Corona: Ackerscheune ist wieder geschlossen – Hotelier rechnet mit Einbußen
10.000 Übernachtungen weniger

Willebadessen (WB). Vor etwa einem Jahr hat Dr. Joachim Avenarius die Ackerscheune in Willebadessen gemietet. Als „Wohlfühlhotel im Schlosspark“ hauchte er dem Objekt nach Jahren des Leerstandes neues Leben ein. Aufgrund von Corona ist das Hotel zurzeit geschlossen. Investitionen wurden gestoppt.

Freitag, 19.06.2020, 23:10 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 05:02 Uhr
Einen Panorama-Blick auf Willebadessen hat Dr. Joachim Avenarius von seinem Hotel „Der Jägerhof“ aus. Das Haus ist zurzeit geöffnet, ebenso das Hotel „Waldcafé Jäger“ in Bad Driburg. Das dritte Hotel im Bunde, das „Wohlfühlhotel im Schlosspark“, ist zurzeit jedoch geschlossen. Fotos: Daniel Lüns

„Bis auf eine Hochzeit sind alle Buchungen bis zum Herbst abgesagt“, erklärt der Hotelinhaber. „Wir hoffen, dass es in der zweiten Jahreshälfte im Schlosspark wieder weitergeht.“ Denn der Betrieb im neuen Hotel sei zunächst gut angelaufen.

Es lief gut

Wie berichtet hatte Avenarius im Herbst 2017 das Hotel „Der Jägerhof“ in Willebadessen übernommen. Im März 2019 hatte er den Schlüssel für die Ackerscheune erhalten. Zusammen mit seinem bisherigen Haus, dem „Waldcafé Jäger“ in Bad Driburg, entstand so einer der größten Hotelbetriebe im Kreis Höxter. Die Häuser stehen unter der Dachmarke „Avenarius Wohlfühlhotels“.

In wenigen Monaten wurde die Ackerscheune neu hergerichtet. „Die ersten Gäste hatten wir schon in der Bauphase angenommen“, sagt Avenarius. Nach den Sommerferien ging es dann richtig los. Etwa 1000 Übernachtungen zählten die Betreiber in der zweiten Jahreshälfte – obwohl sie das Hotel öffentlich eher zurückhaltend beworben hatten. Vor allem Gruppen standen im Fokus. Die Räume boten sich auch für Seminargruppen an.

Nur halbvoll

Konnte Dr. Joachim Avenarius in seinen drei Häusern im Jahr 2019 noch etwa 35.000 Übernachtungen verbuchen, so schätzt er die Zahl für 2020 auf etwa 25.000. „Etwa ein Drittel wird uns fehlen. Und ich bin ja Optimist.“ Zurzeit sei das Hotel im Schlosspark (40 Betten) zu null Prozent belegt. Der Jägerhof (110 Betten) sei im Durchschnitt zu 50 Prozent belegt. „Normalerweise wären wir jetzt über 80 Prozent.“ Das Waldcafé Jäger (40 Betten) sei zu etwa 50 Prozent belegt.

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Investitionen gestoppt

Mit der vorübergehenden Schließung wurden auch Investitionen gestoppt. Zum Beispiel sollte eine neue Außenbestuhlung und ein Schlüssel-Safe-System für einen automatischen Check-In angeschafft werden. Auch waren Arbeiten in den Zimmern geplant. Sie sollten etwa mit Bildern von Willebadessen dekoriert werden.

Auch das Thema Parkplatzsituation bleibt offen. „Vertraglich ist uns zwar zugesichert, dass unsere Gäste auf dem Schlossplatz parken dürfen. Aber das möchten wir nicht. Das sieht auch nicht gut aus“, sagt Dr. Joachim Avenarius mit Blick auf das Ensemble mit dem Schloss Willebadessen.

Erste Gespräche zu einer Idee, dass die Autos stattdessen auf der Fläche zwischen Polizei und Ackerscheune stehen könnten, habe es bereits gegeben. Doch dann kam Corona dazwischen. „Für den ‚Schlosspark‘ ist es wie ein Neuanfang. Wenn wir dort wieder öffnen, fangen wir da an, wo wir im vergangenen Jahr gestartet sind – nur unter erschwerten Bedingungen“, sagt Avenarius.

Kanisterweise Desinfektion

Auch die anderen beiden Hotels traf die Schließung in Folge der Corona-Schutzmaßnahmen hart. Für den Jägerhof etwa hatte Avenarius zuvor eine neue Küche gekauft – für einen sechsstelligen Betrag. „Und dann brachen die Einnahmen weg.“ Umso größer war die Freude, als die Häuser wieder offiziell öffnen durften.

An Fronleichnam ging es los. Die Öffnung war aber mit einigem Aufwand verbunden. So musste etwa kurzfristig eine große Menge an Desinfektionsmittel beschafft werden. Im SB-Zentralmarkt in Paderborn kaufte Avenarius alle 73 Flaschen auf, die noch verfügbar waren. „Den Rest haben wir Kanisterweise gekauft.“

Am Eingang des Jägerhofes wurden Waschbecken aufgebaut. Dafür wurde sogar ein Wasseranschluss verlegt. In den Häusern müssen Gäste mit Einschränkungen rechnen. So gilt etwa eine Maskenpflicht. „Zudem sind wir angehalten, die Zimmer nicht zwischenzureinigen, wenn die Gäste weniger als fünf Tage bleiben“, erklärt Avenarius. Im Waldcafé Jäger darf der Cafébereich zurzeit nur von Hotelgästen besucht werden.

Viele Spontan-Bucher

„Momentan gibt es zwei Arten von Buchungen: Die spontanen und die, die für den Herbst 2020 oder sogar für 2021 buchen. Für Juli und August 2020 kommt bisher noch fast nichts“, erklärt der Hotelier. Zudem kämen zurzeit fast nur Urlauber, erst seit Juni würden Firmenseminare in kleinen Gruppen wieder nachgefragt.

„Für die nächste Zeit versuchen wir nun, vor allem Individualgäste zu akquirieren“, sagt Avenarius. Trotz alledem sieht er seine Hotels nicht als gefährdet. „Die Kurzarbeit hat geholfen, ebenso die Soforthilfen.“ Die Senkung der Mehrwertsteuersätze hingegen sieht der Fachmann kritisch. Gerade für kleinere Betriebe werde sie wohl mehr Kosten verursachen, als Nutzen bringen.

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