Revierförster Erhard Oehle über den wahren Star des Hermannslaufes
»Der Wald ist im Dauerstress«

Bielefeld/Detmold (WB). Es gibt viele Gewinner beim Hermannslauf , der an diesem Sonntag wieder über 31,1 Kilometer von Detmold nach Bielefeld führt. Doch der wahre Star dieser Veranstaltung in der freien Natur ist der Wald. Er macht den einzigartigen Charakter dieses Rennens aus. Wie es um ihn bestellt ist, besprach unser Redakteur Hans Peter Tipp mit Erhard Oehle, Leiter des Forstbezirks Bielefeld.

Freitag, 26.04.2019, 10:10 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 13:52 Uhr
Der Hermannslauf führt durch den wunderschönen Teutoburger Wald. Der ist zurzeit aber ganz schön mitgenommen. Foto: Voss
Der Hermannslauf führt durch den wunderschönen Teutoburger Wald. Der ist zurzeit aber ganz schön mitgenommen. Foto: Voss

Zwei Tage noch: Ist der Wald startklar?

Erhard Oehle: Wir haben unser Möglichstes getan. Aber trotz aller Mühe, die wir uns geben, ist der Wald ein Naturraum, in dem immer etwas passieren kann. Das darf man nicht vergessen – Bäume sind schließlich keine Stahlträger.

Wie fit ist der Wald kurz vor dem Hermannslauf?

Oehle: Dem Wald geht es ein bisschen so wie den Sportlern in ihrer Vorbereitung. Wenn ein Sportler falsch trainiert, dann schädigt er sich. Und das ist momentan die Situation im Wald. Diese Sinfonie in Grün, die wir jetzt im Frühling erleben, kaschiert den wirklichen Gesundheitszustand. Er ist seit einem Jahr im Dauerstress.

Er hatte eine harte Saison. Konnte er so durchstarten wie die Läufer nach dem Winter?

Oehle: Auf den Sturm Friederike folgte die riesenlange Trockenheit bis September, Oktober. Das war Stress pur. Unsere vage Hoffnung, dass der Wald durch einen regen und schneereichen Winter Wasserersatz bekommt, hat sich nicht erfüllt. Wir hatten zwar Niederschläge, aber bei weitem nicht in dem Maße, um das entstandene Defizit in einer Säule von über 1,80 Meter auszugleichen. Bis vor drei Wochen war es so, dass der Oberboden in einer Tiefe von 30 Zentimetern zwar handfeucht war. Aber wenn sie mit einem Spaten tiefer gegraben haben, war der Boden knochentrocken.

Die Läufer wissen, was gut für sie ist. Was ist gut für den Wald?

Oehle: Das Wichtigste ist das richtige Benehmen im Wald, dass die Zuschauer sich auf den Wegen oder auf dem Randbereich aufhalten, nicht mitten durch den Bestand laufen und auf gar keinen Fall rauchen. Denn es ist, wie schon gesagt, alles immer noch knochentrocken. Wenn man den Naturraum Wald betritt, sollte man ihn so verlassen, wie man ihn betreten hat und alles, was man mit hineingenommen hat, auch wieder mit hinausnehmen. Für die Sportler ist das nicht immer einfach. Dafür gibt es aber Hilfskräfte, die nachher die Strecke fein säuberlich nachlaufen und alles einsammeln. Aber ich denke da natürlich auch an die Zuschauer.

Wem gehört der Wald? Darf man dort immer laufen bzw. spazierengehen?

Oehle: Der Hermannslauf führt zu mehr als 80 Prozent durch Privatbesitz. Nach dem Landesforstgesetz von Nordrhein-Westfalen ist das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung jederzeit und auf eigene Gefahr gestattet. Das heißt: Um spazierenzugehen oder individuell Sport zu treiben, darf man den Wald jederzeit benutzen. Sie müssen sich auch nicht anmelden. Das ist nur dann nötig, wenn es eine organisierte Veranstaltung ist. Dazu bedarf es einer Genehmigung der Waldeigentümer.

Sie sind als Forstbetrieb erstmals am Samstag auf der Läufermesse präsent. Was haben Sie geplant?

Oehle: Ich werde zusammen mit unserem Ranger Aaron Gellern ganz gezielt die Läufer ansprechen. Wir wollen sie dafür sensibilisieren, dass sie in einem Privatwald unterwegs sind, dass sie den Lauf in einem fantastischen Naturraum absolvieren, der als Kulturgut viel stärker gewürdigt gehört und dass der Hermannslauf seine Beliebtheit der Textur des Geländes und der vielfältigen Waldstruktur verdankt. Das wollen wir gezielt ansprechen und die Diskussion darüber fördern. Wir gehen auf die Leute zu.

Beim Hermannslauf ist jeder ein Gewinner. Gehört der Wald auch dazu?

Oehle: Ja, durchaus. Denn dadurch, dass wir die Öffentlichkeit auch über den Hermannslauf für den Teutoburger Wald interessieren, haben wir die Hoffnung, mehr Interesse für den Wald hervorzurufen. Das ist bitter nötig. Wir hoffen, dass sich mehr Menschen Gedanken machen, wie es mit dem Wald weitergeht und sich fragen: Was können wir tun? Ich sage: Jeder kann etwas tun, zum Beispiel über seinen Kommunalpolitiker oder seinen Landtagsabgeordneten dafür sorgen, dass mehr in den Wald investiert wird. Denn der Wald ist die Zukunft für unsere gesamte Gesundheit.

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