmann.

Toilettenpapier-Ersatz verstopft Pumpen

Zu so einem Fall können aber nicht nur anhaltende Störfälle führen, sondern auch die Gedankenlosigkeit der Bürger. „Wir hören, dass manche Menschen vermehrt Küchentücher kaufen, da sie kein Toilettenpapier bekommen“, sagt die Betriebsleiterin. „Das gehört aber nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll.“

Um Wasser besser aufnehmen zu können, enthielten Küchentücher nämlich Harze. Und die hätten im Abwasser nichts zu suchen. Auch Feuchttücher und Taschentücher sollten auf keinen Fall als Notfall-Toilettenpapier verwendet werden. Das Material sei nämlich sehr reißfest und stabil – im Alltag ein Segen, auf der Kläranlage ein Fluch.

„Das verstopft unsere Pumpen. Das legt sich wie ein Zopf um die Maschinen. Das Abwasser kann dann nicht weiterverarbeitet werden“, erklärt Poschmann. Der Zopf müsse dann aufwendig entfernt werden, was viel Zeit und Kraft koste und die Mitarbeiter binde.

Auch Stadtverwaltung arbeitet in Teams

Die Ausbreitung des Coronavirus nimmt auch Einfluss auf die Willebadessener Stadtverwaltung. Dort haben die Amtsleiter mit ihren Mitarbeitern Teams gebildet, die in Schichten arbeiten. Auch der Bauhof arbeite in Teams, erklärt Bürgermeister Hans Hermann Bluhm. Arbeitsplätze dürften nicht getauscht werden. Die 25 Mitarbeiter arbeiteten tage- oder stundenweise.

Für die übrige Zeit würden die Mitarbeiter bei Lohnfortzahlung freigestellt. Abteilungsleiter sollen sich nicht persönlich begegnen, „und wenn dann nur auf zwei Meter Entfernung“, sagt Bluhm. Das solle die Ansteckungsgefahr innerhalb der Verwaltung senken. Das neue Modell gelte seit etwa Mitte März und „funktioniert ganz gut“.

„Natürlich werden wir nach der Krise das ein oder andere nacharbeiten müssen. Aber der Schutz der Mitarbeiter hat Vorrang.“ Das Rathaus sei für Besucher geschlossen. Bürger sollten telefonisch abklären, ob für ihr Anliegen ein persönlicher Besuch nötig sei. Falls das der Fall sei, werde ein Termin vereinbart.

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