Fr., 12.07.2019

Fünf Soldaten aus Augustdorf trainieren den Personenschutz in Detmold Fitmachen für Kabul

Mit Gewehren im Anschlag laufen die Soldaten durch den Flur des früheren Westfälischen Straßenbauamts, das in der Übung das afghanische Außenministerium darstellen soll.

Mit Gewehren im Anschlag laufen die Soldaten durch den Flur des früheren Westfälischen Straßenbauamts, das in der Übung das afghanische Außenministerium darstellen soll. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Detmold  (WB). Durch den langen Flur zu laufen ist lebensgefährlich. Aus jeder Tür kann plötzlich ein Attentäter treten, der schießt oder einen Sprengsatz zündet. Zum Glück ist alles nur eine Übung. Noch.

Fünf Soldaten aus Augustdorf fliegen im November in die afghanische Hauptstadt Kabul, wo sie vier Monate für die Sicherheit deutscher Offiziere verantwortlich sein werden. Für diese Mission trainieren sie gerade im früheren Westfälischen Straßenbauamt in Detmold.

In Kabul und vier anderen Standorten bilden Nato-Soldaten seit 2015 afghanische Sicherheitskräfte aus. Die Führungsriege wird in Kabul geschult – in einer Militärakademie und im Außenministerium. Die 3,9-Millionen-Einwohner-Stadt ist einer der gefährlichsten Orte des Landes. Allein im vergangenen Jahr sollen dort bei 20 Anschlägen 657 Menschen getötet worden sein.

Wenig Angriffsfläche bieten

Die deutschen Schulungsoffiziere zu schützen ist Aufgabe der Augustdorfer Soldaten. Ihr Ausbilder, der mit nach Kabul gehen wird: »Nicht nur die Fahrt vom Feldlager ins Außenministerium und zur Militärakademie ist gefährlich. Auch in den beiden Gebäudekomplexen drohen Anschläge und Geiselnahmen.« Deshalb üben die Soldaten in dem leerstehenden Verwaltungsgebäude, sich leise, aber schnell zu bewegen, wenig Angriffsfläche zu bieten und Geiseln aus Büros zu befreien. Ihre Ausrüstung wiegt etwa 25 Kilogramm. Dazu gehören der Helm, eine Schutzweste der Klasse 4 gegen Gewehrbeschuss, die Pistole P8 und das Gewehr G36.

Aus 30 Bewerbern hat Oberstleutnant Michael Henneberger die fünf Soldaten für den Einsatz ausgesucht. »Sie müssen eine schnelle Auffassungsgabe haben, integrationsfähig sein, gut schießen können und kommunikativ sein.« Einer von ihnen ist außerdem zum medizinischen Einsatzersthelfer ausgebildet.

Paintball-Training nicht erlaubt

Die Schüsse, die beim Training im früheren Straßenbauamt fallen, sind Schreckschüsse. Effektiver wäre es, die Soldaten könnten mit Paintball-Munition üben – Farbkugeln, die erkennen lassen, wen oder was die Soldaten getroffen haben. Doch Paintball-Training ist bei der Bundeswehr nur wenigen Einheiten erlaubt – den Augustdorfern nicht. Sie sind froh, dass sie zumindest in einem mehrstöckigen Haus üben können und nicht nur in den kleinen Gebäuden auf dem Truppenübungsplatz Senne, in denen sonst der Häuserkampf trainiert wird.

Zur Ausbildung für den Einsatz in Kabul gehören außerdem ein Fahrtraining in der Feldjägerschule Hannover und intensives Schießtraining auf kurze Distanz. »Ein Angreifer, der in meiner Nähe ist, bewegt sich für mein Auge viel schneller als jemand, der 200 Meter weg ist. Deshalb muss ich sehr schnell reagieren«, sagt ein Ausbilder.

Sechs Monate dauert das Training für die Sicherungsaufgabe in Afghanistan. Die letzten Feinheiten werden den Soldaten in Kabul vermittelt, wo sie auch die Grundrisse des Außenministeriums und der Militärakademie studieren können.

Wie jeder Bundeswehrsoldat in Afghanistan werden die Männer 110 Euro Zulage pro Tag bekommen Es ist die höchste Zulage, die die Bundeswehr zahlt – weil Afghanistan  so gefährlich ist.

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