Fr., 14.06.2019

Tag der Bundeswehr in Augustdorf – bis zu 30.000 Besucher – mit Video Hier rollen am Samstag die Panzer

Vom blauen Kleinwagen (großes Bild) ist nicht mehr viel zu erkennen, nachdem der Bergungspanzer drüber gefahren ist.

Vom blauen Kleinwagen (großes Bild) ist nicht mehr viel zu erkennen, nachdem der Bergungspanzer drüber gefahren ist. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Augustdorf (WB). Und plötzlich rattert das Maschinengewehr los: In der Senne wird am Samstag Gefechtslärm zu hören sein.

Der Lautsprecher kündigt es an – und doch zucken die Fotografen zusammen, als der Panzer knapp zwei Meter entfernt an ihnen vorbeirast. Eine Nebelkerze hüllt den Leopard II in eine rote Wolke. Soldaten schreien Kommandos, rennen über das simulierte Schlachtfeld. Im Hintergrund läuft heroische Musik, die klingt, als wäre sie von Hans Zimmer (»Fluch der Karibik«) komponiert worden.

Seit Wochen bereiten sich die Soldaten der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne auf den Tag der Bundeswehr am Samstag, 15. Juni, vor. Am Donnerstag werden die letzten Handgriffe geprobt, schließlich rechnet die Führungsetage der Panzerbrigade 21 »Lipperland« mit bis zu 30.000 Besuchern. Als einer von bundesweit 14 Standorten soll die Augustdorfer Kaserne Werbung für die Wehr machen.

Panzershows, schusslastige Manöver, Waffenvorführungen; um 13 Uhr soll Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) per Video aus dem Stützpunkt in Faßberg zugeschaltet werden. Dieses Spektakel lässt sich die Bundeswehr einiges kosten. Das Budget für die Augustdorfer Kaserne liegt nach Angaben eines Sprechers bei 400.000 Euro. Etwa 1000 Soldaten sind dabei.

Aufwendige Waffenschau

Die Bundeswehr sucht dringend Personal. Erst kürzlich wurde im Bundestag ein Maßnahmenbündel verabschiedet, das die Wehr zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen soll. So soll unter anderem der Sold für Freiwillige erhöht werden. Ein Tag mit spektakulären Panzershows kommt also durchaus gelegen, um in der Bevölkerung eine gewisse Faszination zu schüren.

Dass hinter der aufwendigen Waffenschau immer noch ein Beruf steckt, bei dem unter Umständen das eigene Leben auf dem Spiel steht, wird bei der Vorführung des Orts- und Häuserkampfes klar. »Die Entfernung zum Feind liegt bei 0,7 bis null Metern«, erklärt Hauptfeldwebel Dennis Lange vom Schwarzenborner Jägerbataillon 1. »Dann kann es auch zum Nahkampf kommen.«

Ein Bündnis von Friedensinitiativen hat bereits angekündigt, Infostände an den Park-and-Ride-Plätzen aufzubauen. »Wir sind dagegen, dass immer mehr Minderjährige rekrutiert werden«, sagt Detlef Passeick von der Regionalgruppe OWL der Deutschen Friedensgesellschaft- Vereinigte Kriegsdienstgegner*innen. Außerdem erklärt er, dass das Geld des Verteidigungshaushalts an anderer Stelle dringender gebraucht werde.

Sicher ist, dass es am Samstag laut wird. »Jetzt sieht man gleich, was ein Panzer mit einem Falschparker macht«, sagt Oberleutnant Muhamad Shaker. Er gibt das Zeichen, und seine Kameraden setzen den kompakten Bergungspanzer in Bewegung. Der blaue Kleinwagen hat keine Chance, die Besatzung wird nur kurz durchgerüttelt. Die Flüssigkeit, die aus dem Wrack sprudelt, verteilt sich auf dem Beton.

Hund macht kurzen Prozess

Nicht nur die Panzerbrigade, sondern zum Beispiel auch die in Augustdorf stationierten Feldjäger werden sich vorstellen. Oder genauer: ihre Diensthunde. Stabsfeldwebel Frank Pauli demonstriert am Donnerstag schon mal an einem Freiwilligen, wie wenig Chancen ein potenzieller Kaserneneinbrecher hat. Hund Magnum, ein 35-Kilo-Muskelpaket auf vier Beinen, macht kurzen Prozess.

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