Willebadessener bezahlte sechs Wochen lang für Internet und Telefon und bekam es nicht
Gegen Sewikom geklagt – und verloren

Willebadessen (WB). Sechs Wochen lang lebte Liborius Gockeln ohne Internet und Telefon. Die Ursache dafür war ein Kabelbruch. Ein kleiner Schaden. Die Auswirkungen aber waren groß und endeten vor Gericht. Der Fölsener hat seinen Internetanbieter Sewikom verklagt – und verloren.

Montag, 18.05.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 12:00 Uhr
Kein Telefon und Internet, auch die Klage gegen die Firma Sewikom wurde abgewiesen: Der Fölsener Liborius Gockeln versteht nicht, wie es so weit kommen konnte. Diverse Schriftstücke zu seinem Fall kamen bisher zusammen. Foto: Daniel Lüns
Kein Telefon und Internet, auch die Klage gegen die Firma Sewikom wurde abgewiesen: Der Fölsener Liborius Gockeln versteht nicht, wie es so weit kommen konnte. Diverse Schriftstücke zu seinem Fall kamen bisher zusammen. Foto: Daniel Lüns

Die Ursprünge dafür reichen bis in den September 2019 zurück. Gockeln wurde von der Firma Sewikom mit einer 6 MBit-Leitung versorgt. „Dann haben die mich angeschrieben und mir 100 MBit pro Sekunde angeboten. Aber 50 reichten mir“, schildert Gockeln. Er schloss einen Vertrag ab. Zunächst habe sich nichts geändert.

„Ich habe das als Anlaufschwierigkeiten gewertet und nach drei Wochen auf den Missstand hingewiesen.“ Kurz darauf habe er zu Hause 34 MBit empfangen. „Damit wäre ich zufrieden gewesen“, sagt er. Doch das Signal sei erst stundenweise ausgefallen. Vom 30. Oktober 2019 bis zum 29. November habe er dann weder Internet noch Telefon nutzen können, obwohl er weiter dafür bezahlte.

Von der Außenwelt abgeschnitten

Durch das Ausbleiben des Signals sei er von der Außenwelt abgeschnitten gewesen. Denn Gockeln lebt etwas außerhalb von Fölsen. Das Handy hilft dort nicht weiter. „Kein D1, kein D2. E-Plus bekommt man mal, wenn man nebenan auf den Hochsitz klettert“, sagt er. „Immer wenn ich mit dem telefonieren wollte, musste ich rüber auf den Berg fahren.“ Dort habe man Handyempfang.

Die Probleme habe Gockeln der Sewikom mehrfach gemeldet, vor allem telefonisch. Bei jedem Anruf wurde ihm erklärt, dass sein Problem dem Beverunger Unternehmen nicht bekannt ist, schildert er. Schließlich habe sich Gockeln einen Anwalt genommen, um sich Gehör zu verschaffen.

Techniker-Termine geplatzt

Drei Termine, bei denen ein Techniker in Fölsen erscheinen und das Problem lösen sollte, seien vereinbart worden. Der Techniker kam jedoch nicht, erklärt Gockeln. Ein Techniker-Team der Telekom habe schließlich, im Auftrag von Sewikom, den Schaden – einen Kabelbruch außerhalb des Grundstücks – ausmachen und beheben können. Seitdem funktioniere alles wieder.

Aufgrund der geplatzten Techniker-Termine, der Zeit, die Gockeln dadurch zu Hause ausharren musste, und den Anwaltskosten habe er die Sewikom auf Schadensersatz verklagt. Das Amtsgericht Höxter wies die Klage am 22. April 2020 mit seinem Urteil (Aktenzeichen: 10 C 43/20) ab.

Die Begründung lautet unter anderem: Die Klage ist zulässig, aber unbegründet. „Bei dem streitgegenständlichen Vertragsverhältnis handelt es sich um einen Access-Provider-Vertrag. Das bedeutet, dass die Beklagte keinen konkreten Erfolg schuldet“, heißt es im Urteil. Vor allem müsse Sewikom nicht jederzeit ermöglichen, dass eine Internetverbindung zustande kommt. Auch habe Gockeln den Mangel nicht gemahnt. „Eine schlichte Fehlermeldung stellt keine Mahnung im Rechtssinne dar“, heißt es weiter. Zudem sei der eigene Zeitaufwand kein ersatzfähiger Schaden.

Unverständnis über Urteilsbegründung

Bei Liborius Gockeln trifft die Begründung auf Unverständnis. Zudem ärgert ihn, dass der Anwalt der Sewikom im Prozess bestritten habe, dass kein DSL-Signal mehr vorhanden gewesen sei. „Die haben auch behauptet, sie hätten nie Kenntnis vom Schaden gehabt“, erklärt Gockeln. Dabei habe er den Schrift- und Telefonverkehr mittels Einzelverbindungsnachweisen, Einschreibebelegen, Sendebestätigungen von ­E-Mails und Zeugen nachgewiesen – vergeblich.

Gegen das Urteil vorgehen kann er nicht. Eine Berufung wäre ab einem Streitwert von 600 Euro möglich, Gockeln hatte seinen Schaden mit 511,56 Euro berechnet. Die Kosten des Verfahrens und des Anwaltes trage Gockelns Rechtschutzversicherung. Doch ein ungutes Gefühl bleibe: „Die hätten mir einfach 50 Euro für die Zeit überweisen können, in denen ich kein Internet hatte, und alles wäre gut gewesen.“

Sewikom will sich zur Sache nicht äußern

Zudem wundere er sich, warum sich die Firma bei ihm bisher nicht für die Unannehmlichkeiten entschuldigt habe. Trotz allem werde er aber wohl bei der Sewikom bleiben. „Was bleibt mir anderes übrig? Soll ich zu einem anderen Anbieter gehen und mit 2 MBit surfen?“, sagt der Fölsener.

Kai-Timo Wilke, Geschäftsführer der Sewikom, möchte sich nicht zu individuellen Kunden- oder Lieferantenbeziehungen äußern. Das sei einer der wesentlichen Grundsätze der Unternehmenskultur und Unternehmenskommunikation. „Abgesehen von der Integrität, mit der wir uns unseren Kunden verpflichten, würde es auch nicht mit den Anforderungen des Datenschutzes konform gehen“, erklärt Wilke.

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