Mi., 11.12.2019

Das Augustdorfer Bataillon feiert seinen „Vorschlaghammer“ Ein Panzer hat Geburtstag

Im Spätherbst 1979, also vor 40 Jahren, wurde die erste Generation des Kampfpanzers Leopard 2 an die Bundeswehr geliefert.

Im Spätherbst 1979, also vor 40 Jahren, wurde die erste Generation des Kampfpanzers Leopard 2 an die Bundeswehr geliefert. Foto: Andreas Schnadwinkel

Von Andreas Schnadwinkel

Augustdorf (WB). Er wiegt bis zu 68 Tonnen und nimmt die Kurven fast so agil wie ein Sportwagen. In seinen Tank passen 1160 Liter Sprit, sein Hubraum beträgt 47.600 Kubikzentimeter und seine Motorleistung 1500 PS. Mehr als 72 km/h sind aber nicht drin. Seine maximale Kampfentfernung beträgt 5000 Meter.

Ein fahrendes Rechenzentrum

„Der Leopard 2 ist unser Vorschlaghammer“, sagt Oberstleutnant Jörg Stenzel. Im Gefecht sei der Kampfpanzer mit seiner 120-Millimeter-Glattrohrkanone ein verlässlicher Partner der Soldaten. „Aber heute ist er auch ein fahrendes Rechenzentrum“, betont der Kommandeur des Panzerbataillons 203 in Augustdorf (Kreis Lippe), das am Dienstag gezeigt hat, was der Panzer kann – anlässlich des 40. Geburtstags des Leopard 2, dessen modernste Version A7V heißt.

„Gläserne Ausbildung“ im Simulator

Mehr Technik bedeute auch mehr Ausbildung. Im Simulator, der an das Training von Flugpiloten und Formel-1-Fahrern erinnert, werden die Soldatinnen und Soldaten auf die Praxis im Panzer vorbereitet. „Der Simulator ermöglicht uns eine Art gläserne Ausbildung, weil wir jede taktische Situation und jede Wetterlage erzeugen und jede Handlung beobachten können. Das verbessert die Ausbildung sehr“, sagt Betriebsfeldwebel Mark Schrader.

 

Ein echter Schuss kostet 1000 Euro

Und Hauptfeldwebel Sebastian Hans nennt einen weiteren Vorzug: „Der Simulator ist kostengünstiger als eine Gefechtsübung. Ein echter Schuss kostet 1000 Euro.“ Auch habe Künstliche Intelligenz (KI) mittlerweile Einzug in die jüngsten Modelle gehalten. Das System erkennt zum Beispiel eine feindliche Übermacht und rät dann zum Rückzug.

Mehr als 3000 verschiedene Modelle weltweit im Einsatz

Mehr als 200 Leopard 2 sind derzeit beim Heer im Einsatz. Auf einem Panzer sitzen vier Soldaten. Zur Besatzung gehören Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze und Fahrer. In der Regel kämpfen vier Panzer gemeinsam und bilden einen Zug. Neben der Bundeswehr zählen viele weitere Armeen den „Leo“, der in Deutschland von Krauss-Maffei Wegmann hergestellt wird und je nach Ausrüstung und Menge zwischen drei und sieben Millionen Euro kostet, zu ihrem Arsenal. Mehr als 3000 verschiedene Modelle sollen weltweit im Einsatz sein.

Über Rüstungsexporte entscheidet der Bundessicherheitsrat, ein Ausschuss des Kabinetts. Umstritten waren Leopard-2-Lieferungen an Katar, Indonesien, Singapur, Saudi-Arabien und die Türkei.

2030 soll ein Nachfolgemodell den Leopard 2 ablösen

Während Nato-Staaten wie Dänemark und Kanada den deutschen Panzer im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan genutzt haben, verzichtet die Bundeswehr darauf. „Wir brauchen dort keine Panzer, weil das in unserem Gebiet geografisch nicht erforderlich ist“, sagt Jörg Stenzel, der Ende Januar eine seiner Kompanien zurückerwartet. Im Irak schulen die Augustdorfer seit vier Monaten die Sicherheitskräfte – ohne den Leopard 2, dessen Ende nicht mehr weit ist.

2030 soll er von einem Nachfolgemodell abgelöst werden. Das deutsch-französische Rüstungsprojekt läuft unter der Bezeichnung „Main Ground Combat System (MGCS)“ und befindet sich noch in der Entwicklung.

Doch bevor der neue Panzer eingeführt wird, feiert der Leopard 2 noch seinen 50.

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