Rückgang mit minus fünf bis zehn Prozent aber geringer als in der Finanzkrise
Phoenix Contact rechnet mit Rückgang

Blomberg (WB). Phoenix Contact, weltweit führender Hersteller von elektronischer Verbindungstechnik und Komponenten zur Automatisierung, rechnet in diesem Jahr aufgrund der Corona-Krise mit einem Umsatzrückgang um fünf bis zehn Prozent. Das ist, so sagte der Vorsitzende der  Geschäftsführung Frank Stührenberg, eine große Herausforderung. Allerdings sei das Minus 2009 während der Finanzkrise noch größer ausgefallen. Damals waren es 20 Prozent.

Freitag, 17.04.2020, 17:54 Uhr
Phoenix Contact hat seinen Firmensitz in Blomberg. Foto: Phoenix Contact
Phoenix Contact hat seinen Firmensitz in Blomberg. Foto: Phoenix Contact

Ursprünglich hatte der im lippischen Blomberg ansässige Konzern für 2020 ein Plus von drei bis vier Prozent eingeplant – nach 4,5 Prozent Umsatzzuwachs im Jahr davor. Bis März sei die Entwicklung noch positiv gewesen. Auch jetzt sei speziell die Produktion weiterhin so ausgelastet, dass sie von der für Ende April geplanten Kurzarbeit ausgenommen werden soll, erklärte Stührenberg. In Kurzarbeit gehen allerdings – zunächst für etwa bis vier drei Monate – Beschäftigte in der deutschen Verwaltung inklusive Vertrieb, und zwar einen bis zwei Arbeitstage pro Woche. Ihre Zahl stehe noch nicht fest. Die Geschäftsführung verzichtet Stührenberg zufolge in der Zeit freiwillig auf den entsprechenden Anteil ihres Einkommens.

USA schon 2019 ein schwieriger Markt

International entwickeln sich die Märkte für Phoenix Contact sehr unterschiedlich. In Indien mussten aufgrund der nationalen Gesetzgebung gerade alle Werke vollständig heruntergefahren werden. Dagegen sei China dabei, die Produktion schon wieder zu normalisieren. Davon seien Italien und Spanien noch entfernt. Unsicher sei die Lage in den USA, dem nach Deutschland zweitgrößten Markt. Dort sei besonders unklar, wie die Corona-Krise gemeistert werden solle, meinte Stührenberg. Schon 2019 musste Phoenix Contact in den Vereinigten Staaten auf Grund handelspolitischer Verwerfungen in Landeswährung einen Umsatzrückgang um 3,0 Prozent hinnehmen.

Die Entwicklung in den USA und eine zunehmende Rezessionsgefahr auch in Deutschland hatten die Führung des lippischen Familienunternehmens schon zur  Jahresmitte 2019 dazu gebracht, einige geplante Investitionen und Aufstockungen beim Personal zu verschieben. Die positive Entwicklung im zweiten Halbjahr führten dann aber dazu, dass der Umsatz insgesamt von 2,38 auf 2,48 Milliarden Euro gesteigert werden konnte. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 200 auf 17.600.

Das neue Werk 2 in Nanjing in China.

Das neue Werk 2 in Nanjing in China. Foto: Phoenix Contact

Neues Werk in China geht in Betrieb

Eine der größten Investitionen in der Firmengeschichte geht in diesem Jahr in China in Betrieb. In Nanjing entsteht auf 42.000 Quadratmeter für 30 Millionen Euro das weltweit größte Werk für Produktion und Vertrieb des Unternehmens. Ein Teil der Mitarbeiter soll zunächst aus dem bestehenden Werk in Nanjing, wo aktuell 2000 Menschen beschäftigt sind, in den neuen Standort wechseln. Am Stammsitz in Blomberg sowie den anderen Standorten in OWL, darunter Paderborn, und im nahe gelegenen Bad Pyrmont zählt Phoenix Contact insgesamt 7000 Mitarbeitende. In Blomberg flossen 2019 etwa 15 Millionen Euro in den Ausbau der Logistik. Ebenfalls 15 Millionen Euro investiert der Konzern 2020 in ein Kunden- und Technologiezentrum in Skolkovo bei Moskau. Russland ist der viertgrößte Markt des Unternehmens.

Stührenberg geht davon aus, dass der Zuwachs der Elektro-Mobilität durch die Corona-Krise allenfalls unterbrochen wird. Wachstumschancen sieht er außer im Automobilbereich auch bei Maschinen und Nutzfahrzeugen, insbesondere bei solchen, die in Tunnels oder unterirdisch eingesetzt werden – dort Abgase eine besondere Herausforderung darstellen.

„Dialog Day“ anstelle der Hannovermesse

Stührenbergs vorrangiges Ziel ist es, Phoenix Contact als unabhängiges Familienunternehmen zu erhalten: „Deshalb wollen wir ohne Staatshilfe durch die Krise kommen.“ Auch 2019 haben man trotz der schwierigen Situation im ersten Halbjahr immerhin acht Prozent des Umsatzes investiert. Anstelle der Hannovermesse, die, wie berichtet, in diesem Jahr ausfällt, veranstaltet Phoenix Contact vom kommenden Montag bis Mittwoch sogenannte „Dialog Days“, an denen die neuen Produkte, darunter neue Anwendungen für den Schutz gegen Überspannung und gegen Cyber-Angriffe sowie ein kompaktes Ladekabel, online präsentiert und von den Experten des Unternehmens erklärt werden.

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