Bad Salzufler (56) soll seine Frau um ihr Geld gebracht haben
Falscher Doktor kommt vor Gericht

Bad Salzuflen (WB/bex). Er gab sich als Professor und Arzt aus, soll seine Frau zu überhöhter Medikamenteneinnahme veranlasst und in Folge um ihr Geld gebracht haben. Seinem Prozess blieb er fern. Der Bad Salzufler kommt nun aber doch noch in Lemgo vor Gericht.

Dienstag, 22.05.2018, 07:00 Uhr
Der Bad Salzufler gab sich laut Anklage als Notarzt aus. Foto: dpa
Der Bad Salzufler gab sich laut Anklage als Notarzt aus. Foto: dpa

Denn mittlerweile ist der 56-Jährige inhaftiert. Er stellte sich der Polizei; der am 9. Mai geplatzte Prozess soll nun am 13. Juni am Amtsgericht Lemgo nachgeholt werden.

Die Vorgeschichte: Der Angeklagte soll seine spätere Ehefrau über einen Fernseh-Chat kennengelernt und nach der Heirat darauf hingewirkt haben, dass diese die Kontrolle über die Finanzen ihrem Mann überließ. Ihr Vertrauen soll er sich mit der falschen Behauptung erschlichen haben, er sei »Prof. Dr. Dr.« und als selbstständiger Notarzt tätig. Seine Autorität als vermeintlicher Mediziner soll er dazu genutzt haben, seine Frau dazu zu bewegen, Beruhigungs- und Schmerzmittel in stark überhöhter Dosis einzunehmen. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass diese Sedierung dem Angeklagten helfen sollte, seine Frau um ihr Geld zu bringen.

Zwei Darlehensverträge durch gefälschte Unterschrift

So sei es ihm gelungen, unter dem Namen seiner Gattin und durch Fälschung ihrer Unterschrift zwei Darlehensverträge über insgesamt 15.700 Euro abzuschließen. Darlehensraten blieb er allerdings schuldig, ebenso Forderungen der Wohnungseigentümergemeinschaft, Grundbesitzabgaben, Rundfunkbeiträge, Telefon- und Stadtwerke-Rechnungen. Seiner Frau spiegelte er laut Anklage vor, dass er diese Zahlungen veranlasst habe. Tatsächlich habe er das Geld für sich ausgegeben. Zudem benutzte er widerrechtlich die EC-Karte seiner Frau und verschwieg gegenüber einem Gerichtsvollzieher ein Kontoguthaben von 10.000 Euro. Letztlich kam es sogar zur Zwangsversteigerung der Eigentumswohnung seiner Frau. Sie soll von den Umtrieben ihres Mannes erst erfahren haben, als sie eine Mitteilung über das Zwangsversteigerungsverfahren in ihrem Briefkasten fand. Sie zeigte ihn an.

Der Angeklagte, vertreten durch Anwalt Helmut Wöhler, hat sich nach Angaben des Amtsgerichts zu den Vorwürfen bisher nicht eingelassen. »Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft ihm Betrug, Untreue, Urkundenfälschung und Körperverletzung zum Nachteil seiner Ehefrau, das unbefugte Führen akademischer Grade und der Berufsbezeichnung Arzt sowie die Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt vor«, erklärt Petra Borgschulte, Direktorin des Amtsgerichts Lemgo.

Mann ist mehrfach vorbestraft

Der Mann ist mehrfach wegen Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung vorbestraft. Ihm sollte am 9. Mai der Prozess gemacht werden – der Angeklagte erschien jedoch nicht. Er schickte ein ärztliches Attest: Schmerzen in der Brust und überhöhter Blutdruck sollten seine Verhandlungsunfähigkeit belegen. Eine Rücksprache des Gerichts mit dem behandelnden Arzt konnte Zweifel daran nicht ausräumen. Zudem berichteten Nachbarn des Angeklagten, die als Zuhörer im Gerichtssaal waren, von einem gemeinsamen Grillabend mit dem Mann am Tag zuvor. Richter Florian Hobbeling wollte den Mann vorführen lassen. Da die Polizei ihn aber nicht in seiner Wohnung antraf, erging ein Haftbefehl.

Am Mittwoch stellte sich der Angeklagte beim Amtsgericht Lemgo. Der Haftbefehl wurde zwar außer Vollzug gesetzt. Der Bad Salzufler kam trotzdem in Haft – aufgrund einer Verurteilung wegen Betruges von 2017.

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