Mi., 26.12.2018

17-Jähriger mit deutschem Führerschein in Italien am Steuer erwischt Familie muss 3500 Euro Strafe zahlen

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Bad Salzuflen (WB/ca). Wer jetzt mit dem Auto in den Winterurlaub fährt, sollte auf keinen Fall sein 17-jähriges Kind ans Steuer lassen – jedenfalls nicht, wenn die Reise ins Ausland geht. »Führerscheine für Begleitetes Fahren ab 17 gelten dort nämlich meistens nicht, und die Folgen können drastisch sein«, warnt Arndt Schirneker-Reineke, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Bad Salzuflen.

Fachanwalt Arndt Schirneker-Reineke

Er ist ADAC-Vertragsanwalt und verweist auf den Fall eines Kollegen, der eine betroffene Familie vertrat. »Sie fuhr nach Italien. Der 17-jährige Sohn, der einen Führerschein für begleitetes Fahren hatte, saß am Steuer und der Vater daneben.« Der Wagen sei in eine Polizeikontrolle geraten, und die italienischen Beamten hätten den Führerschein beanstandet. »Der Vater musste 3500 Euro Bußgeld zahlen, und als zusätzliche Strafe wurde das Auto der Familie für drei Monate in Italien in polizeiliche Verwahrung genommen.« Der Familie sei sogar angedroht worden, das Bußgeld auf 5000 Euro zu erhöhen, sollte sie den Betrag nicht innerhalb von fünf Tagen zahlen.

Arndt Schirneker-Reineke: »Der Führerschein für 17-Jährige gilt tatsächlich nur in Deutschland.« Das Vorgehen der italienischen Behörden entspreche der dortigen Rechtslage, und auch in anderen europäischen Ländern drohten ähnlich drastische Sanktionen. »Die einzige Ausnahme ist im Moment Österreich. Aufgrund eines Erlasses des österreichischen Verkehrsministeriums ist dort das Fahren mit der deutschen Prüfbescheinigung BF17 bei Einhaltung der in Deutschland geltenden Vor­aussetzungen erlaubt. Man muss aber beachten, dass diese Erlaubnis nur bis spätestens zum 18. Geburtstag des Inhabers gilt, selbst wenn sie in Deutschland noch drei weitere Monate gültig ist.«

Bei Zuwiderhandlung müsse auch in Österreich mit einer Strafe wegen Fahrens ohne Führerschein gerechnet werden, sagt Schirneker-Reineke. Er ist 2018 als einziger Anwalt aus Ostwestfalen-Lippe in die bundesweite »Focus«-Liste der Topanwälte im Verkehrsrecht aufgenommen worden. »Focus« hatte bundesweit 24.311 Fachanwälte gebeten, Kollegen in unterschiedlichen Fachgebieten zu empfehlen.

2010 wurde Begleitetes Fahren in Deutschland einheitlich geregelt, vorher gab es einen Modellversuch in Niedersachsen. Begleitpersonen müssen mindestens 30 Jahre alt sein und fünf Jahre den Führerschein haben.

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