Fr., 15.03.2019

Detmolder Behörde fehlen 800 Euro Polizei vermisst Geld

Die Kreispolizeibehörde Detmold: In der Verwaltungsabteilung sind 800 Euro verschwunden.

Die Kreispolizeibehörde Detmold: In der Verwaltungsabteilung sind 800 Euro verschwunden. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Bei der Kreispolizeibehörde Lippe sind 800 Euro verschwunden. Die mutmaßliche Tat geschah 2016, sie wurde aber erst jetzt öffentlich bekannt.

Streifenbeamte hatten damals einen Transporter aus Ungarn kontrolliert. Er hatte Kleidung geladen, zu deren Herkunft der Fahrer und sein Beifahrer keine schlüssigen Angaben machen konnten. Da Diebstahlsverdacht bestand und die Ungarn keinen Wohnsitz in Deutschland hatten, mussten sie insgesamt 800 Euro hinterlegen. Solche Sicherheitsleistungen sind üblich, um sicherzustellen, dass Geld für eine mögliche Geldstrafe vorhanden ist, sollte ein Verdächtiger nicht zur Gerichtsverhandlung in Deutschland erscheinen. Das Geld wurde innerhalb der Behörde an die Verwaltungsabteilung weitergeleitet.

Weil den Ungarn der Diebstahl der Kleidung nicht nachgewiesen werden konnte, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein. Den Männern sollten die 800 Euro erstattet werden, aber unter der von ihnen angegebenen Adresse war niemand zu erreichen.

Ermittlungen führten zu Mitarbeiter der Direktion »Zentrale Aufgaben«

Im Juni 2016 führte das Staat­liche Rechnungsprüfungsamt eine Routineüberprüfung der Kreispolizeibehörde Lippe durch. Dabei wurde unter anderem der Umgang mit Bargeld kontrolliert. Diese Revision ergab, dass die 800 Euro der Ungarn weg waren. Eine umfangreiche Suche war ohne Erfolg. Ermittlungen führten zu einem Mitarbeiter der Direktion »Zentrale Aufgaben«. Er war die letzte Person, von der man wusste, dass sie das Geld verwahrt hatte. Die Behörde erstattete Straf­anzeige gegen den Mitarbeiter, der vehement bestritt, das Geld genommen zu haben. Oberstaatsanwalt Ralf Vetter: »Letztlich gab es keinen ausreichenden Tatverdacht gegen ihn, und wir haben das Ermittlungsverfahren eingestellt.« Nach disziplinarrecht­lichen Ermittlungen wurde dem Mitarbeiter eine Missbilligung ausgesprochen.

In der Folge dieses Falls vereinheitlichte die Behörde nach eigenen Angaben die Regelungen für die Abwicklung, Aufbewahrung und Dokumentation von Vorgängen, bei denen Geld im Spiel ist. »Die Veröffentlichung dieser Dienstanweisung steht unmittelbar bevor«, sagte Lars Ridderbusch, der Sprecher der Behörde. Forderungen der Ungarn soll es nicht geben, in diesem Fall müsste der Staat die Summe erstatten.

Dass Geld bei Behörden wegkommt, ist kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr verschwanden aus einem Tresor der Polizei in Bünde 300 Euro. Der Täter wurde bis heute nicht ermittelt. Im Februar wurde bekannt, dass aus der Asservatenkammer der Essener Polizei 9475 Euro fehlen. Die Behörde hofft noch, dass das Geld nur verlegt wurde. Die höchste bekanntgewordene Beute, die aus einem Polizeitresor stammt, machte ein Unbekannter in Krefeld. Dort verschwanden 2003 aus einem Stahlschrank 40.000 Euro. Elf Wohnungen von Polizisten wurden durchsucht, aber das Geld ist bis heute verschwunden.

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