Fr., 21.12.2018

Wölfin hat neuen Lebensraum gefunden – NRW weist zweites Wolfsgebiet aus GW1044f ist in der Senne sesshaft

Dieses Foto einer Wildtierkamera zeigt die Wölfin.

Dieses Foto einer Wildtierkamera zeigt die Wölfin.

Von Bernd Bexte

Augustdorf (WB). Schafhalter hatten erst für Anfang des Jahres damit gerechnet, das Land ist sich aber bereits vor Ende der Sechs-Monate-Frist sicher: Ein Wolf ist in der Senne heimisch geworden. Damit wird die Heidelandschaft das zweite Wolfsgebiet in NRW.

Es lägen genügend Nachweise und Anhaltspunkte vor, so dass von einem standorttreuen Wolf ausgegangen werden könne, teilte am Donnerstag die Düsseldorfer Staatskanzlei mit. Anhand genetischer Analysen sei in der Senne ein weiblicher Wolf mit der Kennung GW1044f (Abkürzung für Englisch German Wolf female, Deutscher Wolf weiblich) seit Ende Juli mehrfach nachgewiesen worden. Ein Wolfsgebiet wird ausgewiesen, wenn ein Wolf über die Dauer von einem halben Jahr mehrfach in einem Gebiet auftaucht.

Ein erster genetischer Nachweis eines Wolfes im Bereich des Truppenübungsplatzes Senne wurde an einem gerissenen Damtier am 27. Juli erbracht. Ein zweiter und dritter genetischer Nachweis folgten am 26. und 27. September an gerissenen Schafen. In allen drei Fällen war es GW1044f. Das Herkunftsrudel dieses Tieres ist dem zuständigen Forschungsinstitut Senckenberg bislang nicht bekannt. Das Landesumweltamt geht nun davon aus, dass dieses Tier standorttreu geworden ist. Nach dem Wolfsgebiet Schermbeck am Niederrhein weist das Umweltministerium deshalb im Bereich der Senne ein zweites Wolfsgebiet aus.

In Grau gehalten: das WolfsgebietSenne, in Grün: Pufferzone.

Das hat für Tierhalter ganz konkrete Folgen, wie NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) erklärt: »Das Wolfsgebiet ist zugleich Förderkulisse, denn hier erhalten Tierhaltungen mit Schafen und Ziegen sowie Wildgehege ab sofort Förderungen für Maßnahmen zum Herdenschutz.«

Das Wolfsgebiet ist 922 Quadratkilometer groß und umfasst Teile der Kreise Gütersloh, Lippe und Paderborn sowie der Stadt Bielefeld. Wie auch das Wolfsgebiet Schermbeck (957 Quadratkilometer) wird die Senne von einer knapp 3400 Quadratkilometer großen Pufferzone umgeben, in der künftig ebenfalls Schutzmaßnahmen gefördert werden sollen – dazu würden derzeit die Richtlinien angepasst.

Land bezahlt Anschaffung von Herdenhunden

Den Unterschied zwischen Wolfsgebiet und Pufferzone erklärt ein Sprecher des NRW-Umweltministeriums: »In der Pufferzone ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass es zu einem Übergriff von einem Wolf kommt, aber nicht ausgeschlossen.« Deshalb greife auch hier die Präventionsförderung. Anders als im eigentlichen Wolfsgebiet müssten die Schutzmaßnahmen aber nicht innerhalb eines Jahres umgesetzt werden, um Geld vom Land zu erhalten.

Das Land bezahlt die Anschaffung von Herdenhunden sowie Elektrozäunen, nicht aber die Arbeitskosten, etwa das Aufstellen und die Wartung der Zäune. Tierhalter können sich bei der Bezirksregierung zwecks Förderung melden. Nach Angaben der sieben heimischen CDU-Landtagsabgeordneten werde die Detmolder Behörde eine Arbeitsgruppe Wolfsgebiet Senne einrichten, die alle Beteiligten einbinde. Anfang des Jahres werde es Informationsveranstaltungen vor Ort geben.

Der Schafzuchtverband NRW begrüßt die Ausweisung der Senne als Wolfsgebiet. »Das ist eine gute Sache«, sagt Vorsitzende Orttrun Humpert aus Marienmünster (Kreis Höxter). Ihrer Ansicht nach wäre es allerdings sinnvoller gewesen, die Senne bereits als Verdachtsgebiet auszuweisen, um Präventionsmaßnahmen noch früher zu fördern. Wie berichtet, hatte Ministerin Heinen-Esser Ende November angekündigt, künftig Verdachtsgebiete zu benennen, in denen Schutzmaßnahmen gefördert werden, bevor der Wolf sesshaft wird. Die Einrichtung einer Pufferzone sei ebenfalls eine kluge Entscheidung, meint Humpert. »Letztlich brauchen wir aber eine flächendeckende Prävention.«

Zahl der Wolfspaare ist auf 30 gestiegen

Auch der Naturschutzbund (Nabu) NRW begrüßt die Ausweisung des Wolfsgebietes. Damit sei die Chance auf frühzeitige Prävention gegeben, damit der Wolf nicht erst lerne, in Tierhaltungen einzudringen. Am Niederrhein habe man zu spät reagiert. Dort war es, wie berichtet, zuletzt erneut zu mehrfachen Rissen gekommen. Es müsse auch zügig eine möglichst bundesweit einheitliche Regelung geschaffen werden, wann Wölfe, die sich nicht vom Herdenschutz abhalten lassen, erschossen werden, erklärt Nabu-Landesvorsitzender Josef Tumbrinck.

Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz leben 73 Rudel (bis zu zwölf Tiere) und damit 13 mehr als im Vorjahr in Deutschland. Die Zahl der Wolfspaare ist auf 30 gestiegen. Zudem gibt es bislang drei sesshafte Einzeltiere – mit GW1044f dann vier. Der Wolf ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

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