Do., 13.12.2018

Inhaber vor dem Amtsgericht Detmold Maden in der Suppe: Restaurant geschlossen

Seit dem 6. Dezember ist das »Toro Blanco« in Detmold geschlossen. Der Inhaber steht morgen wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz in Detmold vor Gericht.

Seit dem 6. Dezember ist das »Toro Blanco« in Detmold geschlossen. Der Inhaber steht morgen wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz in Detmold vor Gericht. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Wegen »unhaltbarer hygienischer Zustände« hat der Kreis Lippe am 6. Dezember ein Restaurant in Detmold geschlossen. Der Inhaber des »Toro Blanco« wehrte sich und ging zum Verwaltungsgericht Minden, doch das bestätigte jetzt die Anordnung der Lebensmittelkontrolleure.

Im Juni hatte sich ein Gast des spanischen Restaurants bei den Lebensmittelkontrolleuren gemeldet. »Er übergab uns Maden und sagte, die seien in der Fischsuppe gewesen«, sagt Dr. Heike Scharpenberg, Fachgebietsleiterin beim Kreis Lippe. Die Kontrolleure hätten das Restaurant am nächsten Tag überprüft und einen »extremen Madenbefall« in der Küche und im Kühlraum entdeckt. Arbeitsgeräte und die Küche seien dreckig gewesen, die Haltbarkeit mancher Lebensmittel überschritten, Fleisch verschimmelt.

197 Kilo »nicht zum Verzehr geeignet«

»Insgesamt haben wir 197 Kilogramm Lebensmittel festgestellt, die nicht mehr für den Verzehr geeignet waren und deren Vernichtung wir angeordnet haben«, sagt Dr. Scharpenberg. Dabei gehe es nicht in erster Linie um die Frage, ob solche Lebensmittel gesundheitsgefährdend seien. »Wir schauen uns die Dinge mit den Augen eines Gastes an. Wenn das, was wir sehen, ekelig ist, dann hat es in der Küche nichts zu suchen.«

Der Inhaber ließ damals Küche und Kühlraum innerhalb eines Tages so gründlich reinigen, dass er schon am nächsten Tag nach bestandener Überprüfung durch die Behörde wieder öffnen durfte. Allerdings waren die zuvor festgestellten Verstöße so massiv, dass der Kreis Strafanzeige gegen ihn erstattete. Dr. Scharpenberg: »Wir hatten nämlich schon im März Hygieneverstöße bemängelt.«

Abwasser-Leck im Kühlraum?

Nachdem das Restaurant negativ aufgefallen war, verkürzte der Kreis die Kontrollintervalle. Bei der nächsten Überprüfung war alles in Ordnung, bei der übernächsten Ende Oktober schon nicht mehr. Erneut wurden nach Angaben des Kreises erhebliche Hygienemängel festgestellt. Daraufhin erstattete die Behörde eine zweite Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft, denn sie unterstellte dem Betreiber nun angesichts der vielen Verstöße Vorsatz. Sie wies ihn außerdem an, die Mängel bis zum 1. Dezember zu beseitigen.

Als Kontrolleure die Beseitigung am 6. Dezember überprüfen wollten, bemerkten sie nach eigenen Angaben unter den Bodenplatten des Kühlraums »eine übelriechende Flüssigkeit« – möglicherweise durch ein Leck in einer Abwasserleitung verursacht.

Anordnungen nicht nachgekommen

»Bevor wir verfügen, dass ein Gastronom in seinem Restaurant keine Lebensmittel mehr verarbeiten und unter die Leute bringen darf, müssen wir sorgsam abwägen«, sagt Dr. Scharpenberg. Schließlich gehe es um eine existenzgefährdende Maßnahme. Eine weitere Öffnung sei in diesem Fall aber nicht mehr verantwortbar gewesen. Seit dem Nikolaustag ist das »Toro Blanco« geschlossen. Erst wenn alle Mängel abgestellt sind, kann der Inhaber eine Abnahme beantragen.

Gegen diese Verfügung, die mitten in sein Weihnachtsgeschäft platzte, wandte sich der Inhaber mit einem Eilantrag an das Verwaltungsgericht Minden. Dort unterlag er am Montag. Gerichtssprecherin Vivienne Bock: »Das Gericht hat nach summarischer Prüfung keine Bedenken gegen das Vorgehen des Kreises Lippe.« Immerhin sei der Gastronom mehrfach Anordnungen nicht nachgekommen.

Andere »Toro-Blanco«-Restaurants nicht betroffen

Morgen soll sich der Inhaber ab 10 Uhr vor dem Amtsgericht Detmold verantworten – die Staatsanwaltschaft wirft ihm in ihrer Anklage Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz vor. Sein Rechtsanwalt Volker Schulte sagte gestern, vor dem Prozess werde er sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Die beiden »Toro Blanco«-Restaurants in Bünde und Bad Salzuflen sind von den Vorgängen nicht betroffen.

Kommentare

Maden in der Suppe

Das geht gar nicht zu für immer

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6254000?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949417%2F