Neuer Anlauf für Nachfolgeregelung – Wäscherei-Roboter in Serienreife
Kannegiesser feilt an der Zukunft

Vlotho/Bad Salzuflen (WB). Der Weltmarktführer für Wäschereitechnik lässt neue Zeiten anbrechen: Technologisch hat das Vlothoer Unternehmen Kannegiesser ­Roboter Einzug halten lassen. Personell unternimmt Patriarch Martin Kannegiesser (76) einen zweiten Anlauf, die operative Führung neu aufzustellen.

Freitag, 08.06.2018, 08:00 Uhr
Martin Kannegiesser (rechts), seine Tochter Tina Kannegiesser und Engelbert Heinz, der zum Vorsitzenden der Geschäftsführung aufgerückt ist, teilen sich die operative und strategische Verantwortung beim Vlothoer Weltmarktführer für Wäschereitechnik. Foto: Oliver Horst
Martin Kannegiesser (rechts), seine Tochter Tina Kannegiesser und Engelbert Heinz, der zum Vorsitzenden der Geschäftsführung aufgerückt ist, teilen sich die operative und strategische Verantwortung beim Vlothoer Weltmarktführer für Wäschereitechnik. Foto: Oliver Horst

Im vergangenen Herbst hatte der Vollblut-Unternehmer im Rahmen des Generationswechsels seinen allmählichen Rückzug auf Raten angekündigt. In Kristijan Bauer, der zuvor Werkleiter beim Autozulieferer Continental war, schien Kannegiesser einen Nachfolger fürs Tagesgeschäft gefunden zu haben. Doch der 47-Jährige, der zum Jahreswechsel kam, blieb nur wenige Wochen. Zu groß waren die Mentalitätsunterschiede, sagt Kannegiesser. »Fachlich und menschlich passte es.«

Jetzt will der Mann, der seit 50 Jahren die Geschicke des 1948 gegründeten Unternehmens lenkt, mit Kräften aus den eigenen Reihen die Zukunft gestalten. Der langjährige Geschäftsführer Engelbert Heinz, der in den nächsten Tagen 62 wird und seit 30 Jahren im Unternehmen ist, wird Vorsitzender der Geschäftsführung. Er soll in dieser Position weitgehend die bisherige Rolle Kannegiessers einnehmen. Zudem sollen möglichst eigene Mitarbeiter künftig an die Spitze aufrücken.

Familienstiftung hält Anteile

Der 76-Jährige will sich als Vorstandsvorsitzender der Familienstiftung, die seit gut drei Jahren alle Anteile am Unternehmen hält, stärker auf die strategischen Entscheidungen konzentrieren. Dafür sei wichtig, mit dem Tagesgeschäft vertraut zu sein, aber zugleich sich auch ein Stück zurückzuhalten. Auf der Familienseite ist Tochter Tina Kannegiesser (37), die stellvertretende Stiftungsvorsitzende ist und im Konzern die Firmenphilosophie in die Auslandstöchter trägt, die designierte Nachfolgerin. »Die Stiftung und damit die Familie trifft in letzter Instanz die Entscheidungen«, sagt Martin Kannegiesser. Ein fixes Datum, zu dem er die Verantwortung seiner Tochter übertragen will, hat er sich nicht gesetzt.

Derweil läuft das Geschäft konstant gut. 2017 erhöhte sich der Umsatz um fünf Prozent auf 400 Millionen Euro. Der Heimatmarkt Deutschland ist mit einem Anteil von knapp 30 Prozent wichtigster Einzelmarkt vor den USA. »Von Strafzöllen sind wir nicht betroffen«, sagt Kannegiesser. Sein Unternehmen ist in 16 Ländern mit eigenen Standorten vertreten, beschäftigt weltweit 1750 Mitarbeiter, 800 davon in Vlotho.

Bei Robotisierung in Branche führend

Als Technologieführer ist Kannegiesser bei der Robotisierung der industriellen Wäschereitechnik führend. Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit seien die Systeme jetzt serienreif. Vor allem 3D-Kameras verleihen den Robotern dabei die nötige Intelligenz, Wäschestücke aus einem großen Berg einzeln und an der richtigen Stelle zu greifen. »Wir sind auf dem Weg zur weitgehend personalfreien Wäscherei«, sagt Kannegiesser. Was nach einem Jobkiller klingt, sei aber nicht nur dem Wunsch der Kunden nach Kostensenkungen im harten Wettbewerb geschuldet. »Es wird auch immer schwieriger für die Wäschereien, Personal zu finden.«

So kann der »Gripmaster«, den Kannegiesser seit gestern und noch bis Samstag 2500 Fachbesuchern aus 58 Ländern bei seiner Hausmesse in Bad Salzuflen zeigt, 1000 Teile pro Stunde einzeln aufnehmen, mit der nachgelagerten Erkennungseinheit Größe, Farbe und Material ermitteln und den nächsten Arbeitsschritten zuführen. Vollautomatisch funktioniert auch der neue Faltautomat mit Roboterarm. Zur Optimierung der Betriebsabläufe seiner Kunden führt Kannegiesser jetzt zudem immer stärker die Leistungsdaten seiner Maschinen vor Augen.

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