Grundschule in Zeiten von Corona: „Schule an den 7 Quellen“ reagiert auf die Krise
Auch Schulanfänger lernen online

Willebadessen (WB). Online zu Hause lernen – für ältere Kinder ist das zurzeit oft kein Problem. Aber wie gehen Schulanfänger und ihre Lehrer mit der Situation um? Viele Schulen im Warburger Land haben sich dieser Frage gestellt. Lehrer der „Schule an den 7 Quellen“ in Willebadessen erklären exemplarisch, wie Grundschulunterricht in Corona-Zeiten funktionieren kann.

Mittwoch, 06.05.2020, 21:20 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 22:30 Uhr
Schüler Steven Wieland (9) ist in der Notbetreuung der „Schule an den 7 Quellen“ in Willebadessen. Mit Lehrerin Tanja Friedrich klickt er sich durch die Padlet-Plattform. Mithilfe der virtuellen Pinnwand können die Schüler auch von zu Hause aus lernen. Foto: Daniel Lüns
Schüler Steven Wieland (9) ist in der Notbetreuung der „Schule an den 7 Quellen“ in Willebadessen. Mit Lehrerin Tanja Friedrich klickt er sich durch die Padlet-Plattform. Mithilfe der virtuellen Pinnwand können die Schüler auch von zu Hause aus lernen. Foto: Daniel Lüns

Off- und Online-Lernen

Denn fest steht: Der Lehrplan muss auch in der Krise umgesetzt werden. Die Grundschüler müssen weiter Deutsch, Sachkunde oder Englisch pauken. Auch wenn viele von ihnen das schulische Lernen selbst erst noch lernen müssen. Da Schulen aber – bis auf die Notbetreuung und ab Donnerstag die vierten Klassen – geschlossen sind, kommt der Lernstoff zu den Kindern. Die Willebadessener fahren dabei zweigleisig: offline und online.

„Jedes Kind hat ein Print-Päckchen bekommen“, erklärt Schulleiterin Beate Bee. In den Tüten wurden etwa Aufgabenzettel und ein Brief mit Erläuterungen gepackt. Wer einen Förderbedarf hat, bekam ein individuell gepacktes Paket. Gestaffelte Abholzeiten wurden organisiert, Lehrer reichten den Eltern den Lernstoff durchs Fenster. Das erste Paket gab es vor den Ferien, das zweite danach. Mit dem Material müssen die Schüler zu Hause selbst lernen.

Digitale Pinnwand hilft

Ergänzend dazu nutzt die Schule die Online-Plattform Padlet. Damit lassen sich digitale Pinnwände erstellen. Die Lehrer legten vier Pinnwände an, einen für jeden Jahrgang. Dort finden die Schüler, aufgeteilt nach den Fächern, Aufgabenzettel, Lernspiele oder Videos. Tanja Friedrich, eine der beiden Medienbeauftragten der Schule, hat das begleitet.

Die digitale Lösung biete Vorteile. Mit Mathe-Puzzles zum Beispiel können Schüler das Rechnen üben. Englischvokabeln können vorgelesen und so besser gelernt werden. „Zu vielen Themen gibt es auch gute Lernvideos im Internet, etwa bei YouTube. Die Links dazu können wir einbetten“, erklärt Friedrich. Aber auch eigene Videos haben die Lehrer erstellt.

Ergänzung, keine Alternative

Als Türöffner fungierten dabei die interaktiven Whiteboards, welche die Tafeln ersetzen. „Die Whiteboards kennen die Kinder aus dem Unterricht. Dadurch ist bei vielen die Hemmschwelle gesunken, mit Padlet umzugehen“, sagt Friedrich. Die Lehrer wiederum melden sich regelmäßig bei den Eltern und fragten nach, wie es den Kindern geht und wie diese mit dem Lernen zurechtkommen.

Donnerstag geht es weiter

An diesem Donnerstag kommen – wie an anderen Grundschulen auch – 50 Viertklässler zurück in die „Schule an den 7 Quellen“. Infos hierzu stehen in einem Elternbrief, der auch auf die Internetseite der Schule geladen wurde. Zum Beispiel empfangen Lehrer die Viertklässler vor der Schule. Die drei Klassen werden auf sechs Gruppen aufgeteilt und von sechs Lehrern unterrichtet. Auf dem Boden wurden Laufwege markiert, in den Klassenräumen stehen die Tische getrennt, es gibt gestaffelte Pausen. Der Lernstoff steht am Donnerstag erst einmal nicht an, erklärt Schulleiterin Beate Bee: „Wir sprechen erst einmal über die neue Situation und die Hygieneregeln.“

...

Dennoch ist Schulleiterin Beate Bee mit der Situation nicht zufrieden. „Wir bieten die Inhalte des Lehrplans an. Aber mehr auch nicht“, erklärt Bee. Denn nicht jedes Kind nutze das digitale Angebot. Das habe verschiedene Gründe, das familiäre Gefüge oder fehlende technische Voraussetzungen zum Beispiel gehörten dazu. Dadurch könne die Online-Pinnwand nur eine Ergänzung aber nicht das einzige Angebot sein.

Zwischenmenschlichkeit fehlt

Voneinander lernen, miteinander lernen – auch das sei in Zeiten von Corona kaum möglich. „Wir sehen ja auch nicht, wie lange ein Kind an einer Aufgabe saß“, sagt Bee. Dadurch sei es schwer möglich, individuell auf Kinder einzugehen. Zudem sei das Zwischenmenschliche betroffen.

„Ich kann ein Kind ja zum Beispiel nicht in den Arm nehmen, wenn ich merke, dass es ihm gerade nicht gut geht. Das Herz der Grundschule geht damit erstmal verloren“, ergänzt Tanja Friedrich. „Bei all dem Übel hat die Situation aber auch einen Vorteil“, sagt Bee. „Der Rohbau an unserer Schule ist fast fertig, viele laute Arbeiten wurden erledigt.“

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