Arbeitslosenzahlen im Kreis Höxter steigen trotz Corona nur leicht
Kurzarbeit bleibt die Chance in der Krise

Kreis Höxter -

Kaum überraschend hat die Corona-Pandemie Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt auch im Kreis Höxter. Diese sind allerdings nicht so dramatisch, wie Heinz Thiele, Leiter der Agentur für Arbeit in Paderborn, betont.

Montag, 18.01.2021, 17:35 Uhr aktualisiert: 18.01.2021, 17:38 Uhr
Qualifizierung ist das A und O auf dem Weg in eine sichere Arbeitsstelle.
Qualifizierung ist das A und O auf dem Weg in eine sichere Arbeitsstelle. Foto: dpa

Gründe seien vor allem der seit gut zehn Jahren besonders stabile Arbeitsmarkt und, dass viele Betriebe das Mittel der Kurzarbeit genutzt hätten. Im Hochstift waren 2020 fast 95.000 Menschen von Kurzarbeit betroffen.

Keine Massenarbeitslosigkeit

Auch der zweite Lockdown im November hat wieder zu einem Anstieg der Kurzarbeit geführt, allerdings längst nicht so stark, wie im Frühjahr. Die Arbeitslosigkeit, die von März bis Juli vergangenen Jahres kräftig gestiegen war, sinkt seit dieser Zeit trotz der Pandemie. Auch die Zahl der freien Arbeitsstellen hat sich seit Sommer 2020 wieder auf dem Niveau des Vorjahres eingependelt. Alles also nicht so schlimm? Da bleibt Heinz Thiele vorsichtig: „Ich sehe zurzeit – wenn nicht noch eine unvorhersehbare Katastrophe auf uns zukommt – keine Welle von Insolvenzen und keine Massenarbeitslosigkeit im Hochstift Paderborn.“ Thiele sieht, wie auch seine Höxteraner Kollegin Andrea Wesemann, nicht in der Corona-Pandemie die große Herausforderung für den Arbeitsmarkt, sondern im demografischen Wandel. Allein im Kreis Höxter erreicht etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer in der kommenden Dekade das 65. Lebensjahr. Thiele: „Da fallen eine ganze Menge an Fachkräften weg. Für die Firmen und auch für uns, als Agentur für Arbeit heißt das, dass deutlich mehr in Ausbildung und Qualifizierung investiert werden muss.“

4,3 Prozent

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 3223 Personen im Kreis Höxter arbeitslos, und damit 399 Personen oder 14,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte von 3,7 Prozent auf 4,3 Prozent. Dabei stieg die Arbeitslosigkeit im Versichertenbereich (SGB III) von 1289 um 22,1 Prozent auf 1574. Im SGB II (Grundsicherung) stieg die Arbeitslosenzahl von 1535 um 7,5 Prozent auf 1650 Personen.

...

Obwohl nur knapp 400 Personen Aufgrund der Pandemie zusätzlich ihre Arbeitsstelle im Kreis verloren haben, bleibt der Arbeitsmarkt weiter dynamisch. Mehr als 9000 Meldungen von Arbeitslosen gab es 2020, 8742 Menschen konnten in der gleiche Zeit aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung wechseln. Dabei wird klar: Der Schlüssel zu einer Beschäftigung liegt in der Qualifikation. So listet die Arbeitsagentur 57,4 Prozent der Arbeitslosen in den Bereich „Helfer“, also ohne eine höherwertige Ausbildung. Bei den freien Stellen sind aber lediglich 26 Prozent für den Helferbereich zu finden, 74 Prozent der freien Stellen können nur mit Fachpersonal besetzt werden. Andrea Wesemann, Leiterin der Agentur für den Kreis Höxter, stellt fest: „Der Zuwachs an Arbeitsstellen war auch schon vor der Corona-Pandemie rückläufig. Gering Qualifizierte haben dann eine Chance am Arbeitsmarkt, wenn sie sich weiter Qualifizieren.“ Dafür gebe es von Seiten der Agentur viele Angebote und zwar nicht erst dann, „wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“, wie es Heinz Thiele ausdrückt. Er betont: „Wir haben zahlreiche Möglichkeiten, gering qualifizierte Mitarbeiter weiter zu bilden. Dabei übernehmen wir unter bestimmten Umständen Teile der Kosten der Qualifikation und auch des ausfallenden Arbeitslohns.“

Schwierige Prognose

Eine seriöse Prognose, wie sich der Arbeitsmarkt 2021 und danach entwickele, könne er nicht geben, so Thiele. Das hänge natürlich auch vom weiteren Pandemiegeschehen ab, wie schnell das Impfen voranschreite und wie stark die Auswirkungen von Mutationen seien. Dennoch bleibt die Arbeitsagentur optimistisch, was die Zukunft angeht. Für dieses Jahr sei bereits wieder ein Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent prognostiziert. Nach einem Minus von 5 Prozent 2020 erreicht die Wirtschaftsleistung Ende 2021 also schon fast wieder das hohe Niveau von 2019. Als Motor nennt Heinz Thiele vor allem das Handwerk. Gut 80 Prozent der Betriebe hätten in der Pandemie sogar Zuwächse zu verzeichnen. Hinzu komme, dass zahlreiche Nachholeffekte folgen könnten, sollte der Virus durch Impfen im Sommer eingedämmt sein. Thiele: „Die Tendenz ist schon, dass wir im Sommer wieder ein normales Leben und Arbeiten sehen.“

Probleme am Ausbildungsmarkt

Weniger rosig sieht Thiele den Ausbildungsmarkt. Der sei im Ausbildungsjahr 2019/2020 im Kreis Höxter um 7,4 Prozent zurück gegangen. Und von Oktober bis Dezember gebe es schon jetzt einen weiteren Rückgang um 2,6 Prozent. „Arbeitgeber sollten nach vorne denken und auch die Hilfen der Agentur für Arbeit annehmen“, appelliert Thiele.

Nach Charles Darwin überlebe nicht der Stärkste oder Intelligenteste, sondern der, der sich am besten anpassen kann.

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