Di., 21.05.2019

Aus dem Jahresbericht der Lebensmitteluntersuchungsbehörde in Detmold Blauer Honig

Diese Honigwabe gab ein ratloser Imker bei der Lebensmittelüberwachung ab. Acht Völker produzierten blauen Honig.

Diese Honigwabe gab ein ratloser Imker bei der Lebensmittelüberwachung ab. Acht Völker produzierten blauen Honig. Foto: CUVA

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Was hat es mit blauem Honig auf sich? Die Analyse war eine von 9013 Lebensmitteluntersuchungen, die das Chemische und Veterinär-Untersuchungsamt (CVUA) Ostwestfalen-Lippe im vergangenen Jahr durchgeführt hat.

Was macht die Behörde?

Die Untersuchungen, die die 148 Mitarbeiter des CVUA in Detmold täglich in ihren Laboren vornehmen, betreffen die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Es geht um madenverseuchte Schokowaffeln, verdorbene Wurst, allergieauslösenden Schmuck, ungeklärte Todesfälle von Tieren, illegale Farben in Limonaden, Antibiotikarückstände im Schlachtfleisch, Brunnenwasserqualität und viele andere Dinge. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler im vergangenen Jahr 211.743 Proben.

Wer bezahlt das?

Finanziert wird das Amt vom Land NRW sowie die Kreisen Minden-Lübbecke, Herford, Lippe, Gütersloh, Paderborn und Höxter sowie der Stadt Bielefeld. Die Proben werden von den örtlichen Lebensmittelkontrolleuren zum Beispiel im Handel, bei Herstellern und auf Schlachthöfen genommen und nach Detmold geschickt, aber auch von Verbrauchern bei den örtlichen Ämtern abgegeben.

Vegetarische Lebensmittel

2018 wurden erstmals vegetarischen und vegane Lebensmittel überprüft. 15 Fleischersatzprodukte wurden auf den krankmachenden Keim Listeria monocytogenes untersucht, in keiner Probe war der Keim nachweisbar. Auf einer »vegetarischen Schinkenmortadella« war aber schon vor dem Ablaufdatum ein »gelber Bakterienrasen«. Auch in zwei Proben einer vakuumverpackten »vegetarischen Brühwurst« wurden Keime nachgewiesen.

Wildschweinfleisch

33 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl finden Wildschweine in Ostwestfalen-Lippe noch immer radioaktiv verseuchtes Futter – Pilze zum Beispiel. 2018 wurden 121 erlegte Wildschweine zur Untersuchung auf Radiocäsium nach Detmold gebracht. Bei 15 von ihnen (12,4 Prozent) wurden Höchstwertüberschreitungen festgestellt.

Schädlinge

Außer Salz, Zucker und reinen Fetten können alle Lebensmittel von Schädlingen befallen werden. Besonders häufig werden Getreide und Getreideprodukte von Insekten wie Käfern und Motten heimgesucht. Auch Nüsse, Rosinen oder Trockenobst sind sehr anfällig. 2018 fanden die Kontrolleure Maden in Karamellbonbons, Schokowaffeln und dragierten Nüssen. »In zwölf von 15 Proben, die wir 2018 mit Verdacht auf Schädlingsbefall zugeschickt bekamen, wurden wir fündig«, sagt CVUA-Vorstand Dr. Manfred Stolz.

Honig

Das Amt in Detmold ist landesweit für die Analyse von Honig zuständig. Betrüger stellen Bienen zum Beispiel Sirup hin, so dass ein Großteil des Honigs nicht auf Blüten zurückgeht. Das finden die Wissenschaftler im CVUA mit unterschiedlichen Methoden heraus. Unter 370 Honigproben fanden sich 2018 zwei verdächtige.

Untersucht wurde auch eine Wabe mit blauem Honig, die ein Imker abgegeben hatte. Dr. Stolz: »Insgesamt waren acht Völker verschiedener Imker betroffen.« In der Masse, die nach Angaben der Experten nach Smarties schmeckte, fanden die Wissenschaftler nicht nur einen für Honig untypisch hohen Malzzuckeranteil, sondern auch den Farbstoff »E 133 Brillantblau«, der in der Natur nicht vorkommt und von der Lebensmittelindustrie verwendet wird.  Dr. Manfred Stolz: »Damit war klar, dass es sich nicht um echten Honig handelte.« Wo die Bienen den Stoff aufgenommen haben, konnten die Detmolder nicht klären. In einen ähnlichen Fall in der Eifel hatten sich Bienen über die Abfälle eines Süßwarenproduzenten hergemacht.

Kindermilch

Die Untersuchung von 32 Proben sogenannter Kindermilch ergab fast keine Auffälligkeiten. Als unzulässig beanstandet wurde allerdings der Begriff. Denn als Milch gelte ausschließlich das beim Melken gewonnene Erzeugnis ohne jeglichen Zusatz oder Entzug (es gibt Sonderregelungen für fettarme oder lactosefreie Milch). Der »Kindermilch« seien aber zum Teil auch Pflanzenfett und andere Stoffe zugesetzt. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sind spezielle Milchgetränke für die Ernährung von Kleinkindern ohnehin nicht notwendig.

E-Liquids

Der Zoll ließ im vergangenen Jahr sechs E-Liquids für Elektrozigaretten beim CVUA untersuchen, die Verbraucher in China bestellt hatten. Solche Flüssigkeiten dürfen laut einer EU-Richtlinie pro Milliliter höchstens 20 Milligramm des Nervengifts Nikotin enthalten. Bei der Analyse wurden bis zu annähernd 50 Mal so hohe Konzentrationen nachgewiesen.

Gen-Soja

Von den auf gentechnisch veränderte Sojabohnen untersuchten 67 Lebensmittelproben waren zehn (15 Prozent) auffällig, und zwar drei Erzeugnisse für eine gewichtskontrollierende Ernährung, drei Produkte für Sportler, eine Säuglingsnahrung sowie vegane und vegetarische Fleisch- und Wurstersatzprodukte. Das Detmolder Amt weist darauf hin, dass es immer aufwendiger werde, genverändertes Soja nachzuweisen, weil im Ausland neue genveränderte Soja-Linien zugelassen würden.

Tierschutz

Untersucht wurden im vergangenen Jahr auch 41 Tierschutzfälle, für die im Auftrag der Veterinärämter gerichtsfeste Gutachten erstellt werden sollten. Die Untersuchungen betrafen 17 Rinder, 15 Schweine, vier Schafe, Hunde, Katzen und ein Pferd. In den meisten Fällen ergaben die Untersuchungen, dass eine Straftat zum Zustand des Tieres geführt hatte – eklatante Vernachlässigung zum Beispiel oder Schläge.

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