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Mi., 10.05.2017

Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter fordert Umbenennung Rommel-Kaserne will Namen behalten

In der Augustdorfer Rommel-Kaserne steht eine Hermann-Statue vor einem Rommel-Gemälde.

In der Augustdorfer Rommel-Kaserne steht eine Hermann-Statue vor einem Rommel-Gemälde. Foto: Andreas Schnadwinkel/Hans-Werner Büscher (Montage)

Von Andreas Schnadwinkel

Augustdorf (WB). Im Zuge der Überprüfung aller Bundeswehr-Kasernen auf Wehrmachts-Andenken kommt eine alte Frage wieder auf: Soll die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im lippischen Augustdorf ihren Namen behalten? »Wir wünschen uns, dass wir an diesem Namen festhalten dürfen«, sagte am Dienstag Hauptmann Martin Waltemathe dem WESTFALEN-BLATT.

Der Presseoffizier der Panzerbrigade 21 Lipperland betont ausdrücklich, dass die umstrittene Rolle Erwin Rommels während des Zweiten Weltkriegs immer wieder Gegenstand von Diskussionen am Standort Au­gustdorf sei. »Wir wissen, wie ambivalent die Betrachtung der Person Rommel ist«, sagt Waltema­the. Zuletzt habe sich 2013 eine Arbeitsgruppe aus Soldaten und zivilen Mitarbeitern der Panzerbrigade intensiv mit Rommel beschäftigt. Eine Fragestellung war: Ist Rommel als Namensgeber traditionswürdig und identitätsstiftend?

»Bei dieser Betrachtung wurden Rommels Leistung als Vorgesetzter und seine militärische Leistung eingeschätzt. Außerdem spielte eine Rolle, dass Rommel keine Kriegsverbrechen nachgewiesen worden waren. So kam die Arbeitsgruppe zu dem Schluss, den Namen behalten zu wollen. In Augustdorf ginge es aber auch weiter, wenn die Kaserne einmal anders heißen sollte«, erklärt Waltemathe.

Rommels Witwe bei Festakt dabei

Am 20. Juli 1961 erhielt die Truppenunterkunft in Augustdorf den Namen Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne. Dem Festakt wohnten auch Rommels Witwe Lucia Maria Rommel und Sohn Manfred Rommel bei.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter verlangt die Umbenennung der Rommel-Kaserne. »Der Umgang mit dem Erbe der Wehrmacht ist keine Spielerei. Deswegen fordern wir, dass Kasernen endlich umbenannt werden, allen voran die Rommel-Kaserne in Augustdorf. Ich finde es ungehörig, dass heute noch eine Kaserne nach dem Nazi-General Rommel benannt ist«, sagte Simone Peter am Dienstafg dem WESTFALEN-BLATT. Bei ihrem Redaktionsbesuch forderte die Grünen-Chefin, dass »die Kasernen umbenannt werden und Wehrmachtsgegenstände unverzüglich aus den Kasernen verschwinden. Die Devotionalien stehen für eine inakzeptable rechte Haltung«.

Eine Stelle auf dem Kasernengelände gilt als problematisch. In einem Hauptgebäude hängt ein Erwin-Rommel-Gemälde, vor dem eine Statue von Hermann dem Cherusker platziert ist. Kritiker meinen, dass es sich dabei um eine Kombination aus Germanenkult und Wehrmachtsverherr­lichung handele.

Untersuchungen in Höxter noch nicht abgeschlossen

Auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage teilte die Pressestelle der Panzerbrigade 21 am Dienstag mit, dass beide Kunstwerke noch an angestammter Stelle stehen. »Das Gemälde wird meines Erachtens auch nach der Überprüfung an seinem Platz bleiben, da Generalfeldmarschall Erwin Rommel der Namensgeber der Kaserne ist«, so Hauptmann Udo Hagedorn.

Nach Informationen dieser Zeitung sind die Untersuchungen in der General-Weber-Kaserne in Höxter noch nicht abgeschlossen. Dort ist das ABC-Abwehrbataillon 7 stationiert. »Die Ergebnisse werden zunächst intern erfasst und untersucht, dann wird das Parlament informiert«, betonte ein Sprecher. Vom Panzerpionierbataillon 130 in Minden war keine Stellungnahme zu erhalten.

Alle Kasernen werden nach Andenken an die Wehrmacht – etwa Stahlhelme oder Gewehre – durchsucht. Generalinspekteur Volker Wieker hatte die Aktion am Freitag angeordnet. Sie soll bis zum 16. Mai abgeschlossen sein.

Kommentare

Rommel war ein deutscher Schwerstverbrecher

Rommel war ein deutscher Schwerstverbrecher! Er stellte das "Begrüßungskomitee" der Wehrmacht zusammen, damit es verhindert werden sollte, dass hier die Demokratie zwangsweise eingeführt werden sollte. Viele - auch die Bundeswehr - haben bis heute sehr große Probleme mit der Demokratie.

Aussitzen

Rommel war ein General mit herausragenden Fähigkeiten. Der schlussendlich selbst Opfer des NS-Regimes wurde. Es spricht also überhaupt nichts gegen ihn als Namensgeber für eine Bundeswehrkaserne . Den Grünen wäre es freilich lieber, wenn Kasernen Namen von Kriegsdienstverweigerern trügen, um deren pazifistischen Anspruch darzustellen. Wobei Fabelwesen noch viel unverfänglicher wären. Und eigentlich sollte man auch das Wort "Kaserne" am besten weglassen. Wie wäre es mit Einhorn-Camp? Leider zeigt es sich auch in der aktuellen Diskussion wieder, dass Ungediente und Militär nicht zusammenpassen. Gilt freilich auch für Frau vdL...

Ich denke nicht, dass die Bundeswehr nun grade in Tradition der Wehrmacht steht, wie es ein Kommentator zu vermitteln gedenkt. Verstörender finde ich aber eher das Templerkreuz im Wappen der Panzer der Republik. Verteidigungs- müsste doch eher Angriffsministerium heissen und die Engländer haben bis jetzt bei noch fast jedem Angriffskrieg der Amerikaner Beistand geleistet. Wenn diese Militaristen nun Rommel toll finden braucht man als Aussenstehender eine grosse Portion Toleranz. Opa gedenken ist ok, aber Rommel als alter Nazi hat das nicht verdient und ist ein schlechtes Vorbild für den selbstbestimmten jungen Soldaten von heute ohne rechten Rand. Hätte Rommel dem Faschismus öffentlich entsagt, wäre eine derartige Würdigung vielleicht noch denkbar. Eine Stauffenberg Kaserne gibt es immerhin schon, vielleiicht könnte man andere Mitverschwörer ebenso in Ehren halten.

Bildersturm

Das Thema ist grundsätzlich deutlich vielschichtiger als es in solch kurzen Kommentaren und Artikeln überhaupt von allen Seiten her beleuchtet werden kann.
Aus meiner Sicht ist es, dass wir einen viel zu verkrampften Umgang mit der Vergangenheit haben. Mir fehlt bei fast jeder Betrachtung immer die eigentliche gebührende Fairness gegenüber den ehemaligen Wehrmachtsangehörigen. Es fängt an bei der Nutzung bestimmter Reizwörter wie z.B. Nazi-General. In meinem Sprachgebrauch sind das Wehrmachtsgeneräle. Nun muss man in meinen Augen auch unterscheiden von welchen Dienstgradgruppen wir in der Wehrmacht sprechen. Generäle sind aufgrund Ihres Handlungsspielraumes sicherlich anders zu bewerten, als ein einfacher Soldat. Meine Großväter z.B. sind minderjährig zunächst zum Reichsarbeitsdienst eingezogen worden, nach Russland verfrachtet und als der geplante Arbeitseinsatz beendet war, gingen die Reichsarbeiterführer in die Heimat und das Fußvolk durfte die Uniform in Wehrmachtsgrau wechseln. Zweimalige Verwundung bis hin zur Amputation und anschließender Kriegsgefangenschaft möchte ich dabei nicht vergessen. Das mindeste was ich als Nachkomme dann erwarten kann, dass man derer in welcher Form auch immer gedenkt. Mein Großvater war kein Verbrecher und ich denke das gilt für Millionen andere auch. Selbst wenn bestimmte Handlungen, ich nehme nachweisbare Kriegsverbrechen explizit aus, aus heutiger Sicht moralisch ethisch nicht nachvollziehbar sind, muss man doch immer den Kontext der jeweiligen Zeit also die äußeren Umstände sehen.
Wenn wir nach heutigen Maßstäben also das alles außer Acht lassen würden, kommen wir nicht umhin sämtliche "Reliquien" vergangener Epochen auch dem Erdboden gleich machen zu müssen.
Damit würden alle Kaiser Wilhelm Denkmäler, Bismarck-Türme und Kriegergedenkstätten auch verschwinden müssen. Darf dann die Bundeswehr überhaupt noch die Kriegsgräberfürsorge unterstützen? Wenn auch das wegfällt, überwuchert alles und wir werden vielleicht alles einmal vergessen. Neben diesen Dingen würde die Betrachtung jedoch auch für den verbliebenen Hochadel gelten. Eine schöne Möglichkeit eine Enteignung vorzunehmen, denn auch die Adelshäuser die in der Tradition verschiedener Kriegsverbrecher des Mittelalters oder anderer Epochen stehen, haben ihren Reichtum auf Verbrechen und dem Elend anderer aufgebaut. Also reißen wir auch Burgen und Schlösser ein. Dann jedenfalls sind wir wie der IS oder die Taliban die Kultstätten vergangener Epochen einreißen.
Kommen wir jedoch auf Rommel zurück, für mich ist Rommel aus militärhistorischer Sicht eine Ausnahmeerscheinung gewesen, damit fällt er in die Kategorien der großen Generäle wie Patton, Blücher, Hindenburg, Moltke, Guderian und wie sie alle heißen. Im übrigen ist da immer ganz nett zu sehen wie anderen Nationen das betrachten und wenn es dort um militärische Leistungen geht, schneiden die Wehrmachtsgeneräle durchaus nicht schlecht ab. Ich möchte auch gern an den General Lettow Vorbeck erinnern, der einzig im Felde ungeschlagene General des 1.WK. Da hat der ehemalige Feind gesammelt um ihm im Nachkriegsdeutschland (2.WK) mit einer kleinen Rente zu versorgen. Ist das unser Verständnis von Respekt?
Mein Fazit ist folgendes, die Bundeswehr steht sehr wohl auch in der Tradition der Wehrmacht, aber auch in der Tradition der Reichswehr und in der Tradition jedes anderen deutschen Heeres oder anderer TSKs.
Preußische Offiziere sind in die Reichswehr eingetreten und haben ihre Fußabdrücke hinterlassen, genauso wie Reichswehrangehörige in die Wehrmacht eingetreten sind und Wehrmachtsangehörige haben die Bundeswehr mit aufgebaut. Wovon sprechen wir hier also?
Die Bundeswehr hat ganz andere Probleme, auf die man seine ganze Kraft verwenden sollte und ich spreche nur am Rande von Ausrüstung der Truppe, sondern vielmehr von einer notwendigen Personalstrukturreform. Wenn man sich die Zahlen der Stabsoffiziere und Generäle anschaut, stellt man fest dass ein absolut aufgeblähter Personalkörper insbesondere bei den Stabsoffizieren aufwärts vorhanden ist. Viel zu viele Offizieren, zu wenig Mannschaften und Unteroffiziere. Privatisierungen von Kleiderkammern, Fuhrpark usw. die alle nicht funktioniert haben, an denen man aber heute auch noch festhält. Zu Schluss zur obersten Befehlsgewalt, eine Frau Leyen (ich lass mal bewusst den Namensvorsatz weg, denn auch das entstammt einer dunklen Zeit) ist absolut nicht für diesen Posten geeignet. Eine Ministerin die nicht der Truppe den Rücken stärkt und deren Truppe auch nicht hinter der Ministerin steht. Statt sich um die essentiellen Problem zu kümmern, wollen wir familienfreundliche Kasernen. Nur damit profiliert sie sich nicht, sondern macht sich lächerlich.

Rommelkaserne

In Sennelager in der britischen Kaserne hängt in der mess eine großes Bild von Rommel neben Montgomery.
Unsere britischen Freunde haben also kein Problem damit.Nur die Grünen.Typisch.

Vom Thema ablenken

Mit dem eigentlichen Thema hat sich aber von den Politikern noch keiner beschäftigt.
Wie konnte ein deutscher Staatsbürger sich als Flüchtling registrieren? Und es stellt sich die Frage wieviele solcher Fälle es noch gibt bzw. wer ist hier in unserem Land als "Flüchtling" gekommen.

Der Name soll bleiben. Wie oft wird denn noch Zeit und Geld mit sinnlosen Fragen verbrannt...???

So ein Schwachsinn! Es wird Zeit dass sich die Politiker mit ernsten Themen unserer Gesellschaft beschäftigen. Es kann noch nicht wieder und wieder der Name einer Kaserne in Frage gestellt werden. Soll das von den ernsten Themen unserer heutigen Zeit ablenken?


NEUE Namen braucht das Land

Gut ich kann verstehen, viele sind einfach sauer oder fühlen sich unterrepräsentiert. Wir stehen vor der Wahl und es brechen schwere Zeiten an. Auch heutige Politiker haben das Bedürfnis nach Leistung und Tat beurteilt zu werden. Daher mein Vorschlag, nennen wir unsere Kasernen um. Auch Linke und Grüne haben wohlklingende Namen.

13 Kommentare

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