Mo., 08.04.2019

Arzneimittelausgaben sind in Westfalen-Lippe 2018 weiter gestiegen Pro Kopf 580 Euro für Medikamente

Arzneimittel: 2018 hat jeder Versicherte im Schnitt 33 Euro dazugezahlt.

Arzneimittel: 2018 hat jeder Versicherte im Schnitt 33 Euro dazugezahlt. Foto: dpa

Dortmund/Detmold (WB). In Westfalen-Lippe steigen die Ausgaben für Arzneimittel unverändert weiter: Im vergangenen Jahr verordneten die niedergelassenen Ärzte für die etwa 7,4 Millionen gesetzlich Versicherten Medikamente im Wert von fast 4,3 Milliarden Euro. Das ist ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von fast 135 Millionen Euro (3,2 Prozent). Das teilte die AOK Nordwest auf Basis der aktuellen Statistiken des GKV-Spitzenverbandes mit.

Im Durchschnitt bekam 2018 jeder gesetzlich Versicherte in Westfalen-Lippe Arzneimittel für über 580 Euro verordnet. Damit lag Westfalen-Lippe unter dem bundesweiten Wert von 636 Euro. Insgesamt haben die Patienten im vergangenen Jahr Zuzahlungen für Arzneimittel in Höhe von mehr als 245 Millionen Euro geleistet, das sind durchschnittlich mehr als 33 Euro je Versicherten.

Sparmöglichkeiten durch Biosimilars

»Hauptursache des Anstiegs und Kostentreiber sind nach wie vor die neuen patentgeschützten Arzneimittel. Dabei verstärken immer höhere Einführungspreise diesen Trend«, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann. Er sieht Sparmöglichkeiten durch den Einsatz von Biosimilars. »Dabei handelt es sich um Nachahmerprodukte teurer biologischer Arzneimittel.«

In Deutschland können Hersteller für die ersten zwölf Monate den Preis ihres Arzneimittels frei festlegen »und Mondpreise verlangen«, wie Ackermann sagte. Erst nach einem Jahr gelte ein zwischen dem Anbieter und dem GKV-Spitzenverband auf der Grundlage der frühen Nutzenbewertung ausgehandelter Erstattungspreis.

Ackermann: »Einsparpotenzial wird bei weitem nicht ausgeschöpf«

»Um der Hochpreisstrategie der Pharmafirmen zu begegnen, sollten sich die Erstattungspreisverhandlungen stärker am Zusatznutzen eines Wirkstoffs orientieren und die verhandelten Preise rückwirkend ab dem ersten Tag des Marktzugangs gelten«, sagte Ackermann. Zur Senkung der Arzneimittel-Ausgaben führt nach Ansicht des AOK-Chefs außerdem kein Weg an sogenannten Biosimilars vorbei. »Was bei Generika schon funktioniert, fristet bei Biosimilars noch ein Schattendasein. Denn das Einsparpotenzial wird bei weitem nicht ausgeschöpft.«

Ein Biosimilar ist ein Nachahmerprodukt eines Biopharmazeutikums, beispielsweise eines biotechnologisch erzeugten Proteins, das nach Ablauf der Patentzeit des Originalwirkstoffs zugelassen wird. Anders als bei klassischen Arzneistoffen sind die Wirkstoffe dieser Biotechnologie-Erzeugnisse aber nicht völlig identisch mit dem Originalwirkstoff. Zulassung und Überwachung sind deutlich aufwendiger.

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