Wissenschaftler wollen Überblick über die Situation in Ostwestfalen-Lippe
Labor testet Proben jetzt auf britische Corona-Variante

Bad Salzuflen (WB) -

Das Großlabor Krone in Bad Salzuflen will in den kommenden Wochen auf eigene Kosten mehrere hundert Corona-Abstriche aus Ostwestfalen-Lippe typisieren. So will es herausfinden, ob die britische Variante des Virus, von Fachleuten B.1.1.7 genannt, hier angekommen ist und wie weit sie verbreitet sein könnte.

Dienstag, 05.01.2021, 03:15 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 08:12 Uhr
Eine Mitarbeiterin des Labors Krone in Bad Salzuflen bedient Geräte zur PCR-Diagnostik. Bis zu 8000 Corona-Tests werden hier pro Tag untersucht, zusätzlich zu tausenden anderer Proben aus Arztpraxen und Krankenhäusern.
Eine Mitarbeiterin des Labors Krone in Bad Salzuflen bedient Geräte zur PCR-Diagnostik. Bis zu 8000 Corona-Tests werden hier pro Tag untersucht, zusätzlich zu tausenden anderer Proben aus Arztpraxen und Krankenhäusern. Foto: Krone

Bis zu 8000 Corona-Abstriche werden jeden Tag bei Krone untersucht. „Wie jedes andere Labor ermitteln wir aber nur, ob die Proben positiv oder negativ sind“, sagt Laborleiter Prof. Carsten Tiemann. Das Verfahren sei darauf ausgelegt, sämtliche Varianten des Corona-Virus nachzuweisen. „Deshalb bekommt auch jemand mit der britischen Mutation einen positiven Befund – ohne dass wir wissen, welche Variante vorliegt.“ 

Größere Ansteckungsgefahr durch höhere Virenmenge

Für einen Patienten sei es nach derzeitiger Kenntnis unerheblich, welche Form des Virus er habe: „Bisher scheint der Verlauf bei der britischen Variante nicht anders zu sein.“ Und Hinweise darauf, dass der Impfstoff bei dieser Form nicht wirkt, sieht Biontech-Chef Ugur Sahin auch nicht.

Allerdings scheint bei Infizierten mit der britischen Mutation die Virenmenge höher zu sein, weshalb die Menschen deutlich ansteckender sein sollen. So spricht eine Studie des Imperial College London davon, die Mutation erhöhe die Reproduktionszahl (sie gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt) um 0,4 bis 0,7.

Laborleiter Prof. Carsten Tiemann

Laborleiter Prof. Carsten Tiemann Foto: Althoff

Prof. Tiemann: „Für Gesundheitsbehörden wäre es deshalb hilfreich, bei einem Infektionsgeschehen mit vielen Betroffenen, etwa in einem Altenheim, zu wissen, welche Variante vorliegt.“ Denn bei der britischen Form seien dann womöglich noch drastischere Infektionsschutzmaßnahmen angezeigt. „Denn natürlich bedeutet eine Variante, die schneller um sich greift, eine noch größere Belastung unserer Krankenhäuser.“

50 Proben bei 1,2 Millionen Tests pro Woche sind nicht viel

Prof. Carsten Tiemann

In Deutschland wird nicht gezielt nach der britischen Variante gesucht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) lässt sich jede Woche von bundesweit zehn Laboren, darunter auch Krone, Corona-Viren von jeweils fünf Personen schicken, um sie selbst zu typisieren und auf Auffälligkeiten zu untersuchen. „Aber 50 Proben bei 1,2 Millionen Tests pro Woche sind nicht viel“, sagt Prof. Tiemann. Er hofft, in den kommenden Wochen mit seiner eigenen Erhebung zumindest für Ostwestfalen-Lippe genauere Zahlen nennen zu können.

Eine generelle Typisierung jedes Corona-Abstrichs hält der Molekularbiologe nicht für praktikabel: „Zum einen ist das Geld dafür gar nicht da, denn wir sprechen von 100 bis 150 Euro pro Untersuchung.“ Zum zweiten dauere die Auswertung von Abstrichen dann auch zu lange: „Beim normalen Corona-Test haben wir das Ergebnis nach 24 Stunden. Eine Typisierung dauert jedoch im Moment noch eine Woche.“ Sie lasse sich in dringenden Fällen beschleunigen, drei Tage seien es aber dennoch.

Prof. Tiemann hielte es für sinnvoll, wenn Labore in Deutschland bei einem Teil der positiven Proben das Virus typisieren müssten. „Großbritannien macht das bei etwa fünf Prozent aller positiven Befunde. So können Veränderungen schnell entdeckt werden.“ Die 50 vom RKI untersuchten Zufallsproben pro Woche entsprachen zuletzt nur einer Quote von etwa 0,03 Prozent.

In Deutschland wurde das mutierte Virus bisher nur in Einzelfällen nachgewiesen. So entdeckte das RKI die britische Variante Ende Dezember in der Probe eines Mannes aus Viersen. Sein Abstrich gehörte zufällig zu den bundesweit 50 Proben, die wöchentlich ans RKI gehen.

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