Der Puma ist da: Nach 47 Jahren neue Panzer für Standort Augustdorf
Fünf Liter Diesel pro Kilometer

Augustdorf (WB). Er kostet ein Vermögen, und er verbraucht Unmengen Sprit – aber für Soldaten ist er wahrscheinlich einer der sichersten Arbeitsplätze, die es gibt.

Donnerstag, 17.01.2019, 07:06 Uhr aktualisiert: 18.01.2019, 09:24 Uhr
Im Schneegestöber rollte am Donnerstag der erste von 30 neuen Puma-Schützenpanzern in die Rommel-Kaserne. Foto: Christian Althoff
Im Schneegestöber rollte am Donnerstag der erste von 30 neuen Puma-Schützenpanzern in die Rommel-Kaserne. Foto: Christian Althoff

Die Panzergrenadiere der Augustdorfer Rommel-Kaserne sollen bis Ende kommenden Jahres 30 hochmoderne Schützenpanzer vom Typ Puma erhalten. Das erste der mehr als 30 Tonnen schweren Gefährte rollte am Donnerstag im Schneegestöber an.

Oberst Ansgar Meyer, Kommandeur der Panzerbrigade »Lipperland«, und Oberst Steven Grimshaw, der Vizekommandeur des Panzergrenadierbataillons 212, öffneten dem Panzer das Kasernentor – ein symbolischer Akt, der erkennen ließ, dass es für die Augustdorfer Soldaten um einen Epochenwechsel geht. Denn 47 Jahre lang war der inzwischen veraltete Schützenpanzer Marder ihr Gefährt.

Einsatzgebiete

Die Bundeswehr hat bei Krauss-Maffei Wegmann und Rheinmetall 350 Pumas bestellt, die an neun Standorten stationiert werden sollen. Der Puma kann zur Verteidigung Deutschlands eingesetzt werden. Er ist aber auch für andere Klimazonen konzipiert und wird in Afghanistan von der Bundeswehr genutzt. Der Puma soll der Besatzung mehr Schutz bieten als sein Vorgänger, der Marder.

Augustdorfs Bürgermeister Jürgen Wulf, Reserveoffizier im Panzergrenadierbataillon 212, erinnerte am Donnerstag an den Tod des Bielefelders Alexej Kobelew (23). Er fiel 2011 als erster Soldat der Panzerbrigade »Lipperland«, als der Marder, den er steuerte, in Afghanistan von einem Sprengsatz zerfetzt wurde.

Besatzung

Neun Männer (natürlich auch Frauen) haben im Puma Platz – ein Trupp aus sechs Soldaten sowie die dreiköpfige Besatzung aus Fahrer, Richtschütze und Gruppenführer. Letzterer hat ein eigenes Schiebeluk und unterstützt den Fahrer im Straßenverkehr.

Der Puma ist 7,60 Meter lang und bis zu 3,90 Meter breit – etwa dreieinhalb Meter länger als ein VW Golf und doppelt so breit. Der Zehn-Zylinder-Dieselmotor von MTU in Friedrichshafen hat elf Liter Hubraum. Er leistet 1090 PS und beschleunigt den Puma bis auf Tempo 70. Der Verbrauch liegt nach Angaben der Bundeswehr bei 500 Litern auf 100 Kilometer. Die einfache Variante des Puma wiegt 31,5 Tonnen, mit maximaler Schutzpanzerung kommt er auf 43 Tonnen. Er ist der schwerste Schützenpanzer der Welt – und soll mit neun Millionen Euro auch der teuerste sein.

Waffen

Die Hauptbewaffnung ist eine 30-mm-Maschinenkanone, die während der Fahrt gepanzerte Fahrzeuge in bis zu zwei Kilometern Entfernung bekämpfen soll.

Das Fahrwerk ist nur über Gummielemente mit dem Aufbau verbunden. Das verringert den Lärm und dient der Gesundheit der Insassen. Eine automatische Feuerlöschanlage soll Flammen im Panzer in weniger als einer Sekunde ersticken. Motorabgase werden vor dem Auslass mit Frischluft vermischt, damit sie kälter sind und gegnerische Infrarotsensoren nicht so leicht anspringen. In der höchsten Schutzklasse hat der Puma eine sogenannte Reaktivpanzerung – außen angebrachte Sprengstoffplatten, die unter Stahlplatten liegen und diese einem aufprallenden Geschoss entgegenschleudern. Außerdem soll der Puma anfliegende Raketen selbständig erkennen und ihre Lenksensoren stören.

»Wenn der sechsköpfige Trupp außerhalb des Panzers ist, steht jeder einzelne Soldat in permanenter Funkverbindung mit dem Puma – ohne dafür irgendein Gerät bedienen zu müssen«, erklärt Hauptmann Martin Waltemathe. Den Soldaten könnten außerdem vom Panzer aus Bilder, zum beispiel vom Gelände, in spezielle Visiere eingeblendet werden.

Kritik

Wie wohl jedes komplexe Waffensystem ist auch der Puma nicht perfekt. Die »Welt« berichtet, es könnten nur Panzergrenadiere bis 1,84 Meter im Kampfraum mitfahren, während beim Marder die Grenze bei 1,96 Metern liege. Der Wechsel großer Soldaten auf den neuen Panzer sei deshalb nicht möglich.

Auch das Gewicht wird kritisiert. Der Puma wurde so bestellt, dass er per Flugzeug transportiert werden kann. Er ist aber so schwer geworden, dass der Lufttransport mit voller Panzerung nicht möglich ist. Sie muss extra geflogen und dann im Einsatzgebiet montiert werden.

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