Mo., 25.02.2019

Beweise im Missbrauchsfall Lügde bleiben verschwunden Videoanlage nützt Polizei nichts

Das Gebäude der Polizeiinspektion in Detmold wird mit Kameras überwacht.

Das Gebäude der Polizeiinspektion in Detmold wird mit Kameras überwacht. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold/Lügde (WB). Tatort Campingplatz: Datenschutzbestimmungen haben möglicherweise verhindert, dass die Polizei die Spur des Koffers aufnehmen konnte, der aus der Polizei­inspektion in Detmold verschwunden sein soll.

Wie berichtet, vermisst die ­Kripo einen Alukoffer und eine schwarze Mappe. Beides war im Dezember bei dem Hauptbeschuldigten Andreas V. (56) in Lügde sichergestellt worden. In den Behältnissen sollen 155 CDs und DVDs gewesen sein. Andreas V. und ein Komplize sollen auf dem Campingplatz »Eichwald« in Lügde mindestens 31 Kinder missbraucht haben.

Das Gebäude der Kreispolizeibehörde Lippe ist mit Videokameras gesichert, so dass jemand mit einem Koffer identifiziert werden könnte. Lippes Landrat Axel Lehmann: »Datenschutzbestimmungen sehen allerdings vor, dass Videoaufnahmen nach einer vorgeschriebenen Zeit gelöscht werden. Deshalb ist da wohl nichts mehr zu finden.«

Ein Hinweis auf dem Gelände Foto: Christian Althoff

Staatsanwaltschaft nimmt an, dass Beweise wieder auf­tauchen

Wann die Datenträger verschwunden sind, ist unklar. Sie sollen zuletzt am 20. Dezember in einem Auswerteraum gesehen worden sein und werden seit dem 30. Januar vermisst. Seit dem 20. Februar versucht ein von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) eingesetzter Sonderermittler mit vier Mitarbeitern, den Verbleib der CDs und DVDs zu klären. Inzwischen wurden neben der Polizeibehörde auch die Asservatenkammern der Staats­anwaltschaft Detmold und des Polizeipräsidiums Bielefeld durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Detmold nimmt weiterhin an, dass die Beweise nicht gestohlen wurden und wieder auf­tauchen.

Landrat Axel Lehmann sagte, er sei sicher, dass die noch vorhandenen kinderpornografischen Dateien ausreichten, um die Tatverdächtigen zu verurteilen. Die vermissten Daten entsprechen etwa fünf Prozent der sichergestellten Daten. Zu Gerüchten, nach denen aus der Asservatenkammer der Polizei in den vergangenen Jahren bereits Dinge verschwunden sein sollen, sagte Lehmann: »Das ist mir nicht bekannt.«

Reul hat angeordnet, dass die Sonderermittler direkt an sein Ministerium berichten. Über ihre Erkenntnisse will der Minister morgen Nachmittag in einer Sondersitzung des Innenausschusses des Landtags informieren.

»Dann waren noch mal Handwerker da«

Möglichen Personalmangel als Erklärung für die Polizeipannen lässt der Minister nicht gelten. »Auch wenn wenige da sind, müssen die ordentlich arbeiten. Dann muss man sich mehr Zeit nehmen«, sagte er. Polizeiräume müssten auch abgeschlossen werden. »Rein theoretisch« könne der Alukoffer »irgendwo noch rumstehen«, erklärte Reul im WDR. »Es war auch zwischendurch mal ein Umzug da oben, dann waren noch mal Handwerker da«, sagte Reul.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wirft der Landes­regierung vor, die Politik wisse seit Jahren, wie es in der Behörde Lippe aussehe. Die Kripo sei »ausgeblutet« und liege am Boden, im vergangenen Jahr hätten 60 Leute gefehlt. Nun zeige sich, was Personal­mangel bedeute.

Die Kreispolizeibehörde in Detmold an der Bielefelder Straße. Foto: Christian Althoff

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