Mi., 04.09.2019

Mutter niedergestochen: 16-Jährige im Moment der Tat schuldunfähig Mädchen nach Bluttat freigesprochen

16. Februar: Polizei und Rettungskräfte am Tatort.

16. Februar: Polizei und Rettungskräfte am Tatort. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Bad Salzuflen (WB). Das Landgericht Detmold hat ein Mädchen aus Bad Salzuflen freigesprochen, das im Februar mit einem Messer auf seine im siebten Monate schwangere Mutter eingestochen hatte.

Die Frau war am 16. Februar blutend aus dem Haus geflohen und hatte bei Nachbarn Schutz gesucht. Dort gab sie an, von der 16-Jährigen angegriffen worden zu sein. Im Klinikum Herford wurden zwei Stiche in den Bauch entdeckt. Die Frau wurde operiert, das Baby ist inzwischen gesund zur Welt gekommen.

Das Mädchen wurde vor der Tat wegen Suizidgefährdung stationär in einer Jugendpsychiatrie behandelt. Weil es auf einem guten Weg zu sein schien, durfte es an jenem Wochenende nach Hause zu seiner Mutter. Dort kam es dann in dem Einfamilienhaus zu einem Streit, der in der Bluttat gipfelte. Die Staatsanwaltschaft klagte die Schülerin wegen versuchten Totschlags, versuchten Schwangerschaftsabbruchs und gefährlicher Körperverletzung an.

Schweres Zerwürfnis

In dem Prozess, der wegen der jungen Angeklagten ohne Öffentlichkeit hinter geschlossenen Türen stattfand, spielte das psychiatrische Gutachten die entscheidende Rolle. Der Gutachter erklärte sinngemäß, die Jugendliche sei in den Sekunden der Tat in einer dramatischen Krise gewesen und habe sich nicht mehr steuern können. Sie sei im Moment des Zustechens schuldunfähig gewesen. Eine weitere Gefahr sei von dem Mädchen aber nicht zu erwarten, weshalb es auch nicht eingesperrt gehöre.

Auslöser der Tat soll ein schweres Zerwürfnis zwischen Mutter und Tochter gewesen sein, das sich möglicherweise seit langer Zeit aufgebaut hatte.

Das Gericht sprach die Jugendliche frei. Weil das Mädchen laut Gutachten, abgesehen von Depressionen, auch nicht psychisch krank sein soll, ordnete das Gericht keine weiteren Maßnahmen an. Oberstaatsanwalt Christopher Imig: »Für mich ist das Urteil schlüssig. Ich habe deshalb kein Rechtsmittel eingelegt.« Das Mädchen habe es zu Hause offenbar schwer gehabt, sagte Imig.

In Deutschland enden etwa drei Prozent der Strafprozesse mit einem Freispruch.

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