Försterin spricht in Willebadessen von „Endzeitstimmung“
Mehr Fördergelder für den Wald

Willebadessen (WB). Über die katastrophale Lage der heimischen Wälder und regenerative Energien haben Experten bei der Veranstaltung „Umwelt, Wald und Energie“ am Freitag im Ackerstall im Schlosspark Willebadessen gesprochen. Den Info-Abend hatte der SPD-Stadtverband Willebadessen organisiert.

Montag, 31.08.2020, 02:00 Uhr
„Der Klimawandel hat die Egge und das Sauerland mit voller Wucht getroffen. Die Realität ist für die Waldbesitzer katastrophal“, das hat Ute Kreienmeier, Vize-Geschäftsführerin vom Gemeindewaldbesitzerverband NRW, in Willebadessen gesagt. Foto: dpa
„Der Klimawandel hat die Egge und das Sauerland mit voller Wucht getroffen. Die Realität ist für die Waldbesitzer katastrophal“, das hat Ute Kreienmeier, Vize-Geschäftsführerin vom Gemeindewaldbesitzerverband NRW, in Willebadessen gesagt. Foto: dpa

Die nahezu aussichtslose Situation im heimischen Wald offenbarte der Vortrag von Försterin Ute Kreienmeier, Vize-Geschäftsführerin vom Gemeindewaldbesitzerverband NRW.

Bereits 2019 hatte sie über den Zustand der heimischen Wälder gesagt: „Wir haben die Vorstufe zur Apokalypse erreicht.“ Jetzt herrsche Endzeitstimmung: „Der Klimawandel hat die Egge und das Sauerland mit voller Wucht getroffen. Die Realität ist für die Waldbesitzer katastrophal und stellt die Fortwirtschaft vor die größte Herausforderung der vergangenen 300 Jahre.“

Der Zustand des heimischen Waldes sei nahezu aussichtslos, sagte Ute Kreienmeier.

Der Zustand des heimischen Waldes sei nahezu aussichtslos, sagte Ute Kreienmeier. Foto: Verena Schäfers-Michels

Die aktuellen Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums würden bestätigen, dass in diesem Herbst mit 178 Millionen Festmeter der normale Jahreseinschlag von 76 Millionen Festmeter mehr als verdoppelt worden sei.

Hohe Kosten für Aufforstung

Allein für NRW, das Kreienmeier „traurigen Spitzenreiter der Schadensliste“ nennt, sind das 100 Millionen Euro Wiederbewaldungskosten.

Ihr Fazit: „Viele Waldbesitzer haben den Kampf gegen den Borkenkäfer aufgegeben.“ Der Holzmarkt sei zusammengebrochen. Statt 90 Euro pro Festmeter – der Kurs vor Sturm Friederike – gibt es nun nicht mehr als 25 Euro pro Festmeter.

Fördersysteme nicht ausreichend

Ihr Appell ging an die Anwesenden, ihre Abgeordneten für die Situation zu sensibilisieren. Kreienmeier: „Willebadessen selbst hat 400 von 900 Hektar Wald an den Borkenkäfer verloren. Pro Jahr könnten unter den geltenden Richtlinien jedoch nur für vier Hektar Fördergelder beantragt werden und dies auf eine sehr bürokratische Art.

Bisherige Fördersysteme reichen nicht mehr aus, um diese Krise zu bewältigen.“

Eine Chance sieht die Försterin darin, dass Berlin und Düsseldorf den Wald als systemrelevant erkannt hätten. „Er sorgt für Artenschutz, Klimaschutz, ist CO 2 -Speicher, Rohstofflieferant und Arbeitgeber.“

Windkraft auf Zeit

Allerdings werde es auf den Schadflächen in den kommenden 40 Jahren keine Einnahmen geben. Als zweites Standbein für Waldbesitzer schlug die Expertin Windkraft auf Zeit auf Kalamitätsflächen vor. Försterin Ute Kreienmeier: „Die Einnahmen durch Windkraft könnten die Waldbesitzer für die Aufforstung nutzen.“

Bürgermeister der Stadt Lichtenau referiert

Im Anschluss stellte Josef Hartmann, Bürgermeister der Stadt Lichtenau, die Energiegeschichte seiner Stadt vor. 1998 gab es in Lichtenau 62 Windkraftanlagen. „Die Energiestadt Lichtenau brauchte einige Jahre Vorlauf, um den heutigen Stand zu erreichen“, erklärte Hartmann. „Wichtige Punkte waren die Errichtung des Technologiezentrums für Zukunftsenergie 2005 sowie die Gründung der Stadtwerke Lichtenau 2009 und die Energiegenossenschaft.“

Seit dem Bau einer Holzhackschnitzel-Heizanlage in Herbram-Wald werde der Großteil des Dorfes mit deren Wärme versorgt.

Von den Einnahmen durch die Windkraft profitieren

Hartmann weiter: „Heute gibt es 173 Windkraftanlagen, die zum Teil genossenschaftlich betrieben werden. Dank der Gründung der Bürgerenergiestiftung 2016 fließen 200.000 Euro jährlich in die Vereine und Schulen der Stadt. Die Stadt produziert neunmal so viel Strom wie sie braucht.“

Zudem seien durch die Betreiber der Anlagen 43 Kilometer Wirtschaftswege ausgebaut worden.

„Zudem zahlen die Betreiber“, so der Lichtenauer Bürgermeister, „ein Prozent ihrer Einnahmen in ein Kulturprojekt, durch das beispielsweise lokale Künstler zu Veranstaltungen in den Dörfern eingeladen werden können.“

Beim Thema „Regenerative Energie“ sei Lichtenau Vorreiter, machte Bürgermeister Josef Hartmann deutlich.

Beim Thema „Regenerative Energie“ sei Lichtenau Vorreiter, machte Bürgermeister Josef Hartmann deutlich. Foto: Verena Schäfers-Michels

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