Di., 06.08.2019

Bei Konzerten gelten strengere Sicherheitsvorschriften Brandschutz: Kirchen droht Schließung der Emporen

Blick in die Evangelische Kirche Bergkirchen, wo am Samstag die Gruppe »4 Sax ‘n’ Soul« spielte: Besucher durften wegen einer Verfügung der Stadt nicht auf die Emporen.

Blick in die Evangelische Kirche Bergkirchen, wo am Samstag die Gruppe »4 Sax ‘n’ Soul« spielte: Besucher durften wegen einer Verfügung der Stadt nicht auf die Emporen. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Bad Salzuflen (WB). Es geht um den Brandschutz: Gottesdienstbesucher dürfen auf Kirchenemporen sitzen, Besucher von Kirchenkonzerten nicht. Das bedeutet Ärger.

»Welche Vorschriften in einer Kirche gelten, hängt von der Nutzung ab«, sagt Diplom-Ingenieur Sylwester Kabat aus Herze­brock-Clarholz. Er ist Sachverständiger für Brandschutz in Kirchen und Baudenkmälern sowie Autor zahlreicher Fachartikel.

Seit Jahren organisiert Kantor Rainer Begemann in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bergkirchen (Bad Salzuflen) an den Samstagen im August sogenannte Mondscheinkonzerte. Besucher aus vielen Teilen Ostwestfalens kommen dann in die idyllisch gelegene Waldkirche und sitzen anschließend draußen bei Essen und Getränken zusammen.

Die Gruppe »4 Sax ‘n’ Soul«. Foto: Christian Althoff

Ca. 100 Gäste mussten draußen bleiben

Samstagabend mussten etwa 100 Gäste draußenbleiben, als die Gruppe »4 Sax ’n’ Soul« im Altarraum spielte – das Bauamt der Stadt hatte die Nutzung der Emporen, auf denen sonst bis zu 150 Besucher saßen, verboten. Hans Hofste von der Stadt: »Die Empore hat keinen zweiten Rettungsweg. Bei einem Brand könnte es zu einer Katastrophe kommen.«

Dr. Arno Schilberg ist Justitiar der Lippischen Landeskirche und sagt: »Bergkirchen ist die einzige Gemeinde in Lippe, der bisher die Nutzung der Empore für Konzerte verboten wurde. Dass Gottesdienstbesucher dort sitzen dürfen, Konzertbesucher aber nicht, kann man den Menschen kaum vermitteln. Denn ob vorne die Pastorin steht oder eine Saxophonistin, ändert ja nichts an einer möglichen Brandgefahr.«

Warum unterschieden wird, erklärt Diplom-Ingenieur Kabat: »Kirchen sind zwar Versammlungsräume. Räume, die dem Gottesdienst gewidmet sind, unterliegen aber laut Gesetz nicht der Versammlungsstättenverordnung. Deshalb ist es erlaubt, dass Gottesdienstbesucher auch Emporen nutzen, wenn die keinen zweiten Fluchtweg haben.« Bei einer anderen Nutzung der Kirche sähen die Bauämter aber immer häufiger kritisch hin. »Denn Brände in Kirchen sind gefährlich. Meistens gibt es keine Brandschutzeinrichtungen. Der Rauch kann sich ungehindert verbreiten, und bei älteren Kirchen ist oft viel Holz verbaut.«

1850 wurde diese Kirche in Bad Salzuflen als Fachwerkbau errichtet, um 1900 kam der Kirchturm hinzu. Foto: Christian Althoff

Keine Pflicht

Eine generelle Pflicht für Kirchen, in den Brandschutz zu investieren, gebe es nicht. »Kirchen genießen baurechtlichen Bestandsschutz. Nachträgliche bau- und brandschutztechnische Forderungen können nicht ohne Weiteres erhoben werden.« Das gelte aber nur für die Nutzung als Gottesdienststätten. An­drea Rose, Sprecherin der Westfälischen Landeskirche in Bielefeld: »Für Konzerte, die keine rein kirchlichen Veranstaltungen sind, beantragen unsere Kirchengemeinden beim Bauamt eine Genehmigung, die dann mit Auflagen verbunden ist. Zum Beispiel wird die maximale Besucherzahl festgelegt.« Aktuell habe es bei den Sommerkonzerten in der Kreuzkirche Sennestadt solche Einschränkungen gegeben. Betroffen sind vor allem evangelische Kirchen, weil dort mehr Veranstaltungen außerhalb von Gottesdiensten stattfinden als in katholischen Gemeinden. »Denn Kirchenmusik gilt bei uns als Verkündigung in besonderer Form«, sagt Birgit Brokmeier von der Lippischen Landeskirche.

In Bad Salzuflen stehen nun möglicherweise die Mondscheinkonzerte auf der Kippe, weil weniger Besucher entsprechend geringere Einnahmen bedeuten. »Die Empore bleibt gesperrt.  An dieser Verfügung wird die Stadt nichts mehr ändern«, sagt Kirchen-Justitiar Dr. Arno Schilberg. Ein Ausweg wäre, draußen eine Fluchttreppe an die 170 Jahre alte Kirche zu bauen. Doch da haben die Denkmalschützer aus Münster ein Wort mitzureden. Allenfalls zur Friedhofseite hin würden sie wohl ihre Zustimmung geben, aber die Finanzierung ist völlig unklar.

Mehr Infos unter www.bergkirchen.net

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6830164?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F3294429%2F