Do., 20.09.2018

Urteil: acht Monate Haft auf Bewährung für Beschäftigten des Detmolder Sozialgerichtes Richter verbreitet Kinderpornos

Seit zehn Jahren arbeitete der jetzt Verurteilte als Sozialrichter, neun davon hier am Sozialgericht in Detmold.

Seit zehn Jahren arbeitete der jetzt Verurteilte als Sozialrichter, neun davon hier am Sozialgericht in Detmold. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold/Minden (WB). Ein Vorsitzender Richter des Detmolder Sozialgerichts hat Kinderpornographie gesammelt – und weiterverbreitet.

Wie erst Mittowch bekannt wurde, hat das Amtsgericht Minden den Mann bereits vor geraumer Zeit verurteilt – zu acht Monaten Haft auf Bewährung. Außerdem muss er 6000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen.
Der Richter wollte das Urteil trotz eindeutiger Beweise nicht akzeptieren und ging in die Berufung. Der Prozess sollte Mittwoch am Landgericht Bielefeld stattfinden. Er fiel aber aus, weil der Mann die Berufung Anfang der Woche zurückgenommen hatte. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Das Amtsgericht Minden und das Landgericht Bielefeld taten sich schwer, Auskünfte zu dem Fall zu geben. Die wenigen Informationen, die zu bekommen waren, beschränkten sich auf die Strafe, zu der der Richter in Minden verurteilt worden war.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen war das Landeskriminalamt Baden-Württemberg 2016 bei umfangreichen Ermittlungen gegen Pädokriminelle auf den Richter gestoßen, der im Kreis Minden-Lübbecke wohnt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart gab das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Bielefeld ab. Die erwirkte einen Durchsuchungsbeschluss, und im Oktober 2016 durchsuchten Beamte der Kripo Minden die Wohnung des Richters. Dabei wurden Datenträger sichergestellt, auf denen Kinderpornographie und Jugendpornos in größerer Menge entdeckt wurden – Fotos und Videos. Der Vorsitzende Richter musste sich vor dem Amtsgericht Minden verantworten. Das kam zu der Überzeugung, dass er nicht nur Kinderpornographie besessen, sondern sie zudem weiterverbreitet hatte. Wohl auch deshalb verhängte das Gericht eine Haftstrafe, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der Jurist war seit neun Jahren Sozialrichter in Detmold und zuletzt Vorsitzender Richter. Uwe Wacker, Vizepräsident des Sozialgerichts: »Der Mann arbeitet nicht mehr bei uns. Er ist zum 1. Juli dieses Jahres auf eigenen Antrag aus dem Richterdienst ausgeschieden.« Angeblich nimmt er an einer Therapie teil.
Aus seinem beruflichen Lebenslauf, den der Jurist im Internet veröffentlicht hat, geht hervor, dass er jetzt für ein großes Unternehmen im Gesundheitswesen arbeitet.

Barbara Küppers, Referatsleiterin bei der Kinderschutzorganisation Terre des Hommes in Osnabrück, ist nicht überrascht, dass der Täter ein Richter war: »Diese Delikte finden wir in allen Bevölkerungsschichten.« Küppers sagte, man solle sich immer wieder klarmachen, dass für jedes Foto und jedes Video irgendwo auf der Welt ein Kind missbraucht werde. »Wir kennen Fälle, in denen sechs Monate alte Säuglinge vergewaltigt wurden, damit sich irgendjemand diese Bilder ansehen kann.«

2017 wurden der Polizei in Nordrhein-Westfalen 1250 Fälle bekannt, in denen es um Erwerb, Besitz, Verbreiten und Herstellung von Kinderpornographie ging – 22 Prozent mehr Verfahren als im Jahr zuvor. 86 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt. 93 Prozent der ermittelten Verdächtigen waren Männer. Etwa jeder dritte Verdächtige war bereits polizeibekannt.

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