Do., 12.09.2019

Das Messezentrum Bad Salzuflen ist als einziges rein in privater Hand Bundesweit einmalig

Das Messezentrum in Bad Salzuflen.

Das Messezentrum in Bad Salzuflen. Foto: Moritz Winde

Von Oliver Horst

Bad Salzuflen (WB). Die Anfänge standen vor 50 Jahren noch unter ganz anderen Vorzeichen. Heute ist das Messezentrum Bad Salzuflen mit 15 Hallen, 85.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 350.000 Besuchern und bis zu 30 Veranstaltungen im Jahr die Nummer 13 der Branche. Und bundesweit das einzige Messezentrum rein in privater Hand.

Spediteur Wilhelm Reibchen machte 1969 den ersten Spatenstich für eine Speditionshalle, die heutige Halle 1. Danach baute er nach den Vorgaben des Möbelherstellers Steinhoff verkehrsgünstig an der B239 in der Nähe der A2 die heutige Messehalle 4. »Als sie im Frühjahr 1975 fertig war, tat sich erst einmal nicht viel. Die Miete kam aber pünktlich«, sagt Andreas Reibchen, der die Messegesellschaft heute in dritter Generation führt. »Im Herbst kamen erste Möbel und dann viele Leute.« Danach herrschte wieder Ruhe. Des Rätsels Lösung: Steinhoff, ansässig in Westerstede bei Oldenburg, nutzte die Halle, um Einkäufer auf dem Weg zur Herbstmesse des damaligen Konkurrenten Schieder-Möbel abzufangen.

In den ersten Jahren gab es einen Helikopter-Shuttle

»Mein Vater Dieter hat das als Geschäftsidee erkannt«, sagt An­dreas Reibchen (52). »Er hat auf Möbelmessen und bei den Herstellern in der Region nach dem Bedarf an einer zentralen Ausstellungsfläche gefragt.« Der Gedanke setzte sich nach und nach durch und löste die zuvor über die ganze Region verteilten eigenen Ausstellungsräume der Hersteller teilweise ab. »Sukzessive sind dann die weiteren Messehallen entstanden, und die Spedition ist aufgegeben worden«, sagt Reibchen.

Andreas Reibchen (links) und Bernd Schäfermeier führen gemeinsam die Messe Ostwestfalen GmbH. Foto: Moritz Winde

Richtig Schwung nahm das Messegeschäft Mitte der 1980er Jahre auf. Rosemarie Reibchen stieg mit ein. 1984 organisierte die Gesellschaft für Messen und Ausstellungen (GMA) unter ihrer Geschäftsführung die erste Möbel-Ordermesse Westfalica in Bad Salzuflen (MOW). Sie ist heute mit rund 10.000 Fachbesuchern ein Fixtermin im September als eine der wichtigsten Branchenschauen für den europäischen Möbelmarkt und kommt auf Ausstellerseite inzwischen auf einen Auslandsanteil von 60 Prozent.

Reibchen: »In den ersten Jahren gab es sogar einen Helikopter-Shuttle. Besucher wurden zwischen Schieder und dem Messezentrum geflogen.« Und René Weller stieg im Kurhaus in den Boxring.

Zehn Millionen Euro Jahresumsatz

Längst beäugte die Kölnmesse, Veranstalter der weltweit führenden Möbelmesse IMM, das Treiben in der Provinz aufmerksam. Konkurrenzdenken wuchs. Erst recht, weil sich in den 1990er Jahren in Bad Salzuflen neben den permanenten Dauerausstellungen von Möbelherstellern nun auch mehrtägige Messen etablierten.

Die Familie Reibchen – Sohn Andreas war nun mit einer weiteren Gesellschaft eingestiegen – verkaufte die Hallen 1 bis 19 und mietete sie wieder zurück. Mit dem Erlös wurde die Halle 20 gebaut – eine Messehalle mit ganz neuen technischen Möglichkeiten. Sie war konzipiert für die KMO – eine Messe für die Kunststoff verarbeitende Industrie. Später kamen die ZOW als Zulieferermesse für die Möbelindustrie und FMB für Zulieferer und Dienstleister des Maschinenbaus hinzu.

Zudem entwickelte Andreas Reibchen Publikumsmessen wie die mit rund 30.000 Besuchern stärkste Schau »Haus, Garten, Touristik und Hochzeit«. Die Motorradmesse »Custombike-Show« Anfang Dezember gilt mit ähnlichem Andrang als größte ihrer Art in Europa. Nicht von ungefähr: Reibchen ist Harley-Davidson-Vertragshändler mit Standorten in Bielefeld, Osnabrück und Düsseldorf. Das Messezentrum ist derweil auch Heimstätte für Sportevents, Firmenveranstaltungen wie die Weltausstellung des Wäschereiherstellers Kannegiesser aus Vlotho oder die Karrieremesse »My Job-OWL«. 2005 fusionierten die Gesellschaften des Messezentrums und der MOW, seither leiten Reibchen und Bernd Schäfermeier gemeinsam die Messe Ostwestfalen GmbH. Der Jahresumsatz beläuft sich auf rund zehn Millionen Euro, der Überschuss lag zuletzt bei 585.000 Euro. Die Betreibergesellschaft arbeitet mit einer Stammmannschaft von 15 Mitarbeitern und in der Spitze zu Messezeiten mit 200 Beschäftigten.

Familientradition in vierter Generation fortsetzen.

»Die ganze Region profitiert von uns. Nicht nur das Taxi- und Gastgewerbe, sondern auch Blumenläden, Wäschereien, Lebensmittelhändler und Baumärkte«, sagt Andreas Reibchen. Eine vor Jahren in Auftrag gegebene Studie haben ergeben, dass jeder Euro Umsatz der Messe einen zehnfachen Effekt auf das Umfeld habe.

Die Familientradition soll auch in vierter Generation fortgesetzt werden. Julius Reibchen (17) zeige Interesse am Messegeschäft, berichtet Andreas Reibchen stolz. Dessen Neffe Maximilian Richter ist bereits mit an Bord.

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