Serie „Im Herbst durch die Heimat“: Auf den Spuren der Alten Eisenbahn
Die künstliche Schlucht im Eggegebirge

Willebadessen (WB). Mitten im Wald zwischen Willebadessen und Lichtenau-Kleinenberg finden Wanderer eine verwunschene Schlucht. Was wie ein Naturspektakel erscheint, ist in Wirklichkeit menschengemacht: Vor etwa 170 Jahren sollte dort ein Eisenbahntunnel gebaut werden. Um die Überreste davon – „Alte Eisenbahn“ genannt – geht es im dritten Teil unserer Serie „Im Herbst durch die Heimat“.

Donnerstag, 15.10.2020, 03:48 Uhr aktualisiert: 16.10.2020, 16:48 Uhr
An dieser Stelle sollten einmal Eisenbahnen durch die Egge fahren: Die Überreste der verlassenen Großbaustelle sind noch heute zwischen Willebadessen und Lichtenau-Kleinenberg sichtbar. Der westliche Tunneleinschnitt steht zum Großteil unter Wasser. Foto: Daniel Lüns
An dieser Stelle sollten einmal Eisenbahnen durch die Egge fahren: Die Überreste der verlassenen Großbaustelle sind noch heute zwischen Willebadessen und Lichtenau-Kleinenberg sichtbar. Der westliche Tunneleinschnitt steht zum Großteil unter Wasser. Foto: Daniel Lüns

Eine verlassene Großbaustelle

Zur Serie

Inmitten der Corona-Krise entdecken viele Menschen ihre Heimat neu. In unserer neuen Serie „Im Herbst durch die Heimat“ stellen die Mitarbeiter des WESTFALEN-BLATTES in Warburg daher Ausflugstipps in der Region vor.

Viel Spaß beimLesen und Erleben!

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Die Alte Eisenbahn ist eine verlassene Großbaustelle, die unter unter Natur- und Denkmalschutz steht. Im Eggegebirge sollte, als Teil einer Bahntrasse zwischen dem Rheinland und Thüringen, ein Tunnel entstehen. Ein Vorhaben, das heutigen Mammutprojekten in nichts nachstand – zeitweise waren 600 Arbeiter vor Ort.

Aufgrund der Insolvenz der Eisenbahngesellschaft im Jahr 1848 und einer veränderten Streckenführung, die seitdem über Altenbeken führt, wurde der Tunnel nie vollendet. Teile des Projekts waren aber bereits fertig und sind heute noch zu sehen. Dazu gehören etwa die ehemaligen Tunneleinschnitte. Auch ein Stück des Bahndamms am östlichen Einschnitt steht noch.

Geschichte gibt’s auf die Ohren

Unser Ausflugstipp beginnt zwischen Willebadessen und Kleinenberg am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn. Der liegt etwas versteckt in einer scharfen Kurve der L763. Zur Not kennen aber auch Internetsuchmaschinen den Standort und helfen beim Finden. Am Parkplatz steht eine offene Schutzhütte für Wanderer, die neu gebaut wurde und in der man auch prima picknicken kann. Vom Parkplatz aus starten verschiedene Touren, die um die Alte Eisenbahn herumführen. Festes Schuhwerk nicht vergessen! Zur Einstimmung kann man den Geschichten eines Hörmöbelstücks lauschen, das vor Ort steht.

Wir wählen eine kleine Tour, die im Frühjahr unter dem Namen „Erlebnis NATURbaustelle“ entstand. Die Tour führt vom Parkplatz zum westlichen Einschnitt – der scheinbar wildromantischen Schlucht. Informationstafeln weisen den Weg . Sie sind das Ergebnis jahrelanger, archäologischer Forschung vor Ort. Die Tafeln informieren etwa über das gescheiterte Bauprojekt, die eingesetzte Technik, das Leben der Arbeiter oder die Ausgrabungen . Lebensgroße Stahl-Stelen veranschaulichen, wie die Arbeiter und Ingenieure damals ausgesehen haben.

Gehzeit etwa 20 Minuten

Nach der vierten Info-Tafel erreichen wir den westlichen Tunneleinschnitt, der links des Weges liegt. Wer ans Geländer tritt bekommt einen Eindruck, wie weit es dort nach unten geht. Auch die schroffen Klippen – die damals weitgehend händisch entstanden – vermitteln, welche Dimensionen das Projekt hatte. Bis hierher betrug die reine Gehzeit etwa 20 Minuten, hinzu kommen die Stopps an den Info-Tafeln. Wer genug hat, der geht denselben Weg einfach wieder zurück. Wer mag, wandert einfach weiter.

Mitten im Wald zwischen Lichtenau-Kleinenberg und Willebadessen liegt das Bodendenkmal (rot markiert). Touren dazu beginnen am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn an der L763.

Mitten im Wald zwischen Lichtenau-Kleinenberg und Willebadessen liegt das Bodendenkmal (rot markiert). Touren dazu beginnen am Wanderparkplatz Alte Eisenbahn an der L763. Foto: Fritz Jürgens/CAU

In westlicher Richtung führt der Weg weiter am Einschnitt entlang, der heute zum Großteil unter Wasser steht. Der Wanderweg A1 (Länge: vier Kilometer) führt im Bogen wieder zurück zum Parkplatz. Dort können Interessierte auch über die Straße gehen und den östlichen Tunneleinschnitt erkunden. Auch der Wanderweg A2 (Länge: fünf Kilometer) führt dort entlang. Am Osteinschnitt stehen jedoch keine Info-Tafeln.

Weitere Ausflugsziele

Über weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe informiert die Stadt Willebadessen im Internet unter http://tourismus-willebadessen.de/sehenswuerdigkeiten . Dazu gehören etwa die Wallburg Karlsschanze mit dem Opferstein „Fauler Jäger“, der Aussichtsturm Bierbaums Nagel, das frei zugängliche Wildgehege in Willebadessen (prima für einen Familien-Ausflug) oder Wanderwege.

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