AV Nethetal verärgert über Sand und Schlamm im Kiesbett – Kreis Höxter eingeschaltet
Sorge um die Kinderstube der Fische

Willebadessen (WB). Die 45 Mitglieder des Angelvereins Nethetal ärgern sich über zu viel Schlamm und Sand in der Taufnethe bei Niesen. Das Gewässer ist die Kinderstube vieler Fischarten wie Bachforelle und Steinbeißer. In der Taufnethe legen die Tiere ihren Laich zwischen den Kieselsteinen ab. Verschlammt der Bach und setzt sich der Kiesel mit Feinsedimenten zu, ist das nicht mehr möglich.

Donnerstag, 28.05.2020, 09:00 Uhr
Martin Balkenhol und Dr. Olaf Niepagenkemper sorgen sich um den Zustand der Taufnethe, die als FFH-Gebiet eigentlich besonderen Schutz genießen muss. FFH ist der höchste europäische Schutz für Landschaften. Foto: Jürgen Vahle
Martin Balkenhol und Dr. Olaf Niepagenkemper sorgen sich um den Zustand der Taufnethe, die als FFH-Gebiet eigentlich besonderen Schutz genießen muss. FFH ist der höchste europäische Schutz für Landschaften. Foto: Jürgen Vahle

Landesfischereiverband und Kreis Höxter eingeschaltet

Mittlerweile haben sich auch der Landesfischereiverband und der Kreis Höxter eingeschaltet. Als Verursacher der Misere haben die Verantwortlichen des AV Nethetal und auch der Kreis Höxter einen Hof ausgemacht, auf dem zahlreiche Tiere ein Gnadenbrot bekommen und der an der Taufnethe liegt. Zu den Tieren des Hofes zählen auch viele Pferde, die zeitweise auf einer Koppel links und rechts des Baches gehalten werden.

Im Laufe der Jahre, so beklagt AV-Vorsitzender Martin Balkenhol, sei aus der Wiese eine Wüste geworden. Der Uferrandstreifen sei von den Pferden regelrecht abgegrast worden. Sand und Schlamm könnten nun ungehindert in die Taufnethe gelangen. Das Gewässer, das zwischen Löwen und Ikenhausen entspringt und über Peckelsheim und Niesen in die Nethe fließt, trübe ein und nehme auf einer Länge von fast zwei Kilometern Schaden, haben die Mitglieder des AV Nethetal beobachtet.

Angelsportler befürchten dauerhaften Schaden für die Natur

In der Taufnethe werde nicht geangelt, weil sich die Fischpopulation dort erst entwickele. Aber nach zwei heißen Sommern mit Niedrigwasser und den vielen Sedimenten sehen die Angelsportler diese Funktion des Baches in akuter Gefahr. Nur wenige Meter hinter dem Hof habe die Taufnethe zudem den Status eines FFH-Gebiets, berichtet Dr. Olaf Niepagenkemper, beim Landesfischereiverband NRW zuständig für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinien. FFH ist der höchste europäische Schutz für Landschaften.

Er befürchtet einen dauerhaften Schaden für die Natur, zumal das Problem schon seit Längerem bestehe und Gespräche zur Lösung mit den vermeintlichen Verursachern zu keinem Erfolg geführt hätten. Mit jedem Tag verschlamme der Bach mehr. „Das sind Tonnagen an Feinsedimenten, die in die Taufnethe gelangen“, sagt Dr. Olaf Niepagenkemper.

„Ordnungsrechtliches Verfahren“ eingeleitet

Erst vor wenigen Wochen habe es ein weiteres Gespräch mit den Betreibern des Hofes gegeben. Ohne sichtbaren Erfolg, wie Dr. Olaf Niepagenkemper beklagt. „Wir wissen einfach nicht weiter“, sagt Martin Balkenhol. Der AV Nethetal fordert, dass der Uferrandstreifen wiederhergestellt und den Pferden zudem der Zugang zum Gewässer durch einen Zaun versperrt wird. „Der ganze Vorgang dauert schon viel zu lange. Die Zeit haben die Fische aber nicht“, wird Martin Balkenhol deutlich.

Auch der Kreis Höxter als Aufsichtsbehörde ist mittlerweile aktiv geworden. Es sei gegen die Betreiber des Hofes ein „ordnungsrechtliches Verfahren“ eingeleitet worden, berichtet Silja Polzin, Pressesprecherin des Kreises Höxter. Da es sich aber um ein laufenden Verfahren handele, könne sie dazu zunächst nichts Konkreteres sagen. Die Betreiber des Hofes waren kurzfristig für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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