Do., 31.01.2019

Medien schauen auf OWL – Kritik an Behörden Missbrauchsserie: Nachbarn sind fassungslos

Lügde-Elbrinxen: Auf dem Campingplatz gibt es viele niederländische Dauercamper, aus deren Reihen aber keines der Opfer stammen soll.

Lügde-Elbrinxen: Auf dem Campingplatz gibt es viele niederländische Dauercamper, aus deren Reihen aber keines der Opfer stammen soll. Foto: Christian Althoff

Lügde (WB/mba/jmg). Mindestens 23 Kinder sollen missbraucht worden sein: Der Fall in Lügde sorgt für Entsetzen – bundesweit und in der unmittelbaren Nachbarschaft.

»Wir sind schockiert. Das hätten wir ihm im Leben nicht zugetraut«, sagte gestern Gudrun Traue (68) aus Willebadessen, die mit ihrem Mann Horst (64) seit Oktober 2018 bei schönem Wetter die Wochenenden auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen verbringt, dem WESTFALEN-BLATT. Andreas V. sei immer hilfsbereit gewesen. »Er war mal in unserem Wohnmobil und hat uns mit der Wasserleitung geholfen«, sagte Gudrun Traue, die von den mutmaßlichen Missbrauchsfällen »nichts gemerkt« hat. »Wir machen uns jetzt Sorgen um den Campingplatz. Der Ruf ist ja im Eimer.«

Reaktionen aus der Presse

Auf einmal rückt Lügde ins Visier der Medienlandschaft. Die »Süddeutsche Zeitung« zum Beispiel schreibt online, dass der Ort im Kreis Lippe regional für seinen Osterbrauch bekannt sei, »an dem 300 Kilo schwere brennende Eichenräder einen Hang hinuntergerollt werden«. In den überregionalen Schlagzeilen ist die 9500-Einwohner-Stadt jedoch seit gestern wegen unfassbarer Geschehnisse, die sich (...) auf dem Campingplatz von Lügde (sprich: Lüchte) (...) abgespielt haben.«

Schockiert reagieren auch die Nutzer in den sozialen Netzwerken. Viele gehen besonders mit den Behörden hart ins Gericht, obwohl eine Aufklärung des Sachverhalts noch aussteht. Bei Facebook kommentiert eine Nutzerin den Fall so: »Ich habe kein Verständnis für das Jugendamt. Wie kann man ein Pflegekind auf einen Dauercampingplatz geben?« Eine weitere schreibt: »Das finde ich unbegreiflich!« Ein anderer Nutzer äußert: »Mir fehlen die Worte.«

Reaktionen aus den sozialen Medien

Die Reaktionen beim Kurznachrichtendienstes Twitter lesen sich ähnlich. »Da missbrauchen über Jahre vermutlich mehrere Täter Kleinkinder sexuell und das #Jugendamt schaut zu bzw. begünstigt durch sein Verhalten die abscheulichen Straftaten«, schreibt zum Beispiel ein User wortwörtlich. Eine Userin urteilt: »Die Behörden haben hier wieder versagt! Ernsthaft?! Die Kinder müssen von Triebtätern geschützt werden und hier darf die Behörde keine Augen verschließen, warum auch immer!« Eine Frau, die sich in ihrem Profil als Wirtschaftsjournalistin beschreibt, twitterte: »Den Ortsnamen #Lügde können eigentlich nur Muttersprachler in Lippsk Platt aussprechen. Ich drücke allen Nachrichtensprechern die Daumen.«

In Lügde versicherten einige Dauercamper gestern, nie auch nur den Hauch eines Verdachts gegen Andreas V. gehegt zu haben. »Unser Wagen steht in der Nähe von Addis Unterkunft, und wir haben auch immer viele Kinder bei ihm spielen gesehen. Wie hätten wir ahnen sollen, dass da etwas nicht stimmt? Die Kinder schienen nicht unglücklich«, sagte eine Frau. »Jetzt gruselt’s mich natürlich, wenn ich höre, was ihnen passiert sein soll.«

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