Do., 02.08.2018

Auschwitz-Überlebende begrüßen Feststellung der Schuld im Fall Hanning »Ganz große Genugtuung«

Christoph Heubner (Internationales Auschwitz-Komitee)

Christoph Heubner (Internationales Auschwitz-Komitee)

Von Bernd Bexte

Detmold/Berlin (WB). Das Internationale Auschwitz-Komitee (IAK) hat die Feststellung des Bundesgerichtshofs, dass die Verurteilung des verstorbenen früheren SS-Wachmannes Reinhold Hanning einer Revision standgehalten hätte, mit »ganz großer Genugtuung« aufgenommen.

»Das ist für möglicherweise noch kommende Prozesse, aber auch für die Geschichte des Detmolder Prozesses eine enorm wichtige Entscheidung«, sagte Christoph Heubner, IAK-Vizepräsident in Berlin, dem WESTFALEN-BLATT. Das IAK vertritt die Interessen von Auschwitz-Überlebenden.

Der BGH hatte erst jetzt die Einstellung des Revisionsverfahrens im Fall Hanning bekannt gegeben. Der 95-Jährige frühere SS-Wachmann in Auschwitz war am 30. Mai 2017 verstorben. Das Landgericht Detmold hatte den Mann aus Lage knapp ein Jahr zuvor wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Dagegen hatten die Verteidigung sowie 21 der 57 Nebenkläger Revision beim BGH beantragt. Darüber hatten die Karlsruher Richter bis zu Hannings Tod aber noch nicht entschieden. Nebenklagevertreter hatten kritisiert, dass es zu Lebzeiten Hannings nicht mehr zu einer rechtskräftigen Verurteilung gekommen war. Diese wäre für die Opfer und Angehörigen ein wichtiges Zeichen gewesen.

Unmissverständlich

Umso überraschender ist für viele Verfahrensbeteiligte nun die unmissverständliche Erklärung des BGH: »Der Schuldspruch wegen Beihilfe zum Mord hätte revisionsrechtlicher Überprüfung standgehalten.« Hanning habe an der KZ-Rampe Dienst geleistet, Gefangene beim Verlassen der Deportationszüge bewacht und nach ihrer »Selektion« bis zu den Gaskammern begleitet.

»Dadurch hat er die heimtückischen und grausamen Tötungen dieser Menschen durch Vergiftung mittels Zyklon B konkret gefördert und sich der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht«, heißt es im BGH-Beschluss.

Dieser sei nun »der Punkt zum Ausrufezeichen des Gröning-Urteils«, sagte Heubner. Der BGH hatte im November 2016 im Fall des »Buchhalters von Auschwitz«, Oskar Gröning (1921-2018), erstmals eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Massenmord in Auschwitz höchstrichterlich bestätigt. Heubner lobte erneut die »immens sensible und kompetente Verhandlungsführung« des Landgerichts Detmold unter Vorsitz von Richterin Anke Grudda.

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