Do., 12.09.2019

Labrador greift Malteser an – Fell kann nicht transplantiert werden Hund skalpiert

Chicos Hinterkopf ist verbunden: Jeden Tag muss in der Tierarztpraxis der Verband gewechselt werden. Dr. Paul Hayer: »Dass Hunde sich mal beißen, ist ja nicht außergewöhnlich. Aber so eine Verletzung wie in diesem Fall hatte ich noch nie.«

Chicos Hinterkopf ist verbunden: Jeden Tag muss in der Tierarztpraxis der Verband gewechselt werden. Dr. Paul Hayer: »Dass Hunde sich mal beißen, ist ja nicht außergewöhnlich. Aber so eine Verletzung wie in diesem Fall hatte ich noch nie.« Foto: Ralf Meier

Von Christian Althoff

Bad Salzuflen (WB). Ein Hund, möglicherweise ein Labrador, hat in Bad Salzuflen einen Malteser skalpiert. Tierarzt Dr. Paul Hayer (58): »Ich praktiziere jetzt seit 30 Jahren, aber so eine Verletzung habe ich noch nicht gesehen.«

Wie jeden Samstagvormittag hatte sich die pensionierte Lehrerin Cornelia Guarda (74) am vergangenen Wochenende mit vier weiteren älteren Damen in der Konditorei Hagemeyer getroffen. »Mein Chico lag angeleint unter dem Tisch und schlief.« 15 Jahre alt sei der Malteser, den sie als Vierjährigen aus dem Tierheim zu sich genommen habe, erzählt die Frau. »Ein ganz lieber Hund.«

Kurz vor 12 Uhr sei ein Mann mit einem schwarzen Hund ins Café gekommen – einem Labrador, da ist sich die Frau sicher. »Der Hund war an einer langen Leine und legte sofort den Kopf auf meinen Schoß. Ich habe ihn gekrault, und er hat überhaupt kein Zeichen von Aggressivität gezeigt.« Unvermittelt habe sich der Labrador dann auf ihren kleinen Hund gestürzt, zugebissen und ihm das Fell vom Hinterkopf gerissen. »Das Fell lag neben meinem Chico, der ganz still war. Vermutlich stand er unter Schock.«

Hundehalter soll geflochtenen Ziegenbart tragen

Der Mann sei mit dem Labrador aus dem Café gestürmt, und ein anderer Gast habe ihn anfangs noch verfolgt. »Der Mann ist aber weggelaufen und hat dem Verfolger den Stinkefinger gezeigt. Das sagt ja schon einiges über ihn«, sagt Cornelia Guarda. Mitarbeiter des Cafés hätten ihr gesagt, er habe einen gedrehten oder geflochtenen Ziegenbart gehabt.

Tierarzt Dr. Paul Hayer und seine Mitarbeiterin Lea Pöpel kümmern sich um den Hund von Cornelia Guarda.

Die 74-Jährige schnappte sich den schwerverletzten Hund und das Stück Fell, und eine andere Frau fuhr sie zum Tierarzt. »Dr. Hayer hat uns sofort in die Tierklinik nach Bielefeld geschickt.« Das Fellstück habe aber nicht wieder angenäht werden können. »Sie haben die Wundränder angenäht und alles verbunden. Am Sonntag konnte ich Chico wieder abholen. 567 Euro habe ich bezahlt.«

Noch am Samstag sei sie zur Polizei gegangen, um Anzeige zu erstatten. »Aber man sagte mir, das sei ein Fall für die Kripo, ich solle am Montag wiederkommen.« Am Montag habe ihr dann eine Polizistin erklärt, sie könne keine Anzeige aufnehmen, weil Tiere keine Straftaten begehen könnten.  »Das fand ich merkwürdig, aber was sollte ich machen?«

Das Fellstück kann nicht wieder angenäht werden.

Verband muss jeden Tag erneuert werden

Jeden Tag kommt die pensionierte Lehrerin nun mit ihrem Hund in die Tierarztpraxis, um den Verband erneuern zu lassen. Dr. Hayer: »Durch den Biss ist die Wunde infiziert. Wir müssen aufpassen, dass Chico keine Blutvergiftung bekommt.«

Der Hund erhält Antibiotika und vor jedem Verbandswechsel eine Spritze mit einem Sedativ, damit er die Schmerzen nicht spürt. Dann wird der alte Verband entfernt und ein neuer angelegt, nachdem die Wunde mit einer Auflage für Brandverletzungen abgedeckt wurde. »Ich bin schon sehr erstaunt, dass dieser alte Hund diese schwere Verletzung so gut wegsteckt«, sagt der Arzt. »Er frisst, und er hat kein Fieber – das sind gute Voraussetzungen für eine Heilung.« Die Haut müsse jetzt wieder über die Wunde wachsen. »Das wird natürlich dauern.« Neues Fell werde Chico aber am Hinterkopf nicht bekommen: »Da bleibt eine große Narbe.«

»Chico steht bis heute unter Schock«

Cornelia Guarda: »Chico steht bis heute unter Schock. Er jammert noch nicht einmal, obwohl er doch Schmerzen hat. Jeden Abend gebe ich ihm Schmerzmittel, damit er durchschlafen kann.« Die Pensionärin rechnet damit, dass es am Ende etwa 2500 Euro Tierarztkosten sein werden, auf denen sie sitzenbleibt. Auf den Labrador lässt sie trotzdem nichts kommen: »Der Hund wurde bestimmt nicht normal sozialisiert. Dass ein Hund zubeißt, ohne vorher das Fell aufzustellen, die Ohren anzulegen oder zu knurren, das gibt es eigentlich nicht. Wer weiß, unter welchen Bedingungen der Labrador großgeworden ist?«

Kommentare

Unglaublic

Nicht zu fassen! Ein Hund gehört im Lokal nicht an die lange Leine und schon gar nicht zu Besuch an andere Tische. Niemals kann man davon ausgehen, dass sich fremde Tiere akzeptieren oder mögen. Ein Hund, der in Hals oder Kopf beißt, will töten. So ein Verhalten ist dem Halter garantiert bekannt. Schade, dass niemand weiß, wer es ist. Leider fällt das Ganze unter "Sachbeschädigung" und ist somit ein Straftatbestand. Den kann man zur Anzeige bringen

Unglaublich, aber so ist wohl.

Da läuft jemand mit solch einem aggressiven Tier herum, verursacht einen Schaden und ist haftbar, § 833 I BGB. Und die Dame bleibt nun auf Ihrem Schaden sitzen, weil dieser feige Mensch einfach davonläuft.

Jedenfalls das Zeigen des Mittelfingers stellt eine Straftat dar, die in diesem Fall zur Anzeige gebracht werden sollte!

Was passiert, wenn ich den Schadensverursacher heute sehe und die Polizei informiere. Ob da wohl jemand rauskommt und die Personalien feststellt? Für eine zivilrechtliche Streitigkeit, von der der Beamte am Telefon (Leitstelle) natürlich gar nichts weiß..?!

Irgendwie doch ungerecht alles...

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6919728?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F3294429%2F