Di., 26.03.2019

Daniel Vojnovic seit vergangenen Mittwoch auf der Flucht Richter: »Es ist zu erwarten, dass er sich bewaffnet«

Die Justizvollzugsanstalt Werl im Kreis Soest: Hier saß Daniel Vojnovic in Sicherungsverwahrung.

Die Justizvollzugsanstalt Werl im Kreis Soest: Hier saß Daniel Vojnovic in Sicherungsverwahrung. Foto: dpa

Bad Salzuflen (WB). Am Montag war der Bielefelder Daniel Vojnovic (31) seit fünf Tagen auf der Flucht – und die Polizei hat weiter keine Spur.

Wie gefährlich der Mann mög­licherweise ist, kann man dem Urteil des Landgerichts Bielefeld entnehmen, mit dem im Oktober 2017 die Sicherungsverwahrung gegen Vojnovic verhängt wurde. Darin heißt es: »Es ist zu erwarten, dass er sich erneut bewaffnen und diese Waffen schon aus geringfügigen Anlässen einsetzen wird. Es ist mit erheblichen und sogar tödlichen Verletzungen seiner Kontrahenten zu rechnen.«

Wer ist dieser Mann, der am Mittwoch einen Besuch bei seinen Eltern in Bad Salzuflen nutzte, um zwei bewaffneten Justizvollzugsbeamten zu entkommen?

Als Jugendlicher begann Vojnovic seine kriminelle Karriere

Daniel Vojnovic hat serbische Wurzeln und wurde in Deutschland geboren. Er wuchs zusammen mit einer Schwester auf. Die Mutter wird in Gerichtsakten als liebevoll beschrieben, der Vater als streng. Vojnovic war Jugend­licher, als er seine kriminelle Karriere begann. Er raubte Menschen aus, die gerade vom Geldautomaten kamen, überfiel Taxifahrer und eine Tankstelle. Er wurde gefasst, und als er gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft kam, überfiel er den nächsten Taxi­fahrer. Das Urteil: Fünf Jahre ­Jugendhaft.

Daniel Vojnovic ist auf der Flucht. Foto: Polizei

Nach der Entlassung bekam Vojnovic Kontakt zu Rockern. Als einer von ihnen, ein Bordell-Türsteher, ihn im Februar 2014 in einer Bielefelder Gaststätte nicht grüßte, empfand Vojnovic das, so sagte es später der Richter, als »hochgradige Kränkung«. Er besorgte sich eine Pistole, fuhr am nächsten Tag zum »SG Club« nach Porta Westfalica und schoss dem Türsteher ins Bein.

Im Gefängnis hatte er Wahnvorstellungen und fühlte sich verfolgt

Der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Bielefeld musste vor­übergehend unterbrochen werden, weil sich Vojnovic in seiner Zelle verbarrikadiert und gedroht hatte, sich mit einer Scherbe umzubringen. Er soll damals geglaubt haben, in den nächsten Tagen sterben zu müssen oder getötet zu werden.

Das Landgericht Bielefeld verurteilte ihn schließlich zu drei Jahren und acht Monaten Haft und behielt sich die Verhängung der Sicherungsverwahrung vor. Ein Gutachter hatte Vojnovic im Prozess eine »paranoide Schizophrenie« bescheinigt. Im Gefängnis hatte Vojnovic dann Wahnvorstellungen, und er fühlte sich verfolgt. Er wurde vorübergehend in die Gerichtspsychiatrie nach Eickelborn verlegt.

Ermittlungen haben keinen Verdacht gegen die Eltern ergeben

Weil er sich in der Haft einer Therapie verweigerte und mehrere Vorstrafen hatte, wurde 2017 die Sicherungsverwahrung verhängt, aus der Vojnovic am Mittwoch floh. Er entkam seinen Bewachern durch ein Fenster seines Elternhauses und fuhr mit dem silbernen Opel Zafira (LIP-NV 102) seines Vaters davon. Die nächste Autobahnauffahrt ist drei Kilo­meter entfernt.

Die Ermittlungen haben bisher keinen Verdacht gegen die Eltern ergeben. Vor allem die Mutter habe die Flucht sehr schwer getroffen, wird im Umfeld der Familie erzählt.

»Der Mann war in der Sicherungsverwahrung unauffällig. Er hat an vielen Angeboten teilgenommen und wollte bei uns den Realschulabschluss machen«, sagte der stellvertretende Gefängnisleiter Jörg-Uwe Schäfer. Nach drei problemlosen Ausführungen mit Hand- und Fußfesseln habe man daher entschieden, ihn am Mittwoch erstmals ohne Fesseln seine Eltern besuchen zu lassen.

Die Polizei fährt jetzt in un­regelmäßigen Abständen die Anschriften von Personen an, gegen die Vojnovic einen Groll hegen könnte. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung dieser Menschen hat die Polizei aber nicht.

Kommentare

Ein schlechter Krimi ...

mit möglicherweise katastrophalem Ausgang. Aber, alle Beteiligten waren blauäugig und haben mit ihrer Naivität den Supergau angestossen. Leid tun mir hier nur unbeteiligte Personen und meine Millionen an gezahlten Steuergeldern.

1 Kommentare

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