Di., 19.02.2019

16 neue Wolfsgebiete auf Militärgelände Studie: Wölfe fühlen sich auf Truppenübungsplätzen wohl

Wolfe fühlen sich laut einer Studie auf Truppenübungsplätzen wohl.

Wolfe fühlen sich laut einer Studie auf Truppenübungsplätzen wohl. Foto: dpa.

Spreetal/Augustdorf (WB/dpa). Wölfe siedeln sich laut einer Studie lieber auf Truppenübungsplätzen an als in Naturschutzgebieten. Militärisches Gelände ist für die Tiere auch dann kein Problem, wenn dort Schießübungen stattfinden.

»Das ist für alle Tiere eine gut berechenbare Störung«, sagte Ilka Reinhardt, Leiterin der Studie, in Dresden. Zwischen 2000 und 2015 entstanden laut Studie 16 neue Wolfsgebiete auf Militärgelände.

Naturschutzgebiete bei den Wölfen nicht beliebt

Dagegen wählten die Räuber Naturschutzgebiete nur 9 Mal als Lebensraum. In Nordrhein-Westfalen hat die Landesregierung im Dezember 2018 die Senne als zweites Wolfsgebiet ausgewiesen. Teil des Gebietes in Ostwestfalen-Lippe zwischen Paderborn und Bielefeld ist auch der gleichnamige Truppenübungsplatz der britischen Streitkräfte. Auf dem Gelände wurde im Juli 2018 erstmal ein Wolf nachgewiesen.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Vorliebe für Militärgebiet mit der geringeren Präsenz von Jägern zu tun hat. Die Wölfe selbst dürfen allerdings ohnehin nicht geschossen werden, sie sind in Deutschland streng geschützt.

Keine anderen Störfaktoren auf Truppenübungsplätzen

Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro »Wölfe in Sachsen« bestätigte, dass die Raubtiere mit Militärgelände gut zurechtkommen. »Wölfe fühlen sich auf Truppenübungsplätzen wohl, weil es dort aufgrund der Absperrung außer den militärischen Aktivitäten keine anderen Störungen gibt«, sagte die Expertin. Spaziergänger, Radfahrer oder Pilzsucher seien für Wildtiere dagegen viel stressiger.

Da sich aus den gleichen Gründen auch die Beutetiere des Wolfes auf Militärgebiet wohlfühlen, sei zugleich das Nahrungsangebot für die Raubtiere größer, erklärte Ludwig. Wölfe registrierten genau, wo Jagden stattfinden und merkten sich das. Ilka Reinhardt zufolge sind die Tiere auch in der Lage, Vorbereitungen auf Schießübungen mitzubekommen und rechtzeitig in Deckung zu gehen.

Die Wölfe würden die Schießzeiten besser kennen als mancher Soldat

Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Sachsen witzelt man inzwischen schon: Die Wölfe würden die Schießzeiten besser kennen als mancher Soldat, sagte einst ein früherer Kommandeur. Für den Umgang mit Wölfen existieren keine gesonderten Regularien. »Grundsätzlich gibt es keine Probleme im »Zusammenleben« mit dem Wolf als Wildtier und dem Dienstbetrieb der Bundeswehr auf dem Übungsplatz«, hieß es.

Nach allgemeiner Regel wird aber nicht mehr geschossen, wenn Tiere auf einer Schießbahn gesichtet werden. »Das heißt, der Schießbetrieb im scharfen Schuss auf der jeweiligen Schießbahn wird solange unterbrochen, bis das Wildtier nicht mehr gefährdet ist«, teilte das Landeskommando Sachsen mit. Zudem sei es untersagt, Lebensmittelreste im Wald zu entsorgen, damit keine Tiere angelockt werden.

73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare und drei sesshafte Einzeltiere in Deutschland

Rund 100 Jahre nach der letzten Beobachtung eines Wolfes in Sachsen war 1996 erstmals wieder ein solches Tier gesichtet worden - auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im Landkreis Görlitz. Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz gibt es in Deutschland nach jüngsten Daten 73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare und drei sesshafte Einzeltiere. Die meisten leben in Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg.

Truppenübungsplätze können - nicht nur in Deutschland - generell wertvolle Refugien der Artenvielfalt sein, in denen Spezies gedeihen, die anderswo im Land kaum mehr zu finden sind. Die Flächen haben zum Teil riesige Ausdehnungen und werden kaum von Straßen zerschnitten, zudem sind sie oft über lange Zeiträume weitgehend menschenleer. Ein bekanntes Beispiel ist die riesige Salisbury Plain Training Area in Süd-England. In dem seit mehr als 100 Jahren existierenden Militärgebiet behaupten sich viele bedrohte Arten, die andernorts längst verschwunden sind.

 

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