Mo., 18.02.2019

Frau und Baby in Bad Salzuflen gerettet – 16-Jährige kommt vorläufig in Gerichtspsychiatrie Tochter sticht auf schwangere Mutter ein

Die Einsatzwagen der Polizisten und Rettungskräfte stehen in der Nähe des Hauses, in dem das Verbrechen geschah.

Die Einsatzwagen der Polizisten und Rettungskräfte stehen in der Nähe des Hauses, in dem das Verbrechen geschah. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Bad Salzuflen (WB). Familiendrama in Bad Salzuflen (Kreis Lippe): Dort hat am Samstag ein Mädchen (16) auf seine schwangere Mutter eingestochen.

Ein Einfamilienhaus am Rande der Kurstadt. Hier lebt die alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern. Am Samstag sahen Zeugen, wie die Frau gegen 16 Uhr schwerverletzt aus ihrem Haus lief und panisch um Hilfe rief. Sie floh zu Nachbarn, die einen Notarzt alarmierten und die Wunden abdeckten. Die Frau rief, dass ihre Tochter auf sie eingestochen habe.

Zwei Messerstiche in den Unterleib der schwangeren Frau

Anwohner liefen zu dem Haus, in dem sich die Tat abgespielt hatten, und holten zwei jüngere Brüder des Mädchens heraus. Dann kümmerten sich Nachbarn um die 16-Jährige, die später von Polizisten festgenommen wurde.

Die im siebten Monat schwangere Frau hatte zwei Messerstiche in den Unterleib erlitten. Der Notarzt erkannte, dass er vor Ort nicht viel für das Opfer tun konnte. Er ließ im Klinikum Herford einen OP und einen Kreißsaal vorbereiten, bevor die Verletzte mit Blaulicht und Martinshorn weggefahren wurde. Mitarbeiter des Jugendamts und Verwandte kümmerten sich um die Geschwister.

Oberstaatsanwalt Christopher Imig aus Detmold sagte am Sonntag: »Die Frau wurde gerettet, und nach derzeitigem Stand wird auch das ungeborene Baby überleben.« Gegen die 16-Jährige werde wegen versuchten Totschlags, versuchten Schwangerschaftsabbruchs und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Als Schwangerschaftsabbruch werten Juristen Angriffe auf das ungeborene Leben. Erst nach der Geburt kommen Delikte wie Totschlag oder Mord in Frage.

Jugendliche wurde in Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt

Nach ersten Ermittlungen soll das Mädchen auf seine Mutter eingestochen und sie dann, nachdem die Klinge abgebrochen war, gewürgt haben. »Was das Motiv war, wissen wir noch nicht«, sagte Imig. Die Jugendliche sei in den Tagen zuvor wegen möglicher Selbstgefährdung in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt worden. »Dort nahm man an, die Krise sei vorbei und entließ das Mädchen nach Hause.«

Die 16-Jährige musste das Wochenende in einer Jugendpsychiatrie verbringen und soll am Montag in eine Gerichtspsychiatrie verlegt werden. Vor einem Prozess soll sie begutachtet werden.

Fall erinnert an ein Verbrechen in Vlotho

Der Fall erinnert an ein Verbrechen, das 2015 in Vlotho geschah. Dort kam ein Mädchen (16) nachts mit zwei Messern ins Elternschlafzimmer und stach auf seine schlafende Mutter ein. Der Stiefvater wurde wach, wollte seiner Frau helfen und wurde von einem Stich tödlich ins Herz getroffen. Die Mutter floh, wurde aber von ihrer Tochter verfolgt. Das Opfer erlitt 29 Stiche und Schnitte. Die Frau sprach später im Prozess von einem Gemetzel, bei dem sie ihre Gedärme in den Händen gehalten habe. Irgendwann ließ die rasende Tochter von der Mutter ab, und ihre jüngere Schwester und der Mieter aus dem Obergeschoss kamen der Mutter zur Hilfe.

Die Täterin wurde wegen Mordes zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hat bis heute kein Wort über ihr Motiv verloren.

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