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Di., 21.04.2015

Brandanschlag in Bad Salzuflen: Haupttäter beschuldigen sich vor Gericht gegenseitig Wer hat die Moschee angezündet?

Die beiden Haupttäter der Brandstiftung auf eine Moschee müssen sich auch wegen versuchten Mordes verantworten: (von links) Kilamadin A. mit Verteidiger Dr. Holger Rostek und Kreman Y. mit seinen Anwälten Ulrich Kraft (rechts) und Peter Wüller.

Die beiden Haupttäter der Brandstiftung auf eine Moschee müssen sich auch wegen versuchten Mordes verantworten: (von links) Kilamadin A. mit Verteidiger Dr. Holger Rostek und Kreman Y. mit seinen Anwälten Ulrich Kraft (rechts) und Peter Wüller. Foto: Oliver Schwabe

Von Bärbel Hillebrenner

Detmold  (WB). Wer ist der Drahtzieher des Brandanschlags auf die Vahdet-Moschee in Bad Salzuflen, bei dem im Oktober 2014 acht Menschen gerade noch mit dem Leben davongekommen sind? Vor dem Landgericht Detmold müssen sich seit Montag fünf Männer verantworten – zwei von ihnen wegen versuchten Mordes.

In der muslimischen und jesidischen Gemeinde in Bad Salzuflen kennt man sich – und versteht sich trotz unterschiedlicher Religionen. Doch die Gräueltaten des Islamischen Staates (IS) gingen scheinbar nicht spurlos an den fünf Angeklagten vorüber. Es sind Deutsche, vier von ihnen kurdische Jesiden, einer ist Moslem. Damals waren sie noch Kumpel (die beiden Haupttäter sind Cousins), die sich regelmäßig trafen, Musik hörten, tranken. Und am Tatabend nicht gerade wenig.

»So betrunken wie am 11. Oktober war ich noch nie«, behauptet der 25-jährige Kilamadin A. Er gilt als einer der beiden Haupttäter: Familienvater, drei Kinder, stellvertretender Schichtleiter. Dass er mit dem Brandanschlag den Tod von zwei Familien aus Bulgarien und der Türkei in Kauf genommen haben soll, weist er vehement von sich. »Wir wollten doch keinem Menschen weh tun. Ich habe gedacht, über der Moschee wohnt niemand.« Dass er beim Brandanschlag mit dabei war, gibt er zu – dass er der Initiator war, wie von dem zweiten Hauptangeklagten behauptet, nein, das stimme nicht.

»Ich habe heute einen Filmriss«

Der Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt. Eltern, Angehörige, Freunde – alle wollen wissen, was in jener Nacht passiert ist. Denn politisch engagiert sollen die fünf Männer nicht sein. »Ich kann bis heute nicht glauben, was mein Sohn getan hat«, sagt der Vater eines Angeklagten immer noch fassungslos.

Die fünf Angeklagten erzählen, sie hätten an dem Abend über die Gewalttaten des IS diskutiert. Immer heftiger, immer lauter. Und es sei getrunken worden. Erst Whiskey, dann Wodka. »Ich habe heute einen Filmriss«, sagt der zweite mutmaßliche Haupttäter Kreman Y. (29). Seit seiner Festnahme im November sitzt er als einziger in Untersuchungshaft – bis vor wenigen Tagen noch hat er geschwiegen, er wollte seinen Cousin nicht beschuldigen.

Gestern aber sprudelt es aus ihm heraus. Trotz mehrerer Gedächtnislücken kann er sich gut an den Abend erinnern. »Wir haben uns im Internet Videos vom IS angeguckt. Was als spaßiges Gerede anfing, schaukelte sich dann hoch. Mein Cousin meinte dann, wir müssten eine Moschee abbrennen«, erzählt der Ältere – was der Jüngere, der Familienvater, bestreitet. Er bezichtigt den anderen als den Drahtzieher, als denjenigen, der den Benzinkanister gekauft, vor der Vahdet-Moschee im Ortsteil Schötmar ausgeschüttet und den Sprit angezündet habe. Dass über der Moschee zwei Familien schliefen, wollen sie nicht gewusst haben. »Als ich das später hörte, war ich geschockt«, sagen beide übereinstimmend und entschuldigen sich.

Das Gericht konnte am ersten Prozesstag nicht klären, wer die Idee zum Brandanschlag gehabt und wer wen angestiftet hat. Dr. Holger Rostek, Anwalt des Jüngeren, meint: »Hier werden viele Angaben verwischt.« Auch die anderen drei Angeklagten können nicht zur Aufklärung beitragen. Zwei haben im Auto gesessen und die Haupttäter zur Moschee gefahren – sie sind wegen Beihilfe angeklagt. Der Dritte, der sich vorher abgesetzt hatte, steht vor Gericht, weil er die Polizei nicht alarmiert hatte. Einer will nach dem Brandanschlag im Auto von dem Älteren Kreman Y. gehört haben, wie dieser geprahlt habe: »Ich bin ein Verbrenner.«
Der Prozess wird am 29. April fortgesetzt.

Kommentare

Staatsabürger

Sie sind Deutsche Staatsbürger,keine Deutschen.Deutscher ist eine ethnische Volksbezeichnung deshalb haben Sorben,Dänen etc. in D. ja auch Minderheitenrechte wären sie ehtnische Deutsche hätten sie diese nicht.Alle klar?

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