Sa., 15.12.2018

Wirt muss 10.400 Euro zahlen – Stadt Detmold prüft Konzession Die Küche des Grauens

Das »Toro Blanco« in der Wassermühle ist seit dem 6. Dezember behördlich geschlossen.

Das »Toro Blanco« in der Wassermühle ist seit dem 6. Dezember behördlich geschlossen. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Wenn Sie einen schwachen Magen haben oder sich schnell ekeln, sollten Sie besser nicht weiterlesen.

Das Amtsgericht Detmold hat – wie berichtet – am Freitag den Betreiber des Restaurants »Toro Blanco« wegen wiederholter Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz zu 7200 Euro Strafe verurteilt. Außerdem muss Lokman H. (54) zwei Bußgelder von insgesamt 3200 Euro bezahlen, die in diesem Jahr verhängt worden waren. Die Staatsanwältin hatte für den Gastronomen sechs Monate Gefängnis gefordert.

Vor einem Jahr fiel das beliebte spanische Restaurant, das gegenüber dem Freilichtmuseum Detmold liegt, zum ersten Mal auf. Kontrolleure des Kreises Lippe entdeckten eine »schmierige Flüssigkeit« in Kühlschubladen und stellten Hähnchenspieße und Muscheln sicher – beides war verdorben.

Seit dieser Kontrolle wurde das »Toro Blanco« engmaschig überprüft, bisher sieben Mal. Und fast immer wurden bauliche Mängel wie unzureichende Silikonfugen und massive Hygieneverstöße dokumentiert.

Der Betreiber Lokman H., hier mit seinem Verteidiger Volker Schulte, wurde am Freitag verurteilt. Foto: Christian Althoff

»Es fehlte jedes Gespür für Hygiene«

Im vollbesetzten Saal des Amtsgerichts beschrieben eine Lebensmittelkontrolleurin und ihr Kollege, was sie bei ihren Besuchen festgestellt hatten. Da waren Maden in der Fischsuppe, da waberte Verwesungsgeruch durch die Küche, da saßen Schmeißfliegen auf gefrorenen Fischen, die bei Zimmertemperatur auftauen sollten. An Küchenlampen hingen tote Insekten in dicken Fetttropfen, in einer Kühlschublade lag Fleisch in einer schleimigen Flüssigkeit, in der sich tote Maden fanden. In vier Pappkartons taute Schweinefleisch auf, und der blutige Fleischsaft verteilte sich auf dem Boden. Im Kühlraum lag grün verfärbtes Lamm- und Schweinefleisch, das verdorben roch. Es wurde ins Chemische und Veterinär-Untersuchungsamt (CVUA) gebracht und von den Experten als »nicht für den menschlichen Verzehr geeignet« bewertet. In den Gittern der Kühlgeräte saß Schimmel, Lebensmittelreste lagen auf dem Boden, im Flur verteilte sich Auftauwasser von Fischen und Muscheln. Und im Vorraum zur Personaltoilette standen eine Schinkenschneidemaschine und ein Pizzaschieber. Der Kontrolleur: »Es fehlte einfach jedes Gespür für Hygiene.«

197 Kilogramm Lebensmittel musste der Gastwirt nach einer Kontrolle im Juni vernichten, weitere 84 Kilogramm nach einer Überprüfung im Oktober – Tintenfische, Oliven, Hähnchen, Salami, Doraden, Krebse, Pilze, Muscheln, Salat, Sardinen, Lamm, Käse – die gesamte Liste umfasst etwa drei Dutzend Lebensmittelarten.

Die Fotos, die die Kontrolleure gemacht hatten, füllen etliche Seiten der Prozessakte und lassen keinen Zweifel an den Zuständen. »Hier haben wir zum Beispiel einen Blick in den Mülleimer«, sagte Richterin Lena Böhm, um sich dann zu korrigieren: »Ach nein, das ist ja die Arbeitsplatte...«

Gastronom eher uneinsichtig

Der syrische Gastronom, für den das Gericht einen Dolmetscher bestellt hatte, war eher uneinsichtig. Den Madenbefall führte er auf fehlende Fliegengitter zurück, und die Schuld daran gab er der Krombacher Brauerei, der die jahrhunderte alte Wassermühle gehört. »In der Küche ist viel kaputt, aber der Besitzer macht nichts«, klagte Lokman H. Er sei auch nur für den Einkauf zuständig, die Mannschaft in der Küche wechsele ständig.

Der Sohn (22) des Gastronomen räumte dagegen Verstöße ein und sagte, zum Teil sei man überfordert gewesen. »Wir hatten an den Wochenenden bis zu 900 Gäste und nur drei Mann in der Küche. Da gab es Defizite.« Der Sohn versprach, alle Mängel zu beseitigen.

Das Restaurant ist seit dem 6. Oktober geschlossen. Ob Lokman H. es wieder öffnen darf, steht noch nicht fest. Eine Sprecherin der Stadt Detmold sagte am Freitag, man prüfe gerade, ob der Wirt noch die Voraussetzungen für seine Gaststättenerlaubnis erfülle.

Kommentare

Vanessa Nüssemeyer schreibt quatsch

@vamessa nüssmeyer: als restaurantbetreiber muss man halt keine "hochqualifizierte Fachkraft " sein. Das ist allerdings, auch wenn ich ihre aussage eher dahin ordne, unabhängig von der Herkunft des Gastronomen.

hochqualifizierte fachkraft

das ist ja wiederlich, so eine person darf nie wieder ein lokal betreiben, der vergiftet nachher noch seine gäste,

2 Kommentare

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