Do., 08.11.2018

74-Jähriger Detmolder kommt wegen versuchten Totschlags vor Gericht Rentner soll Rettern Weg zum Opfer versperrt haben

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Ein Rentner (74) aus Detmold soll Feuerwehrleute und Polizisten gehindert haben, einem Mann zu Hilfe zu kommen, als der sich das Leben nehmen wollte.

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Totschlags gegen den 74-Jährigen erhoben. Er muss sich am Freitag vor dem Landgericht Detmold verantworten. Zum Motiv des Angeklagten sagte Oberstaatsanwalt Christopher Imig: »Möglicherweise hatte der Mann die Sorge, dass die Feuerwehrleute die Tür seines Mieters aufbrechen und beschädigen würden.«

Im April 2016 wurden die Eltern eines Detmolders (36) telefonisch von dessen Verlobter alarmiert, dass ihr Sohn vorhabe, sich das Leben zu nehmen. Die Eltern fuhren sofort zu seiner Anschrift im Süden der Stadt, aber er öffnete nicht. Die Eltern riefen den im selben Haus lebenden Vermieter zu Hilfe. Weil der keinen Zweitschlüssel hatte, versuchte er, die Wohnung mit Werkzeug zu öffnen – vergeblich.

»Seine Hauptsorge galt der Frage, wer für mögliche Schäden an der Tür aufkommen würde.«

Christopher Imig: »Als der Mann mitbekam, dass die Mutter die Feuerwehr alarmierte, schlug seine Stimmung um. Seine Hauptsorge galt jetzt der Frage, wer für mögliche Schäden an der Tür aufkommen würde.«

Oberstaatsanwalt Christopher Imig.

Als die Feuerwehr eingetroffen sei, habe der Mann den Helfern das Betreten des Grundstücks verboten, obwohl die ihn auf die ernste Lage hingewiesen hätten. Der Mann soll dabei mit seinem Schäferhund hinter dem verschlossenen Gartentor gestanden haben.

Kurz darauf trafen Polizisten ein. Auch ihnen verwehrte der 74-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft den Zutritt. Der Rentner soll mit seinem Hund gedroht haben, worauf ein Polizist damit gedroht haben soll, den Hund zu erschießen. Imig: »In diesem Moment soll der Rentner versucht haben, einem Beamten die Pistole zu entreißen.« Ein Streifenpolizist streckte den Mann schließlich mit einem gezielten Faustschlag ins Gesicht nieder.

Der Rentner zeigte den Polizisten wegen des Faustschlages an

Nachdem der Rentner außer Gefecht gesetzt war, liefen Polizisten und Feuerwehrleute auf das Grundstück. Sie drangen durch ein auf Kipp stehendes Fenster in die Wohnung des 36-Jährigen ein. Der Mann hatte Schnittverletzungen und hielt sich eine Rasierklinge an den Hals. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Rentner zeigte den Polizisten wegen des Faustschlages an. Für die Gewalt habe der Beamte »keinen Grund« gehabt.

Das Verfahren gegen den Streifenpolizisten wurde eingestellt, der Rentner angeklagt. Oberstaatsanwalt Imig: »Er wollte die Rettung eines Menschen, der möglicherweise in Lebensgefahr schwebte, verhindern.« Das hätten die Vernehmungen eines Feuerwehrmannes und der beiden Polizisten bestätigt.

Torsten Giesecke, der Verteidiger des Rentners, sagte gestern: »Der Vorwurf des versuchten Totschlags wird sich nicht halten lassen. Ich gehe davon aus, dass es zwischen den Polizisten und meinem Mandanten zu einem Missverständnis gekommen ist.« Der Rentner bestreite, nach der Pistole gegriffen zu haben, und das Gartentor habe er nicht abgeschlossen, um die Helfer auszusperren. »Es war immer abgeschlossen, damit der Hund nicht weglief. Aber der Schlüssel steckte von innen und war von außen zu erreichen«

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